Die S-Bahn Berlin macht im Projekt „Langlebigkeit“ die Züge der Baureihe (BR) 481 fit, damit sie für mindestens zehn weitere Jahre zum Einsatz kommen. Der Bereich Design im Werk Schöneweide ist im Rahmen des Projektes in dieser Form neu entstanden und setzt sich aus vielen Gewerken zusammen. Eines davon ist die Lackiererei.

Vor genau dreißig Jahren begann Martina Kleiner als Malerin und Lackiererin im Werk Schönweide, 2015 qualifizierte sie sich zur Industriemeisterin Metall. Inzwischen ist die 49-Jährige Leiterin des Bereichs Design. „Wir machen alles, was mit schick und schön zu tun hat“, fasst sie die Kernkompetenz des Teams zusammen – ein Lächeln huscht dabei über ihr Gesicht. „Alle Arbeiten rund um das Innen- und Außendesign werden von einem 104-köpfigen Team aus Glasern, Sattlern, Tischlern und Lackiererinnen und Lackierern erledigt,  unterstützt werden wir von bis zu 16 DB Service-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“


Vor dem Lackieren: Spachteln und Schleifen und Grundieren. Foto: Sabine Adler

 

Wenn ein Zug in der Lackhalle an­­kommt, ist er komplett demontiert: Sitze, Fenster, Türen, selbst Frontmaske und Boden sind weg. „Der Zug kommt also als Gerüst an“, erklärt sie. „Die Korrosions­behandlung an den Längsträgern ist zwar schon erledigt, aber das DB Service-Team nimmt sich gleich zu Anfang der Ceramol-Entfernung an, eine Beschichtung, die den Lack schützt, wenn Graffitis entfernt werden. Diese Beschichtung ist die erste Herausforderung, da sie schwer ablösbar ist. Die geklebte Bebänderung und die Piktogramme müssen komplett vom Wagenkasten entfernt werden.“

Es folgen der Grobbeziehungsweise Vorschliff, dann kommt der Wagen­kasten in die Klebehalle – dort werden die Fensterrahmen und Dachrinnen sowie die Frontmaske neu verklebt. Danach geht es in die neu gebaute Schleifhalle, hier erfolgt der Feinschliff mit Spachtelarbeiten. Im Anschluss werden die nicht zu lackierenden Anbauteile mit Folie und Klebeband abgeklebt und die Fensterausschnitte mit Platten, die Schrankrückwänden ähneln, „verpappt“. Jetzt geht es für den Wagenkasten in die Lackierkabine, dort wird die Grundierung aufgetragen, danach folgt die Rotlackierung mit Basislack.

Nach der Trocknungszeit wird die rote Fläche abgeklebt, damit der gelbe Bereich lackiert werden kann. Zum Schutz des Lacks vor Umwelteinflüssen und um den Wagenkasten zum Glänzen zu bringen, wird noch ein Klarlack aufgetragen. „Neun bis zehn Tage bleibt der Zug bei uns in der Lackierung, er wird mit Topfpistolen händisch gesprüht, das ist kein automatisierter Prozess“, sagt Kleiner, deren Team inzwischen von ehemals fünf auf 14 Lackierer:innen angewachsen ist. „Und dann geben wir den Zug ab. Innerhalb unseres eigenen Bereichs wird er in die Innenmontage gebracht. Jeden Tag muss ein Wagen ‚weiterwandern‘, um die fein aufeinander abgestimmten Abläufe zu gewährleisten.“


Lackieren. Foto: Sabine Adler

 

Die Lackiererei bringt den Zug in gut anderthalb Wochen auf Hochglanz

Zur Arbeit gehört auch die tägliche Materialbestellung – Lacke zählen zur Grundausstattung, und der Vorrat an Schleifpapier füllt drei Aktenschränke, die Kisten, die sich davor stapeln nicht eingerechnet. „Was jetzt so einfach klingt, ist eine große Aufgabe für unser Werk“, erklärt Torsten Rudloff, Leiter Fertigung Fahrzeuge/Komponente. „Früher wurden in Schöneweide an der BR 481 nur Teil­lackierungen ausgeführt, das komplette Runterschleifen und die mehrschichtige Neulackierung sind im Zuge des Projekts Langlebigkeit entstanden. Einen solch großen Aufwand gab es bei den Arbeiten für das Design seit 30 Jahren nicht.“

Das bedeutet, dass das ehemals 40-köpfige Team binnen kürzester Zeit personell verstärkt wurde, vornehmlich in den Jahren 2019/2020. „Die Arbeit ist körperlich anstrengend und wird im Zwei- beziehungsweise Dreischichtsystem erledigt“, ergänzt Rudloff. Hinter dem rot-gelben Glanzlack steht also jede Menge neues Personal, das eigens angelernt wurde. Einige Kolleginnen und Kollegen kamen aus anderen Meistereien dazu, aber es wurden auch stapelweise Bewerbungen gesichtet, Gespräche geführt und hin und wieder Absagen kassiert. „Das alles funktioniert nur, weil wir gemeinsam an einem Strang ziehen“, schließt Kleiner.

Wer also demnächst eine auf Hochglanz getrimmte BR 481 im S-Bahn-Netz sieht, kann sicher sein: Sie hat den Bereich Design durch­laufen, zahlreiche Kolleginnen und Kollegen haben geschliffen, ge­spachtelt und einlackiert, was Tellerschleifer, Spachtel und Sprühpistole hergeben. Damit unübersehbar ist: alles in schick und schön! | sal


Das Hochglanz-Ergebnis: ein runderneuertes Außendesign. Foto: Sabine Adler

 

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