Viele Tode musste Opa Jurek in seinem Leben sterben: Im besetzten Warschau, wo er in der Sperrstunde zwei deutschen Soldaten in die Arme läuft, in der „weltberühmten“ Ortschaft Oświęcim, in der er den Todeshunger kennenlernt. In Opole, wo er vor den leeren Regalen seines Lebensmittelgeschäfts, noch immer sterbenshungrig, von Delikatessen träumt. Und auch, als er schon längst mit Oma Zofia verheiratet ist und ihre Tochter sich in einen jungen Delinquenten verliebt, der sie nach Kanada entführen will.

Von der noch ungetrübten Vorkriegszeit bis in die Aufbruchsjahre nach dem Aufgehen des Eisernen Vorhangs – mit „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ hat Autor Matthias Nawrat die bewegte Geschichte einer polnischen Familie niedergeschrieben. Wer eine Lesung des Werks in ganz besonderem Ambiente erleben will, der sollte am 9. Juli in den Kulturzug von Berlin nach Wrocław steigen. Denn dort wird Matthias Nawrat zu Gast sein – und er hat bereits versprochen, dann auch ein paar neue Texte im Gepäck zu haben.

 

Besonderes Flair der Begegnungen

„An Bord des Kulturzuges herrscht ein besonderes Flair der Begegnungen, auch mit den Künstler:innen, die ja nur wenige Schritte entfernt sitzen, lesen oder spielen“, weiß Oliver Spatz vom Kulturzug-Team. „Daher ist es bei uns auch Brauch, dass wir nach der Lesung mit dem Publikum ins Gespräch kommen.“

Seit dem 18. Juni ist der Kulturzug nun wieder auf Reisen und bringt Reisende in die niederschlesische Metropole. Das Programm steht in diesem Jahr unter dem Motto „Szenen einer Nachbarschaft“ und verspricht wieder viel Abwechslung, Spaß sowie kurzweilige Unterhaltung. Jeden Samstag wird zudem ein Programm speziell für Familien mit Kindern angeboten. So heißt es am 17. Juli und am 29. August „Charivari auf der Schiene“. Gemeinsam mit Vera Mattock wird jongliert und werden leichte akrobatische Übungen vollführt.

Am 10. Juli und dann wieder am 4. September fährt Janina Sasse an Bord des Kulturzugs mit und präsentiert „Zeig mir, wer Du bist!“.  Dabei erweckt die Theaterpädagogin verrückte Fliegen, böse Katzen, sanfte Haie und stolze Störche zum Leben. „Bei uns im Kulturzug werden die Reisenden bereits während der Fahrt mit Lesungen, Konzerten und Theater auf unser Nachbarland eingestimmt“, sagt Oliver Spatz. „Ein interaktives Quiz lehrt Wissenswertes über Breslau und eine Ausstellung im Zug zeigt berühmte Gesichter der Stadt.“

 

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, emigrierte als Zehn­jähriger mit seiner Familie nach Bamberg. Für seinen Debütroman „Wir zwei allein“ von 2012 erhielt er den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ wurde mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises sowie der Alfred Döblin-Medaille ausgezeichnet.

 

  • Die einfache Fahrt mit dem Kulturzug kostet 19 Euro, Kinder (6 bis 14 Jahre) zahlen 9,50 Euro.
  • Empfohlen wird zudem eine Sitzplatzreservierung für 4 Euro pro Person, die Familienreservierung kostet 8 Euro.
  • Fahrgäste mit Kulturzugticket bekommen zudem Rabatte in ausgewählten Hotels in Breslau (Wrocław).

 

Weitere Informationen auf bahn.de/kulturzug

 

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