Diese Tour wird bunt und bietet jede Menge neuer Sichten: Sie schauen in Erkner neugierig in die gute Stube eines Nobelpreisträgers, wandern entlang der Löcknitz durch die Natur und beobachten Wasservögel, erklimmen in Woltersdorf einen Aussichtsturm, der ungeahnte Schätze birgt, fahren ein Stück mit einer nostalgischen Straßenbahn und können unterwegs sogar shoppen gehen.

Die reine Lauf-Strecke ist mit rund sechs Kilometern nicht allzu weit. Dennoch sollte sie als Tagestour geplant werden, denn für die Besichtigung des Gerhart-Hauptmann-Museums und des Aussichtsturmes muss man entsprechende Zeit einkalkulieren. Zudem gibt es in Erkner und Woltersdorf viele Cafés und Restaurants, die zur genussvollen Rast einladen. Bis auf den Aussichtsturm auf dem Kranichsberg ist die Tour auch für Ausflügler mit leichter Gehbehinderung und für Familien mit Kinderwagen geeignet.

Laufen Sie die Bahnhofstraße entlang, vorbei an Supermarkt und Tankstelle, und Sie gelangen auf die Friedrichstraße. Wie die gleichnamige Straße in Berlin ist sie die Flanier- und Einkaufsstraße von Erkner. Hier gibt es Geschäfte und Cafés. Auf der rechten Seite zieht eine Villa unsere Blicke auf sich: Was heute als Rathaus mit funktionalem Anbau genutzt wird, war einst die Sommervilla des berühmten Klavierfabrikanten Carl Bechstein. Er, Gerhart Hauptmann und viele andere Künstler, Intellektuelle und Fabrikanten kamen einst nach Erkner, um sich hier zu erholen. Denn die Stadt, die übrigens erst 1998 Stadtrecht erhielt, liegt idyllisch zwischen Dämeritz- und Flakensee sowie dem Flüsschen Löcknitz.

Der Weg führt an der Genezareth-Kirche vorbei zum Verkehrskreisel, dann biegen Sie in die Gerhart-Hauptmann-Straße ein. Hier erwartet Sie ein Museum, das dem Dichter und Schriftsteller Gerhart Hauptmann (1862-1946) gewidmet ist, der 1912 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Das Museum – deutschlandweit das einzige seiner Art – gibt Einblick in das Leben und Werk Gerhart Hauptmanns, der in diesem Haus von 1885 bis 1889 lebte und hier zur Schriftstellerei fand. Die Einrichtung des Museums ist aus dem Teilnachlass des Nobelpreisträgers rekonstruiert worden: Ge­mälde, Möbel und andere alltägliche Gegenstände der Familie und dem 19. Jahrhundert geben einen authen­tischen Einblick in Hauptmanns Zeit.

Nach dem Museumsbesuch geht es ein paar Meter zurück zum Kreisel auf die Fürstenwalder Straße. Sie unterqueren Gleise, überqueren das Flüsschen Löcknitz und biegen links ein auf den Parkplatz Fangschleusenstraße. Hier beginnt der Theodor-Fontane-Weg, der Sie in rund einer Stunde Richtung Norden immer am Hochufer der Löcknitz und des Flakensees nach Woltersdorf führt.

Der Ort empfängt Sie mit prächtigen Villen entlang der Strandpromenade. Wer verschnaufen und sich stärken möchte, hat hier beste Möglichkeiten. Weiter geht es auf der Woltersdorfer Landstraße zur Liebesquelle. Der Woltersdorfer Verschönerungsverein ließ die natürliche Quelle 1886 über Rohre in ein Becken laufen. Denn dem Quellwasser sagte man eine geheimnisvolle Wirkung nach. Leider versiegte die Liebesquelle 2005. Einige Woltersdorfer gaben sich damit jedoch nicht zufrieden und machten aus dem historischen Ort eine öffentliche Trinkwasserstelle.

Hoch oben über der Schleuse liegt der Kranichsberg mit dem Aussichtsturm. Von der nur noch tröpfelnden Liebesquelle geht ein Stieg 15 bis 20 Mi­nuten steil bergan, gerade so, als würde man im Hochgebirge wandern. Ein wenig Kondition ist also nötig. Der Turm ist von November
bis März samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.


Woltersdorfer Aussichtsturm, Foto: terra press 

 

Für ein geringes Entgelt kann jeder die Holztreppen hinaufklettern, um weit über die Wälder und Seen Berlins und Brandenburgs zu schauen. Bei guter Sicht können die Ausflügler bis zum Wachtelturm von Hennickendorf und zum Berliner Fernsehturm sehen und auch einen Blick auf das riesige Tesla-Gelände erhaschen.

Im Inneren des Turms befindet sich eine Dauerausstellung. Sie erzählt von der vergangenen Zeit, als in Woltersdorf nahezu 50 Filme gedreht wurden, wie: „Die Herrin der Welt“ und „Das indische Grabmal“. Das märkische Hollywood hat bedauerlicherweise Weltwirtschaftskrise und Krieg nicht überstanden. Den Sockel des hölzernen Turms gestalten derzeit Woltersdorfer Jugendliche mit Graffiti-Bildern.

Zurück vom Aussichtsturm geht es auf dem ausgeschilderten Waldweg hinab zur Buchhorster Straße. Sie führt Sie direkt zur berühmten Woltersdorfer Schleuse. Durch sie wird die Berliner Wasserstraße mit den Rüdersdorfer Gewässern verbunden. Das erste Stauwerk wurde 1556 erbaut. 1640 gab es den Umbau zu einer Kammerschleuse. Besonders für das Rüdersdorfer Kalksteinlager war diese Schleuse von großer Bedeutung. Um das Jahr 1850 passierten 15.000 bis 16.000 Schiffe die Woltersdorfer Schleuse, um bis zu 216.000 Kubikmeter Kalkstein zu transportieren. Der Bau der heutigen Schleusenanlage wurde 1884 beendet. Nur wenige Meter sind es von der Schleuse zur nächsten Attraktion des Ortes: die Woltersdorfer Straßenbahn, die von der Woltersdorfer Schleuse bis zum S-Bahnhof Rahnsdorf fährt.

 

Mit der Oldtimer-Tram durch den Wald

1911 beschlossen die Gemeindevertreter, den langgestreckten Ort Woltersdorf mit einer Straßenbahn zu verbinden und einen Anschluss an die Berliner Vorortzüge zu schaffen. Denn Woltersdorf entwickelte sich zunehmend zum beliebten Ausflugsziel der Berliner. Schon 1913 fuhren die ersten Straßenbahnen auf der 5,6 Kilometer langen Strecke. Die Fahrt ist auch heute noch ein echtes Vergnügen, denn sie führt durch den Ort und durch ein großes Waldgebiet. Und die Linienfahrzeuge sind echte Oldtimer, sie stammen aus den Jahren 1959 bis 1961.  Die Fahrt mit der Woltersdorfer Straßenbahn Tram 87 dauert viel zu kurze 16 Minuten und schon ist der S-Bahnhof Rahnsdorf erreicht. Von hier fährt die S3 Richtung Erkner zurück oder nach Berlin Ostkreuz.

 

Veranstaltungstipp
Noch bis zum 27. Februar ist im Gerhart-Hauptmann-Museum die Sonderausstellung „Günter de Bruyn – Märkische Schreibwelten“ zu sehen. Der Schriftsteller wurde 1926 in Berlin geboren und verstarb 2020 in Bad Saarow. Das Märkische ist ein Schlüssel zu Günter de Bruyns Werk. Über die gesamten sechs Jahrzehnte seines Schriftstellerlebens beschäftigen ihn die Landschaft der Mark Brandenburg, ihre Geschichte, ihre Kultur und ihre Literatur.

Gerhart-Hauptmann-Museum
Gerhart-Hauptmann-Straße 1-2 | 15537 Erkner
Tel. 03362 3663
Di - So 11 - 17 Uhr geöffnet | es gilt die 2G-Regel
info@hauptmannmuseum.de | hauptmannmuseum.de

 

Anreise
Hinfahrt: z. B. mit dem RE1 um 9.21 Uhr von Berlin Hbf bis Erkner, Fahrzeit: 32 Minuten

Ticket-Tipp
Das Brandenburg-Berlin-Ticket (BBT) gilt Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Es kostet 33 € und kann von Gruppen bis zu fünf Personen genutzt werden. Darüber hinaus können bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis einschließlich 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden.
bahn.de/brandenburg | vbb.de

 

App DB Ausflug

  • über 400 Touren durch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt
  • Wander-, Rad- und Kanutouren, Stadtrundgänge, Badespaß u. v. m.
  • inklusive individueller Anreiseinfos – immer aktuell

Gleich herunterladen im Google Play Store bzw. App Store … und weitersagen!

 

image_printdrucken