„Lindenhotel“ – so wird im Zuge der Friedlichen Revolution der Haft- und Gerichtsort für politisch Verfolgte in der Potsdamer Lindenstraße im Volksmund genannt. 1989 wird die Untersuchungshaftanstalt des MfS geschlossen. Die Innenräume bleiben für kurze Zeit unverändert. 1990 erhält der Fotograf Manfred Paul, der als wichtiger Vertreter der Autorenfotografie der DDR gilt und dessen Werke sich unter anderem im MOMA New York befinden, den Auftrag, diesen Zustand zu fotografieren.

Trotz Vorbereitung ist Manfred Paul nicht auf das eingestellt, was ihn erwartet. Die vor Verlassen der kargen Zellen zusammengelegte Wäsche, die vor die Pritsche gestellten Hausschuhe – die stummen Zeugen menschlichen Lebens an einem lebensfeindlichen Ort bewegen ihn. Lange Zeit zögert der Fotograf deshalb, die Bilder öffentlich zu zeigen. Jetzt sind sie erstmals in Potsdam zu sehen.

 

Ausstellung „Lindenhotel“
bis 17. Juli im Kunsthaus sans titre Potsdam, alle Infos: sans-titre.de
Zur Finissage am 17. Juli wird um 17 Uhr zu einem Zeitzeugengespräch eingeladen.

 

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