Es sollte Anfang Juni ein richtig schönes Bahnhofsfest auf Usedom geben. Die Bäderbahn wollte mit Stamm- und Gelegenheitsfahrgästen ihren 25. Geburtstag feiern. Doch das Virus hat auch dieses Vorhaben zunichte gemacht. Dennoch ist das Jubiläum würdiger Grund,  dem
DB Regio-Unternehmen „Usedomer Bäderbahn“ zu gratulieren, hat es doch eine beeindruckende Erfolgsgeschichte von einer Totgeweihten zur Quicklebendigen aufzuweisen. Als nebenstehende Seite vor 23 Jahren in punkt 3 erschien, war Jörgen Boße bereits Geschäftsführer, heute ist es der 56-Jährige noch immer.

 


„Willy lebt“ … war im Jahr 1997 die Überschrift in punkt 3. Damals fuhr gelegentlich noch die „Ferkeltaxe“ (daher das Schweinchen-Maskottchen) über die Insel. Der Schienenverkehr hier war wenige Jahre zuvor von Bahn und Politik totgesagt worden. Doch Hartnäckigkeit und eine Chefentscheidung auf höchster Ebene brachten die „Wende nach der Wende“.

 

Willy ist wohl ein Glücksschweinchen. Wie geht’s ihm heute?

Jörgen Boße: Bestens, sieht man mal von den aktuellen Virus-Problemen ab,  die ja alle haben. Zunächst einmal haben wir ein Versprechen von 1997 erfüllt: ab 28. Mai 2000 war nach 55 Jahren die Insel wieder per Schiene mit dem Festland verbunden. Unsere Fahrgastzahlen haben sich im Vergleich zum Jahr 1997 (1,1 Mio. Fahrgäste/Jahr) mehr als verdreifacht. In der Feriensaison haben wir täglich bis zu 10.000 Mitreisende. Unsere Züge fahren im 30-Minutentakt, seit 2008 bis Swinemünde (Swinoujscie).  Wir beschäftigen 200 Mitarbeiter und sind damit einer der großen Arbeitgeber auf der Insel. Auch der Busverkehr auf der Insel, Fernverkehr – zum Beispiel eine tägliche Busverbindung nach Berlin und zurück – sowie touristische Reiseangebote gehören mittlerweile zu unseren Offerten.

 

Wie sieht die Zukunft der UBB aus?

Jörgen Boße: Wir haben in der Vergangenheit ja schon viel erreicht. Eine richtig große Aufgabe wird die Reaktivierung der Darßbahn sein. Hier soll in den nächsten Jahren die Bahnstrecke von Barth wieder bis nach Prerow gebaut werden. Aber auch auf Usedom haben wir noch einige Pläne für unsere Bahn. So wird aktuell wieder über die Südanbindung nachgedacht, die die Reisezeit von Berlin nach Usedom fast halbieren würde. Aber auch weitere Kreuzungsbahnhöfe und Haltepunkte zum Beispiel bei Damerow sind in der Planung. Zudem müssen wir uns über die Zukunft Gedanken machen. Spätestens 2031 geht unsere gesamte Fahrzeugflotte in den dann wohlverdienten Ruhestand. Kommt dann Wasserstoffantrieb oder muss elektrifiziert werden? Aber auch unser erfolgreiches Busgeschäft soll weiter ausgebaut werden. So wollen wir die erfolgreiche Entwicklung des kurkartenfinanzierten Busverkehrs auf die ganze Insel ausdehnen oder unser Angebot von touristischen Tages- und Mehrtagesfahrten deutlich erweitern. Es wird also nicht langweilig bei uns.

 

Und wann wird das abgesagte Bahnhofsfest nachgeholt?

Jörgen Boße: Am 7. Mai 2022, dann existiert die UBB exakt 10.000 Tage.

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