Ausflüge | 2017/10 - 18. Mai, S. 26


Der Täufling von St. Gotthardt


Unterwegs auf dem „Reformationspfad“ in Brandenburg an der Havel


Sie sind eine ganz besondere Spezies und ein ständiger Wegbegleiter. Mal wirken sie friedlich, mal angriffslustig, so als würden sie einem gleich in die Wade beißen wollen – die Waldmöpse. Man fühlt sich in der mehr als 1 000 Jahre alten Domstadt an der Havel, die als die Wiege der Mark Brandenburg gilt, auf Schritt und Tritt von ihnen beobachtet.

TMB
Eine der großen Reformationsausstellungen im Land ist im Dom zu Brandenburg an der Havel zu sehen.
Foto: TMB-Fotoarchiv/Steffen Lehmann
 

Die kaum 30 Zentimeter hohen Bronzewesen mit ihrem Mini-Geweih auf der Stirn sind in der ganzen Stadt verteilt. Sie schauen mal neugierig über den Beckenrand, heben ein Bein an einem Stein oder bewachen mit kritischem Blick ein Denkmal. Und zwar nicht irgendeines, sondern das ihres Schöpfers: Loriot – alias Vicco von Bülow, der hier in der Stadt 1923 nicht nur geboren, sondern im selben Jahr auch getauft worden ist.

Und nicht in irgendeiner Kirche wurde der für seinen Wortwitz bekannte Humorist getauft, sondern in der St. Gotthardt Kirche. Sie gilt im Land Brandenburg als ein herausragendes Beispiel einer Reformationskirche.

Das Gotteshaus mit vormals 18 Altären hatte zu jener Zeit einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Bis heute besticht sie durch ihre schlichte Ausstattung und einen neuen Flügelaltar, der 1559 von den damaligen Ratsherren der Stadt in Auftrag gegeben worden war. Welche weiteren charakteristischen Merkmale eine protestantische Kirche ausmachen, ist in einer Doppel-Ausstellung zu sehen, die in Kooperation mit dem Dom
St. Peter und Paul entstanden ist.

TMB
Die kleinen Waldmöpse mit Geweih von Brandenburg a. d. Havel sind ein Geschöpf von Loriot –
alias Vicco von Bülow, der 1923 in der Stadt geboren wurde.
Foto: Matthias Schäfer
 

Martin Luther war übrigens nie selbst in der Stadt gewesen. Trotzdem gibt es neben St. Gotthardt weitere Gebäude in der Stadt, auf die die Reformation unmittelbar Auswirkungen hatte. Miteinander verbunden sind diese über den „Reformationspfad“. Auf seiner Route mit insgesamt fünf Stationen liegt unter anderem die Altstädtische Lateinschule.

Dass es diese gibt, ist den damaligen Ratsherren zu verdanken, die der Reformation und damit der Erziehung nach der lutherischen Lehre offen gegenüber gestanden haben.


Ausstellungen bis 31. Oktober 2017

„Altlust“ im Dom zu Brandenburg a. d. Havel 
www.dom-brandenburg.de

„Reformation konkret“ in der St. Gotthardkirche
www.gotthardtkirche.de

Anfahrt
Alle halbe Stunde von Berlin Hbf mit dem RE 1 in 45 Min. nach Brandenburg a. d. Havel, weiter mit Tram 2 und 6

Touristinformation Brandenburg a. d. Havel Neustädtischer Markt 3, t 033 81 796360 E-Mail: touristinfo@stg-brandenburg.de
www.erlebnis-brandenburg.de