Züge steuern in Zeiten von Corona
Jens Kasberg, Triebfahrzeugführer

Die Züge waren in den vergangenen Wochen zwar leerer als sonst – aber eben nicht ganz leer. Denn nicht alle Berufsgruppen konnten sich ins Homeoffice zurückziehen, sondern haben das tägliche Leben und die Versorgung unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten. Dazu zählen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass die Züge weiterhin fahren, gereinigt und instandgehalten werden – Ihnen allen gilt ein ganz besonderer Dank.

„Fast leere Züge zu fahren ist schon ein komisches Gefühl“, sagt Jens Kasberg, der als Triebfahrzeugführer beispielsweise auf den Strecken der Linien RE5 zwischen Elsterwerda und Rostock oder RB24 zwischen Senftenberg und Eberswalde im Einsatz ist. „Vor allem wenn man weiß, dass die Züge sonst zu Stoßzeiten voll sind.“ Bei Fahrten in den Randlagen von Berlin und Brandenburg sei es auch mal vorgekommen, dass nur er selbst und ein Zugbegleiter an Bord waren. „Das ist schon seltsam.“

Bei Triebwagen allein mache das vom grundsätzlichen Fahrgefühl nicht so viel aus, schildert Jens Kasberg weiter. „Aber Lock-bespannte Züge bremsen anders, wenn sie schwerer sind – es ist also ein Unterschied, ob Fahrgäste mit an Bord sind.“ Veränderungen aufgrund der Corona-Pandemie bemerke er auch in seiner Funktion als Ausbilder von Triebfahrzeugführern. „Wir haben die Gruppengröße verringert und dafür die Azubis in mehrere Schichten eingeteilt“, erzählt der 38-Jährige. „Normalerweise sitzen elf Leute im Lehrgang, jetzt sind es noch sechs. Und während wir sonst in den Fahrzeugen zu dritt sind, um etwas zu erklären, findet derzeit eine Eins-zu-eins- Betreuung statt, bei der auch eine Mund-Nase-Bedeckung getragen wird.“

Jens Kasberg hat seine Ausbildung von 1998 bis 2001 bei DB Regio in Berlin absolviert. Im Anschluss war er zunächst bei DB Regio in Stuttgart im Rangierdienst tätig, später wieder im Streckendienst. Seit 2019 ist er zurück in Berlin. Worauf alle Kollegen in der aktuellen Situation natürlich verzichten müssen, sei der Handschlag, sagt der Triebfahrzeugführer. „Aber sonst hat sich in der Zusammenarbeit nicht viel verändert – man steht trotzdem mit nötigem Abstand zusammen und tauscht sich aus.“

An den Bahnhöfen nehme er wahr, dass sich die Fahrgäste mehr umsehen würden. „Sie achten dem Gefühl nach zum Beispiel darauf, ob auch die anderen Menschen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen“, hat Jens Kasberg beobachtet.

 

Mal wieder ins Restaurant

Er selbst freue sich für die Zeit nach Corona vor allem darauf, mal wieder in Ruhe in einem Restaurant essen zu gehen – ohne Abstandregeln. „… und auch darauf, dass die Möglichkeiten für verschiedene Freizeitaktivitäten wieder komplett hochgefahren sein werden“, sagt Kasberg.

Josephine Mühln