Die Leute von der Teichfischerei „Blumberger Mühle“ fahren zwar auch im Herbst 2020 ihre Ernte ein. Doch coronabedingt gab es in diesem Jahr keinen großen Fischzug an den Görlsdorfer Fischteichen nahe Angermünde – die Tradition des Ab­fischens wurde zum ersten Mal seit vielen Jahren unterbrochen. Ein Spaziergang durch die Fischteiche zwischen Blumberger Mühle und Görlsdorf lohnt dennoch zu jeder Jahreszeit. Die kilometerlangen Wege auf den Deichen zwischen den Teichen bieten genug Gelegenheit für aben­teuerliche Erlebnisse – das Befahren ist aber streng untersagt.

 

Karpfen als Fastenspeise

Der seit der Wende von Ortsunkundigen ins Spiel gebrachte Name der Blumberger Teiche ist übrigens falsch – denn einen Ort namens Blumberg gab und gibt es hier nicht: Um 1300 ließen sich Zisterziensermönche in Görlsdorf nieder. Sie bauten an der Welse eine Wassermühle, die man „Heilig-Geist-Mühle“ nannte.
Um immer genug Wasser auf das Mühlrad fließen zu lassen, stauten sie die Welse südlich von der Mühle zu einem Teich auf, in dem sie auch Karpfen als Fastenspeise züchteten.

Ein Müller namens Martin Blumberg erwarb die Wassermühle im Jahr 1707, die deshalb fortan Blumberger Mühle hieß. Martin Blumberg nutzte sie als Getreide- und Schneidemühle. 1897 endete der unrentabel gewordene Mühlenbetrieb. Das Gebäude der Wassermühle gibt es bis heute, sie ist Teil der Anlagen, die zur Teichfischerei gehören. Der von den Zisterziensern angestaute Teich, heißt seit der Inbesitznahme durch Martin Blumberg Blumberger Mühlteich – er ist der einzige Teich, der den Namen Blumberg trägt.

 

Teichwirtschaft wiederbeleben

Die ersten künstlichen Karpfenteiche ließ der Görlsdorfer Graf Wilhelm Freiherr von Redern westlich des Wegs von der Blumberger Mühle nach Görlsdorf anstelle der ursprünglichen Erlenbruchwälder anlegen. Mitte der 1960er Jahre wurde festgelegt, die Teichwirtschaft bei Görlsdorf wiederzubeleben und die vorhandenen alten Fischteiche um neue zu ergänzen.

Die wurden nördlich der Blumberger Mühle und östlich des Weges von der Mühle nach Görlsdorf in den Jahren 1967 bis 1969 angelegt. Dafür musste Wald weichen, hohe Buchen und dicke Eichen an der Bahnlinie Berlin – Stralsund im Bereich des damaligen Bahnwärterhäuschens Erichshagen fielen. Erichshagen ist der Name eines längst verschwundenen Dorfes, eines sogenannten wüsten Ortes, der wohl im 19. Jahrhundert von der Landkarte verschwunden ist und sich noch östlich der gräflichen Fischteiche befand. Mit den neuen Teichen erhielt die Teichwirtschaft bei Görlsdorf überregionale Bedeutung.

Das hohe Schilf, das abgelassene Wasser, verbliebene Karpfen, Enten und viele andere Wasservögel, der naturbelassene Uferbereich der Welse, der nahe der alten Blockstelle Erichshagen auf die andere Seite der Bahnlinie wechselt, bieten Wanderern viele interessante Sichten auf eine den meisten Menschen fremde Welt – und das nicht nur, wenn der große Fischzug beginnt. Übrigens starten vom NABU-Besucherzentrum Blumberger Mühle aus geführte Wanderungen hinein die Teichlandschaft. | mpj

 

Auch bei diesem Ausflug gilt: Abstands- und Hygieneregeln einhalten sowie möglichst die Hauptverkehrszeiten meiden.

 

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