„Wir schlagen hier heute zwei Fliegen mit einer Klappe“, verkündete ein sichtlich gut gelaunter Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB, an diesem wahrhaft „Weichen stellenden“ Tag für die Berliner S-Bahn am S-Bahnhof Westhafen. Gemeint waren damit die im Sommer 2021 in Betrieb gehende City-S-Bahn S15 und die voraussichtlich 2026 ans Netz gehende Siemensbahn. Beide Linien werden zukünftig über die neu verlegten Weichen am S-Bahnhof Westhafen Richtung Hauptbahnhof rollen.

Für die Bauarbeiten an den S-Bahnhöfen Westhafen und Wedding musste die Ringbahn und (laut Kaczmarek) damit „wichtigste S-Bahnstrecke Deutschlands“ über ein Wochenende gesperrt werden. Damit befindet sich das Projekt der City-S-Bahn im ersten Bauabschnitt für die so wichtige zweite Nord-Süd-Strecke. Dieser umfasst den Bau dreier Eisenbahnbrücken und eines 700 Meter langen Tunnels. Über die östliche Abzweigung der neuen Linie S15 von Gesundbrunnen und Wedding aus wird ab kommendem Sommer dann ein Pendelverkehr im 10-Minutentakt zu einem provisorischen Bahnsteig unter der Invalidenstraße am Hauptbahnhof eingerichtet. Dieser wird bis zur Fertigstellung der endgültigen Station direkt unter dem Hauptbahnhof 2026 in Betrieb sein. In den darauf folgenden Baustufen ist der Ausbau bis zum Potsdamer Platz beziehungsweise bis zur Yorckstraße vorgesehen.

 

Technische Hochleistungen

Für den Leiter des Projekts Thomas Rüffer, der bereits seit 2002 bei der DB Netz AG arbeitet, ist dieses Bauvorhaben eines der spannendsten seiner Karriere. Die Herausforderungen, die in den kommenden Jahren zu bewältigen sein werden, umfassen Bauarbeiten im engen Innenstadtbereich mit seinen sensiblen Bauwerken vom Reichstag bis diversen Denkmalen über eine knifflige Grundwasserthematik und die technische Komplexität der Arbeiten rund um den Hauptbahnhof. Dort gilt es unter anderem Tunnelanlagen direkt unter bestehenden Brückenstützen zu errichten.

Beim jetzt erfolgten Einbau der Weichen betonte Rüffer die vorherrschende Anspannung, die Bauarbeiten und Sperrungen im laufenden Betrieb so mit sich brächten. Zumal auf dem hochfrequentierten Ring. Verzögerungen seien immer schlecht – gut also, dass die Weichen bereits vor dem eigentlich anberaumten Fototermin im Gleis lagen. Die Bauarbeiten auf dem Ring gingen also zügiger voran als geplant. Ein willkommenes Vorzeichen für die diffizile, aber dringend benötigte neue Nord-Süd-Strecke der S-Bahn Berlin. | lk

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