Einer, der besonders gerne bei der Zugtaufe am vergangenen Wochenende in Babelsberg dabei gewesen wäre, konnte leider nicht kommen: Kurt Peil. Der 94-Jährige war früher Lokführer bei der S-Bahn. Als er am Morgen des 13. August 1961 in seinem Heimatbahnhof Stahnsdorf den Dienst antreten will, ist die Station geschlossen. Die DDR-Führung hatte die Grenze nach West-Berlin dicht gemacht. Seitdem hat die Gemeinde Stahnsdorf keinen S-Bahn-Anschluss mehr.

„Für Kurt Peil wäre es eine große Freude, wenn er noch miterleben dürfte, wie unser Ort wieder an das Netz angebunden wird“, sagt Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers. Damit es möglichst bald so weit ist, rollt jetzt ein rot-gelber Botschafter auf der Schiene: Unter großem Applaus wurde ein Zug der Baureihe 481 am 7. Mai auf den Namen „Stahnsdorf“ getauft.

Zu den begeisterten Gästen gehörten S-Bahn-Chef Peter Buchner, Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann, DB-Konzernbevollmächtigter Alexander Kaczmarek, der Stahnsdorfer Bürgermeister Bernd Albers und der Sprecher des Vereins „Pro S-Bahn Stahnsdorf“ Thomas Ehrich.

Natürlich durften auch große und kleine S-Bahn-Fans bei dem Fest nicht fehlen: Yannik (15) aus Rüdersdorf: „Das ist meine erste Zugtaufe, ich will später Lokführer werden.“ Besonders „cool“ findet er, dass das Fahrzeug schon über 20 Jahre alt ist – und aussieht wie neu.

 

Taufkind in neuem Glanz

Kein Wunder: Schließlich hat der Zug das Werk kurz vor der Taufe frisch saniert verlassen – mit neuem Lack, Fußböden und Sitzen. Er ist einer von mehr als 160 Zügen der Baureihe 481, die bereits runderneuert wurden.

„Es wäre toll, wenn unser rollender Botschafter auch bei der Eröffnungsfahrt dabei ist, die wir für 2032 anpeilen“, so S-Bahn-Chef Peter Buchner bei der Zugtaufe. „Schneller als mit der S-Bahn kommen die Stahnsdorfer dann nicht in die Berliner Innenstadt – in rund 30 Minuten wird man am Potsdamer Platz sein. So werden hoffentlich viele ihr Auto stehen lassen, ganz im Sinne des Klimaschutzes.“

Der neue S-Bahnanschluss soll die Mobilität der 16.200 Einwohner:innen der Gemeinde entscheidend verbessern, denn rund 6.000 von ihnen pendeln täglich, davon knapp die Hälfte nach Berlin.

Für erste Vorplanungen hat das Land Berlin insgesamt sechs Millionen Euro im Rahmen des Infrastrukturprogramms i2030 bereitgestellt. 2028 sollen sie voraussichtlich abgeschlossen sein. Dann kann mit dem Bau begonnen werden, vorausgesetzt die Finanzierung und die Genehmigungen stehen.

Übrigens: Zur Taufe gab es noch ein ganz besonderes Ständchen. Udo Lindenberg-Double Torsten Exler textete kurzerhand den berühmten Song „Sonderzug nach Pankow“ um: „Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Stahnsdorf?“, sang er. Und meinte genauso flapsig wie der echte Altrocker: „Ihr bringt die Kiste auf den Weg!“

 

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