Vorsichtig löst Claudio Wiegmann Schrauben in der Decke des Zugs. Die Klappe öffnet sich, ein Gewirr von Kabeln und Schläuchen ist zu sehen. „Wir sind hier in einem Elektrotriebwagen der Baureihe 442. Von außen sieht man nicht, wie viel Technik in so einem Zug steckt, damit alles funktioniert“, erzählt der Azubi begeistert. „Hier oben ist zum Beispiel ein Computer eingebaut, der die Kameras im Wagen steuert und auch eine Klimaanlage befindet sich hier. In den Türrahmen werten Rechner die Daten der Sensoren aus. Steht ein Fahrgast im Eingang, gibt er den Befehl zu öffnen.“

Und auch vorne im Führerstand seien hinter Schaltschränken Computer verborgen. Sie steuern zum Beispiel die Bremsen oder sind dafür zuständig, die Spannung aus der Oberleitung umzuwandeln.Es wird nie langweilig in der Werkstatt

Noch darf Claudio Wiegmann als Azubi im zweiten Lehrjahr bei der IT nicht selbst Hand anlegen. Er freut sich aber schon darauf, die Hard- und Software im Zug zu testen oder zu aktualisieren. Kupplungen reinigen, Radsätze austauschen oder die Beleuchtung reparieren gehören jetzt schon zu seinen Aufgaben. Natürlich nur unter Aufsicht seiner erfahrenen Kolleg:innen, die im Werk Lichtenberg Züge instand halten. „In der Werkstatt wird es nie langweilig. Es gibt so viele verschiedene Tätigkeiten und Baureihen, die ich nach und nach kennenlerne“, sagt der 23-Jährige. „Ich bin dabei der ‚Verbindungsmensch‘ aus Mechaniker, Elektriker und Informatiker – und lerne die Grundlagen aus allen drei Bereichen.“

Spaß am Schrauben und Handwerken hat er schon immer gehabt. „Als kleiner Junge habe ich mir den Akkuschrauber meines Vaters geschnappt und damit die Wände meines Kinderzimmers bearbeitet“, erzählt er lachend. Nach seinem Abi sei er aber erstmal nicht auf die Idee gekommen, eine Ausbildung zu machen, sondern habe angefangen Ingenieursinformatik zu studieren, später dann Computerengineering. Nach anderthalb Jahren war jedoch klar: Im Studium fehlt ihm die Praxis – viel zu viel Theorie. „Ich glaube, wenn Ingenieure und Facharbeiter enger zusammenarbeiten würden, ließen sich viele Probleme schneller aus der Welt schaffen.“

 

Sofort eine Zusage

Claudio Wiegmann bewarb sich bei der Deutschen Bahn in Berlin und bekam sofort eine Zusage. Wer sich für eine Ausbildung als Mechatroniker interessiere, solle in jedem Fall viel Begeisterung für Technik mitbringen und den Aufwand beim Lernen nicht unterschätzen“, rät er. „An Tagen, an denen ich nicht in der Berufsschule bin, arbeite ich im Werk beispielsweise in der Frühschicht bis mittags. Dann ist aber nicht Schicht, sondern nachmittags ist Büffeln angesagt.“ Die Zwischenprüfung hat er bereits geschafft, in einem Jahr will Claudio Wiegmann seinen Abschluss machen.

„Bei meiner Ausbildung werde ich technisch richtig fit. Das ist auch privat sehr praktisch. Zum Beispiel wenn ich später vielleicht ein Haus bauen möchte und die Elektrik selbst installiere.“

 

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