Wannsee-Babelsberg-Route: Der Name klingt angesichts der kulturellen Schätze, an denen diese Tour vorbeiführt, recht unspektakulär. Sie ist aber ein echt königliches Vergnügen, verläuft sie doch entlang der Uferwege der Havel und ihrer Seen mitten durch das UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“. Immer wieder lohnen sich Abstecher in die Parks der preußischen Könige. Dafür können Sie sich ausgiebig Zeit nehmen, denn die nur knapp 20 Kilometer lange Tour ist in anderthalb Stunden reiner Fahrzeit gut zu bewältigen.

Park Babelsberg mit seinen Gartenterrassen, Blumengärten und Wasserspielen bietet einen spektakulären Ausblick über das Welterbe. Im Glienicker Schlosspark schuf Peter Joseph Lenné überraschende Sichten auf Potsdam, Schloss Babelsberg, die Heilandskirche Sacrow, die Pfaueninsel und die Havelseen. Mit dem Schloss Glienicke, Casino, der Remise und Orangerie verwirklichte sich Prinz Carl von Preußen seinen Traum einer italienisch anmutenden Villa.

Aber auch ganz unterschiedliche Facetten der jüngeren deutschen Geschichte machen diese Tour spannend: Auf der Glienicker Brücke wurden im Kalten Krieg Agenten ausgetauscht, an der Mauergedenkstätte Griebnitzsee ist noch ein original Mauerrest zu entdecken. Im Haus der Wannseekonferenz erinnert eine ständige Ausstellung an den Holocaust. Und in der Wannsee-Villa von Max Liebermann sind die Werke dieses bedeutenden deutschen Impressionisten zu erleben.


Blick zur Sacrower Heilandskirche, Foto: Steven Ritzer 

 

Viel Abwechslung also entlang der Strecke – und obendrein bequem, denn Ihre Räder können Sie direkt am Bahnhof Potsdam Griebnitzsee beim Radvermieter Pedales ausleihen. Die Route ist mit einem gelben Querbalken gekennzeichnet. Vom Bahnhof folgt sie in westlicher Richtung der Rudolf-Breitscheid-Straße und biegt dann rechts ein in die Karl-Marx-Straße. Entlang dieser Straße erstreckt sich die Villenkolonie Neubabelsberg.

Im weiteren Verlauf erreichen Sie das Pförtnerhaus des Parks Babelsberg, dem Sie unbedingt einen ersten Abstecher widmen sollten. Das im englisch-neugotischen Stil erbaute Schloss Babelsberg liegt im Babelsberger Park am Ufer der Havel. Das Schloss und der Park wurden für Prinz Wilhelm von Preußen (später Kaiser Wilhelm I.) und seine Gemahlin Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar erbaut.

Zurück am Pförtnerhaus gelangen Sie über die „Allee nach Glienicke“ zur Parkbrücke, auf der Sie den Teltow­kanal überqueren und nach Klein-Glienicke gelangen. Bis 1989 war die Brücke der einzig mögliche Zugang zu diesem Potsdamer Stadtteil, der als Ost-Enklave komplett von der Mauer umschlossen war. Entlang des Mauerradwegs, auf dem Sie hier ­fahren, informieren Stelen über diesen besonderen Ort. Tipp für eine Pause: Das idyllische Wartmanns Café (wartmanns.de) liegt direkt am Park Babelsberg. Es ist Anlaufstelle für alle, die sich im Herbst und Winter bei einem heißen Getränk aufwärmen möchten. Auch hausgemachte Kuchen sowie warme Speisen für den kleinen und großen Hunger werden serviert. Das Café (Mo - Fr, ab November Do - So), liegt direkt am Fahrradweg und bietet einen Blick auf die Glienicker Brücke.

Auf der Waldmüller- und Mövenstraße fahren Sie anschließend direkt auf die Königstraße zu, die Berlin-Wannsee mit Potsdam verbindet. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Lennépark mit dem Schloss Glienicke. Beides bildet einen wichtigen Baustein der Potsdamer Kulturlandschaft. Prinz Carl von Preußen erwarb 1824 das Anwesen für sich und seine spätere Frau Marie von Sachsen-Weimar. Ganz unter dem Eindruck einer Italienreise ließ er die Aus- und Umbauarbeiten 1824 bis 1827 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel vornehmen.


Liebermann-Villa, Foto: Steven Ritzer 

 

Vor der Glienicker Brücke folgt die Route dann dem Uferweg entlang der Havel. Ein wunderbarer Blickfang am Aussichtspunkt Krughorn ist das architektonische Juwel der Sacrower Heilandskirche am gegenüberliegenden Ufer. Ein paar Kilometer weiter ist auch das weiße Schloss auf der Pfaueninsel vom Uferradweg gut zu erkennen. Der Uferweg führt direkt am Fähranleger zur Pfaueninsel vorbei. Diesen Abstecher sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Weiter geht es am Havelufer in den Düppeler Forst. Im Ortsteil Wannsee verläuft die Route aufgrund der Einbahnstraßenregelung auf der Straße Zum Heckeshorn. Geschichtsinteressierte besuchen das Haus der Wannseekonferenz, Kunstliebhaber machen in der Villa Liebermann Station.

Zurück auf der Königstraße fahren Sie bis zum alten Rathaus Wannsee und biegen links in die Chaussee­straße ab. Hier folgt die Route dem Straßenverlauf bis zum Wilhelmplatz zum alten Ortskern Wannsee. Besuchen Sie die Kirche am Stölpchensee. Der Stüler-Bau von 1859 ist umgeben von einem liebevoll gestalteten Garten. Verpassen Sie nicht das Glockenspiel, ein technisches Wunder im Glocken­turm, in dem mehrmals täglich Choräle erklingen.

Entlang der Kohl­hasenbrücker Straße folgt die Route dem Straßenverlauf. An der Stubenrauchstraße ist das letzte originale Mauerstück Potsdams zu besichtigen. Die Weg­strecke leitet Sie wieder zurück auf die Rudolf-Breitscheid-Straße bis zum Bahnhof Potsdam Griebnitzsee.

 

Tipps für den Ausflug

Der Radvermieter Pedales befindet sich direkt am Bahnhof Griebnitzsee. Empfehlenswert ist eine Vorabreservierung unter Telefon 0331/7480057. Bitte beachten: In den Zügen des Regionalverkehrs besteht kein Anspruch auf Mitnahme des Fahrrads.
potsdam-per-pedales.de

Herbstausstellung in der Liebermann-Villa | bis 13. März 2023
Die Sammlung der Liebermann-Villa am Wannsee wird seit den 1990er-Jahren zusammengetragen und umfasst heute über 200 Objekte.
Öffnungszeiten: täglich (außer dienstags) von 10 bis 18 Uhr
liebermann-villa.de
Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin

 

Anreise

Hinfahrt: z. B. mit dem RE1 um 10.11 Uhr von Berlin Hbf bis Potsdam Hbf und von dort mit der RB21 weiter bis Griebnitzsee. Alternativ fährt bereits um 9.18 Uhr eine RB21 ohne Umstieg.
Fahrzeit: 23 bis 35 Minuten

Rückfahrt: z. B. mit der RB21 um 16.17 Uhr

 

Ticket-Tipp

Die einfache Fahrt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) kostet mit einem Einzelfahrausweis Berlin ABC 3,80 €, hin und zurück geht es also für 7,40 €. Wird die Tour als Gruppenausflug geplant, lohnt sich ab fünf Personen das Brandenburg-Berlin-Ticket (BBT). Es gilt Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages im VBB. Das BBT kostet 33 € und kann von Gruppen bis zu fünf Personen genutzt werden. Darüber hinaus können bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis einschließlich 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden. bahn.de/brandenburg | vbb.de

 

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