1

Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel?
„Klasse unterwegs“ fördert die Mobilitätsbildung

Vor zwei Generationen war es vielerorts noch selbstverständlich: „Geh doch zum Spielen auf die Straße!“ Niemals würden Eltern ihren Kindern heutzutage so etwas zurufen. Heute sind die Straßen in den Städten meist zugeparkt. Man käme gar nicht mehr auf die Idee, dass die Straße auch ein Lebensraum sein könnte. Oder stehen wir wieder an einem Wendepunkt?

Der Mobilitätsforscher Philipp Spitta beschreibt den Teufelskreis von immer mehr Autos auf den Straßen: „Eltern haben das Gefühl, dass die Straßen zu gefährlich sind. Also bringen sie ihr Kind mit dem Auto zur Schule. Der Autoverkehr nimmt zu, die Straßen werden gefährlicher, noch weniger Kinder gehen zu Fuß.“ Aber es gibt laut Spitta auch die andere Entwicklungsrichtung: „Durch weniger Autoverkehr wird der Stadtteil lebenswerter und sicherer, mehr Kinder kommen zu Fuß in Gruppen und alleine zur Schule.“

 

Übergreifendes Thema

Auch in der Bildungspolitik und bei den Kultusministerien ist das Thema Verkehrswende und nachhaltige Mobilität inzwischen angekommen. Die Rahmenlehrpläne in Berlin und Brandenburg zum Beispiel beschreiben „Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung“ als ein übergreifendes Thema, das die Lehrer:innen in ihren Unterricht auf vielfältige Weise einbinden können und sollen.

Laut Rahmenlehrplan sollen die Schüler:innen natürlich auch weiterhin lernen, sich „umsichtig und sicherheits- und gefahrenbewusst“ im Verkehr zu verhalten. Aber darüber hinaus soll es im Schulunterricht um den größeren Blick und Lebensbezug einer nachhaltigen Mobilitätsbildung gehen. Ziel: „Die Schüler:innen lernen die Auswirkungen des Verkehrs und ihres Handelns auf die Gesundheit, die Umwelt und das Klima kennen. Sie beteiligen sich erfolgreich am Erhalt unserer Umwelt und an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Mobilität und Verkehrsumwelt.“

Besonders empfohlen wird in diesem Zusammenhang der Besuch von außerschulischen Lernorten und damit verbunden die gemeinsame Anreise mit Bus und Bahn. Denn dabei können die Kinder ganz praktisch lernen, verstehen und anwenden, wie die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren und wie man einen Tagesausflug entsprechend plant und vorbereitet. Das von DB Regio Nordost initiierte Programm „Klasse unterwegs“ (bahn.de/klasseunterwegs) bietet hierfür viele Anregungen zu geeigneten außerschulischen
Lern­orten.

 

Mehr Lebensqualität für alle

Auch die Stadtplaner:innen und Mobilitätsforscher:innen freuen sich darüber, dass nachhaltige Mobilität heute bereits in der Schule vermittelt wird. Denn die an etlichen Standorten schon umgesetzten verkehrsberuhigten Zonen, Spiel- und Fahrradstraßen zeigen, wie es künftig in immer mehr Stadtquartieren zugehen soll.

„Eine kinderfreundliche Verkehrs­gestaltung käme nicht nur den Kindern zugute, sondern würde mehr Lebensqualität für alle bedeuten“, erklärt Fachmann Spitta. Und wenn man die Architekturmodelle und Stadtplanungsentwürfe sieht, die sich dem Thema einer attraktiven Mobilitätszukunft widmen, dann müssen Eltern tat­sächlich keine Angst mehr um ihre Kinder haben.

 

Lesetipp
Philipp Spitta, „Praxisbuch Mobilitätsbildung. Unterrichtsideen zu Mobilität, Verkehr und Bildung für nachhaltige Entwicklung“
Schneider Verlag, Baltmannsweiler 2022