Von den aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus sind auch die Vorhaben im aktuellen Themenjahr Kulturland Brandenburg 2020 „KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg“ betroffen. Viele gemeinsam mit unterschiedlichen Projektpartnern geplante Veranstaltungen im ganzen Land können momentan nicht stattfinden. Die Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen mit den Besuchern ist dennoch groß. Das Themenjahr ist mit vielen spannenden Orten und Projekten gespickt: Der kleine Ort Sacrow bei Potsdam ist ein Paradies. Nur wenig zeugt heute noch von der Geschichte der beiden Diktaturen in Deutschland und den menschlichen Schicksalen, die sie hinterlassen haben. Der Dokumentarfilmer Jens Arndt hat sich auf die Suche nach den Zeugen dieser Geschichte gemacht und sie interviewt.

Entstanden sind ein Film und eine Ausstellung, die im Schloss Sacrow zeigen, dass „jedes Paradies auch die Hölle in sich“ trägt. Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende entdeckten Archäologen in den brandenburgischen Wäldern bislang unbekannte Hinterlassenschaften aus der Zeit unmittelbar nach dem Kampf um Berlin. In sogenannten Waldlagern fanden sie militärische Abzeichen, Essgeschirre, Alltagsgegenstände.

 


Potsdam – Altes Rathaus und Palais Barberini um 1948. BArch, Bild 170-378, M. Baur


Potsdam – Altes Rathaus und Museum Barberini, 2020. Foto: Frank Gaudlitz

 

Die Ausstellung „Zwischen Krieg und Frieden

Die Waldlager der Roten Armee“ im Kornspeicher Neumühle in Alt Ruppin zeigt Objekte aus den Waldlagern und erzählt die Geschichten dahinter. Ende April 1945 wurde die Stadt Prenzlau massiv zerstört. Davon betroffen war auch die reichhaltige Sammlung des kulturhistorischen Museums. Nach jahrzehntelangen Bemühungen konnten Teile der Sammlung 1987 restituiert werden.

Vieles blieb verschollen. Die Ausstellung „In Trümmern. Prenzlau 1945 – gerettet. bewahrt. erinnert.“ im Dominikanerkloster gibt mit Hilfe wiederentdeckter historischer Aufnahmen einen Einblick in das einstige Kulturgut. Bis 1945 ist Frankfurt (Oder) unumstritten die Hauptstadt Ostbrandenburgs. Nach 1945 wird die Stadt zum Menschenumschlagplatz fürMillionen deutsche Kriegsgefangene und Zivilverschleppte.

Auch viele Tausend Polen werden aus dem Osten ihres Landes unfreiwillig an die Oder umgesiedelt und müssen fortan in Słubice, der ehemaligen Dammvorstadt Frankfurts, eine neue Heimat finden. Die Ausstellung „Krieg und Frieden in Brandenburg. Frankfurt (Oder) 1945“ berichtet von den Schicksalen dieser Menschen und von der Neuerfindung Frankfurts als Grenzstadt und als Wirtschaftsstandort.

In Eisenhüttenstadt zeigt das Dokumentationszentrum in der Ausstellung „Kunst der Erinnerung“ Alltagskultur der DDR, Gemälde, Grafiken und Fotografien des Kunstarchivs Beeskow, die sich mit dem Thema Zweiter Weltkrieg, der Befreiung vom Nationalsozialismus und der Freundschaft zur Sowjetunion befassen. Die Themen waren zentraler Bestandteil der staatlichen Erinnerungskultur und sind dementsprechend präsent in der Kunst der DDR.

Das Museum Schloss Doberlug wirft mit der Ausstellung „Acht Wochen eines Jahres“ einen Blick auf die militärische Nutzung des
Schlosses in der Nachkriegszeit. Illustriert von vielen Sachzeugen, stellt sie die verschiedenen Akteure vor, zeigt den militärischen Alltag sowie die Verbindung von Kaserne und Zivilbevölkerung.

Die Stadt Lübben präsentiert in einer Ausstellung im Schlossmuseum das biografische Gedächtnis der Einheimischen, die in Tagebüchern, Briefen und Postkarten vom Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit berichtet haben. Im Rahmen einer Themenwoche soll es darüber hinaus thematische Führungen, Zeitzeugengespräche und Filmvorführungen geben.


Zerstörte Marienkirche Prenzlau. Bild: Historisches Stadtarchiv Prenzlau


Marienkirche Prenzlau 2020. Foto: Frank Gaudlitz

 

Digitale Angebote

Neben zahlreichen Ausstellungen, Theateraufführungen, Installationen und Performances, die das Themenjahr bereichern, sind verschiedene Online-Angebote entstanden, die Interessierte auf der Website sowie den Social-Media-Kanälen (Facebook, Instagram und Youtube) von Kulturland Brandenburg und den Projektpartnern des Themenjahres entdecken können.

So gedenkt die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Sachsenhausen mit Videobotschaften, Online-Konzerten oder Online-Performances auf www.stiftung-bg.de der Opfer des Nationalsozialismus.

Unter dem Titel „Kosmos Campus“ erkunden Studierende der Fachhochschule Potsdam die militärische Vergangenheit ihres eigenen Campusgeländes. Dabei entsteht eine interaktive Karte, mit der Besucher ab Juni im digitalen Raum über den Campus streifen und die Spuren seiner militärischen Vergangenheit erkunden können.

 

Publikation zum Themenjahr

Unter dem Titel „KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg – Kulturland Brandenburg 2020“ erscheint im Mai im Verlag Verlagskooperation lesen lokal eine Publikation, die sich mit dem gesellschaftlichen und erinnerungskulturellen Wandel in Brandenburg auseinandersetzt. Mit Beiträgen unter anderem von Aleida Assmann, Christoph Bernhardt, Knut Elstermann, Norbert Frei, Thomas Kersting, Manja Präkels und mit Fotostrecken des Potsdamer Fotografen Frank Gaudlitz.

KRIEG und FRIEDEN. 1945 und die Folgen in Brandenburg
Hrsg.: Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH,
Kulturland Brandenburg
Preis 20 Euro
ISBN 978-3-9396-2961-0

www.kulturland-brandenburg.de

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