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„Unser gemeinsames Ziel: zufriedene Fahrgäste“

Seit Mai ist Ute Bonde Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, im punkt 3-Interview verrät sie, wie der Start war und vor welchen Herausforderungen der ÖPNV steht.

 

Sie haben Anfang Mai eine große Aufgabe übernommen, wie waren die ersten Tage und Wochen?
Ute Bonde: Das war ein wirklich toller, sehr spannender und vor allem vielfältiger Start – passender Weise zeitgleich mit der Einführung des Deutschland-Tickets! In den ersten zwei Wochen standen viele Kennenlerntermine im Vordergrund. Zunächst sind mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VBB wichtig. Sie möchten mich und ich möchte sie kennenlernen. Zum anderen haben wir ja hier im Verkehrsverbund viele Player im System Nahverkehr. Durch meine Zeit bei der BVG bin ich ja nicht neu in der Branche, da gibt es viele und gute Kontakte, aber es gibt doch auch noch einige mir persönlich ‚Unbekannte‘. Leider ist es nicht möglich, alle Verantwortlichen zeitgleich kennen zu lernen. Ich bin sehr bemüht, dass dies aber sehr schnell erfolgt. Ich reise durch Berlin und Brandenburg zu Antrittsbesuchen und bin von dem bisherigen Austausch begeistert. Ganz besonders freue ich mich, dass wir schon ganz am Anfang ein Treffen mit Brandenburgs Verkehrsminister Beermann, Berlins Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Dr. Schreiner und Staatssekretärin Dr. Stutz realisieren konnten. Dabei wurde deutlich, dass wir uns einig sind, Berlin und Brandenburg nicht ohne den anderen denkend, als ein Gemeinsames zu betrachten. Der Verkehrsraum endet nicht an Landesgrenzen. Nur gemeinsam können wir auf die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse der Fahrgäste reagieren, um den Nahverkehr attraktiv und zukunftsweisend zu gestalten. Das war ein wirklich fruchtbarer Austausch, den wir im Übrigen nun regelmäßig verabredet haben und ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit.

Wie sehen Sie die aktuelle ÖPNV-Landschaft in Berlin und Brandenburg? 
Ute Bonde: Ich sehe einen in weiten Teilen sehr gut funktionierenden Nahverkehr in Berlin. Ich komme aus dem Rheinland, und wenn meine Familie hier ist, kommt sie gar nicht auf die Idee, ins Auto zu steigen. Was die Umlandverkehre anbelangt, denke ich, dass Berlin und Brandenburg zusammen attraktiver werden können, das gilt auch für die Fläche in Brandenburg. Wir haben 36 Verkehrsunternehmen, die im letzten Jahr rund 1,4 Milliarden Fahrgäste befördert haben, das sind täglich knapp 4 Millionen Menschen, die mit den Bussen und Bahnen unterwegs sind, da läuft vieles gut. Aber: Qualitätsverbesserung ist immer ein Kernthema, das wir im Blick haben. Ich denke da vor allem an die Pünktlichkeit, aber es geht natürlich auch um verlässliche Kundeninformation, um ein gutes, miteinander verknüpftes Angebot, um Sicherheit und Sauberkeit. Alles was den Nahverkehr für Fahrgäste attraktiv macht. Es ist eben nicht immer nur der Preis, Attraktivität ist das oberste Gebot.

Und wie wird/soll sie sich in den nächsten Jahren entwickeln? 
Ute Bonde: Wenn wir mehr Menschen für den ÖPNV gewinnen wollen, geht das nicht nur über günstige Ticket­preise. Wichtig ist ein einfaches Tarifsystem. Da werden wir rangehen. Mit der Einfachheit geht die Digitalisierung einher. Aber auch die Reisezeit ist ein weiteres großes Thema. Ich muss mit dem ÖPNV schneller sein als mit dem eigenen Auto oder nur geringfügig darüber liegen. Dazu gehören der Ausbau von Busspuren, Vorrangschaltungen, Expresslinien aber auch neue Schienenverbindungen im Schienennetz – siehe das Projekt i2030, On-Demand- und Shared-Mobilitäts-Angebote. Zentrales Thema ist natürlich auch die Klimafreundlichkeit. Der ÖPNV im VBB ist schon ganz schön grün! S-Bahn und U-Bahn fahren elektrisch, ebenso viele Regionalbahnverbindungen, aber da geht noch mehr: bis 2037 wollen wir im Regionalverkehr komplett dieselfrei sein. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.

Was sind die wichtigsten Zukunftsthemen und Herausforderungen, die Sie angehen möchten? 
Ute Bonde: Mehr Angebote und der Ausbau der Infrastruktur kosten sehr, sehr viel Geld. Damit sind wir beim Thema Finanzierung des Nahverkehrs. Das wird uns die nächsten Jahre intensiv beschäftigen. Hier müssen Bund und Länder gangbare Wege finden, damit die Verkehrsunternehmen auskömmlich agieren und weiterhin ihre guten Leistungen erbringen können. Da kommen viele politische Diskussionen auf uns zu. Aber es führt ja kein Weg daran vorbei, dass der Nahverkehr eine zentrale Rolle bei der Mobilitäts- und Klimawende spielt. Deshalb muss auch langfristig in das System erheblich investiert werden.

Die Einführung des Deutschland-Tickets bedeutet einen großen Einschnitt – wie wird es mit dem VBB-Tarif weitergehen? 
Ute Bonde: Ich sehe das Deutschland-Ticket als ein revolutionäres, tolles Angebot. Und die Menschen reagieren ja entsprechend positiv darauf. Für 49 Euro bundesweit im Nahverkehr fahren zu können, ist einfach grandios günstig. In kurzer Zeit haben wir allein im VBB bald 700.000 Deutschland-Ticket-Abonnenten, mehr als 100.000 davon sind Neukunden, das ist schon jetzt ein fabelhafter Erfolg! Und ich bin sicher, das Ende der Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht. Entscheidend ist jetzt: Lässt sich das Deutschland-Ticket langfristig stabil finanzieren? Und wie teilen sich der Bund und die Länder die Ausgaben langfristig auf? Für den VBB-Tarif bedeutet das mittelfristig große Veränderungen, da wird alles auf den Prüfstand kommen. In diesem Jahr allerdings bleiben alle Tickets und Abos so wie sie derzeit sind, das schreibt uns eine Umsetzungsrichtlinie zum Deutschland-Ticket vor. Einzige Ausnahme ist das VBB-Abo65 plus, das automatisch auf das günstigere Deutschland-Ticket umgestellt wurde.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen DB Regio Nordost und S-Bahn Berlin ein? 
Ute Bonde: Mit DB Regio und der S-Bahn, aber auch mit den anderen Verkehrsunternehmen im Verbund arbeiten wir seit Jahren gut und vertrauensvoll zusammen. Natürlich gibt es immer wieder Themen, um die wir manchmal ringen, aber das ist das normale Geschäft zwischen Aufgabenträgerverbund und Verkehrsunternehmen. Wir haben ja alle ein gemeinsames Ziel: zufriedene Fahrgäste. Und gemeinsam freuen wir uns auch auf den Oktober, denn dann wird die derzeit sukzessive Einführung der neuen S-Bahnen abgeschlossen sein, sodass auf der Ringbahn nur noch Neufahrzeuge unterwegs sein werden. Insgesamt muss man den Verkehrsunternehmen attestieren, dass sie durch schwierige Zeiten gehen. Die Corona-Nachwirkungen sind immer noch spürbar. Wenn ich das rückblickend, gegenwärtig und auch zukünftig betrachte, haben und machen die Verkehrsunternehmen in unserem Verbundgebiet einen Super-Job.

Wie und wo sind Sie denn persönlich am liebsten im VBB-Land unterwegs? 
Ute Bonde: Überall! Berlin und Brandenburg zusammen sind einfach nur großartig. Wo finden Sie in Deutschland eine solche Vielfalt? Wo paart sich Geschichte so mit innovativer Technologie, wo die Clubszene so mit klassischen kulturellen Angeboten, wo Großstadt so mit Rapsfeldern und Seenlandschaften? Das gibt es nur in unserer Metropolregion! Da ist für jeden etwas dabei! Wir können auf diese so lebenswerte Region einfach nur stolz sein!

 

„Ich gratuliere Frau Bonde herzlich zu ihrem neuen Amt und freue mich auf eine gute Zusammen­arbeit, gerade in diesen spannenden Zeiten für unsere Branche. Den öffentlichen Personennahverkehr in unserer Region weiter voranzutreiben ist eine große und wichtige Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können.“
Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH

 

„Meine herzlichsten Glückwünsche an Frau Bonde als neue VBB-Chefin! Frau Bonde startet mit ihrem Amtsantritt in einer Zeit der Aufbruchstimmung in der Branche, die viele Herausforderungen aber auch Chancen mit sich bringt. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit, um gemeinsam die Verkehrswende im VBB-Land voranzubringen.“
Carsten Moll, Vorsitzender von DB Regio Nordost

 

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