Am Anfang herrscht Aufregung. Die Gäste bringen städtische Betriebsamkeit mit an Bord. „Doch auf dem Wasser spürt nach und nach jeder die entspannte Atmosphäre der langsamen Fahrt“, erzählt Michael Wittke. Man sei dann eben im Rhythmus des 19. Jahrhunderts unterwegs, ganz und gar entschleunigt. Teilhaben an dieser Zeitreise kann man in Fürstenberg/Havel seit zwanzig Jahren. Das Schiff ist der Nachbau eines traditionellen Lastkahns
der Seenplatte. Der Erbauer dieser wassertouristischen Einmaligkeit, der Fürstenberger Peter Alker, wollte den Kahn 2017 aus Altersgründen verkaufen. „Ich hab ihm gesagt, dass der Kahn unbedingt in Fürstenberg bleiben muss“, sagt Wittke lachend. „Und zum Glück habe ich mit Rolf Schmachtenberg einen zweiten Verrückten gefunden, der seitdem mit mir zusammen dieses wunderbare Angebot weiterführt.“

Der Hauptgedanke dahinter sei „Erhaltung durch Nutzung“ – und das werde auch erfreulich gut angenommen, sagt der einstige Hamburger. So könne die „Concordia“ beispielsweise für Betriebsausflüge oder Geburtstagsfeiern gemietet werden. „Außerdem veranstaltet der Kulturverein ,Brückenschlag Fürstenberg‘ im Sommer Konzerte an Bord. Ab dem 25. Juni fahren wir jeden Dienstagabend raus auf den See und genießen Musik beim Sonnenuntergang“, berichtet Michael Wittke.

 

Von Ostern bis Oktober ist Saison

Doch noch hält der 20 Tonnen schwere Kaffenkahn Winterruhe. Er liegt an Land, am Prerauer Stich in Zehdenick. Und wird in der dortigen Halle ordentlich durchgecheckt und auf Vordermann gebracht. Seine Saison beginnt dann klassischerweise zu Ostern und dauert bis Oktober. Früher seien die Kaffenkähne von den Wasserstraßen in und um Berlin nicht wegzudenken gewesen, sagt Michael Wittke. „Das waren die Lebensadern für alle großen Sachen wie Ziegelsteine, Bau- und Brennholz oder Teer. Man sagt ja auch: ,Berlin ist aus dem Kahn gebaut‘ “, erzählt der 66-Jährige weiter.

 

Gemütliche Reisegeschwindigkeit

Auf einen Ausflug in diesem Jahr freue er sich ganz besonders. Denn die „Concordia“ ist Teil des Festprogramms anlässlich der 400-Jahr-Feier für den Finowkanal in Eberswalde – vom 22. bis 24. Mai wird der Kahn vor Ort sein. „Damit wir pünktlich ankommen, müssen wir bereits am 19. Mai losfahren“, sagt Michael Wittke. „Bei unseren fünf bis sechs Stundenkilometern dauert die Anreise eben ein bisschen.“ Der Geschäftsmann selbst lebt seit 2002 in Fürstenberg, betreibt dort mittlerweile seinen Kulturgasthof „Alte Reederei“ mit Pension und Café. „Ursprünglich bin ich immer mal für ein Wochenende zur Erholung hier rausgefahren. Ich bin schon immer gerne Kajak gefahren, fand die Gegend toll.“ Irgendwann ist er dann einfach geblieben. Und was wünscht sich Michael Wittke für den Kaffenkahn in 2020? „Angenehmes Fahrtenwetter, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, Sonne im Herzen und einen vollen Kahn“, sagt er und lacht.

 

fuerstenberger-kaffenkahn.de
Wer die „Concordia“ für einen Betriebsausflug oder eine Feierlichkeit mieten will, erreicht Michael Wittke unter Tel. 0172 3227421 oder info@fuerstenberger-kaffenkahn.de.

„Kahn-Musik“: www.brueckenschlagfuerstenberg.de

Anfahrt: im Stundentakt bis Bf Fürstenberg/Havel, z. B. um 8.42 Uhr ab Berlin Hbf (tief), Fahrzeit eine Stunde, letzte Rückfahrt um 23.13 Uhr

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