Mit Graffiti beschmierte Züge sind ein Dauerproblem bei der Berliner S-Bahn. Unnötige Kosten – und viel harte Arbeit für die Kollegen von DB Services. Eine dicke grauschwarze Paste klebt auf der rechten Seite des Wagens. Feucht schimmernde Schlieren überziehen den Lack, selbst die Fenster sind zugekleistert. „Die Farbe fängt jetzt regelrecht an herunterzurutschen“, erklärt Karsten Pfitzmann, Bereichskoordinator bei DB Services. Denn bereits seit einer halben Stunde löst ein Anti-Graffiti-Mittel die Schmierereien auf dem S-Bahn-Wagen. Dann folgt Schritt Nummer zwei: Mit Lappen und flüssigem Reiniger befreit Pfitzmanns Team das Fahrzeug nach und nach vom Schmutz.

 

Nicht so leicht wie Teller waschen

In diesem Jahr gibt es für die Spezialisten sehr viel zu tun. Allein von Januar bis August wurden 56.450 Quadratmeter Außenflächen an den Zügen beschmiert. „Allein 2019 hat es über sechs Millionen Euro gekostet, Graffiti-Schäden zu beseitigen“, sagt S-Bahnchef Peter Buchner.

Die Reinigung ist extrem aufwändig: Was von außen wie eine leichte Übung aussieht, ist ein anstrengender Job. Auch die Hitze unter den weißen Schutzanzügen macht der Reinigungstruppe zu schaffen. „Das ist nicht so einfach wie Teller abwaschen“, so Pfitzmann. Je „fleißiger“ die Schmierfinken am Werk waren, umso länger brauchen die Reinigungskräfte von DB Services. Ist ein ganzer Zug (acht Wagen) von beiden Seiten verschmutzt, arbeiten fünf Mann zusammen bis zu 80 Stunden, um die rot-gelbe Lackierung wieder zum Vorschein zu bringen.


Wieder strahlend sauber nach der Graffiti-Beseitigung. Foto: DB/Kristin Lübcke

 

Zu oft schrubben macht den Lack stumpf

Im Schnitt muss DB Services jeden Zug zwei Mal jährlich von Graffiti reinigen. Eine regelrechte Sisyphos-arbeit. Je öfter Hand angelegt werden muss, desto schlechter für den Lack. Bereits nach drei bis vier Behandlungen verliert der Zug seinen Glanz. Wird ein Triebwagen neu lackiert, dauert das sieben Tage und kostet bis zu 30.000 Euro. Um die Schmierereien zu bekämpfen, arbeiten die Sicherheitskräfte der S-Bahn eng mit der Bundespolizei zusammen. Abstellanlagen werden mit Technik und Personal überwacht. Kontrolle rund um die Uhr und an jedem Ort ist jedoch nicht möglich. Hinzu kommt: Die illegalen Aktionen geschehen nicht nur bei Nacht und Nebel auf dem Abstellgleis, sondern auch im vollen Betrieb. Buchner: „Etwa die Hälfte aller Graffiti-Schäden passieren während der Fahrt.“ Manche Sprayer stellen sich sogar in die Türen, während andere in Sekundenschnelle ihre „Kunstwerke“ platzieren. Die Triebfahrzeugführer können wegen der offenen Türen nicht weiterfahren. Und auch während der Fahrt wird gesprüht.

 

Das ist kein Kavaliersdelikt

Damit die S-Bahn trotzdem zuverlässig rollt, arbeitet DB Services im Werk Wannsee rund um die Uhr in drei Schichten. Während die einen das Graffiti wegputzen, checken andere parallel im Führerstand die Technik. Nur keine Zeit verlieren. „Wir müssen dafür sorgen, dass trotz Graffiti-Beseitigung keine Züge ausfallen. Das ist eine Riesenherausforderung“, so Buchner. „Graffiti ist kein Kavaliersdelikt“, stellt Pfitzmann klar. „Für die Folgen sollten die Leute ein stärkeres Bewusstsein haben.“

DB Planet/DB Welt

 

image_printdrucken