Barbara Probst hofft, dass sie sich nach diesem Vormittag mehr traut. Deshalb ist die 65-Jährige zusammen mit ihrem Mann Herbert zum Mobilitätstraining der S-Bahn Berlin am Nordbahnhof gekommen. Mittlerweile wird der Rollator immer wichtiger für die an Multipler Sklerose erkrankte Berlinerin. Sie hat daher gemeinsam mit anderen Fahrgästen, die körperlich eingeschränkt sind, das Angebot der S-Bahn wahrgenommen. Der Nordbahnhof war dafür die zweite Station, zuvor konnte bereits in Schöneweide trainiert werden und anschließend ging es noch weiter zum Ostbahnhof.

Auf Gleis 3 stand für alle Teilnehmer ein komplett leerer Halbzug bereit. Jeder war willkommen – ganz ohne Zeitdruck und Gedränge – das Ein- und Aussteigen zu üben und sich mit den Gegebenheiten am und im Zug vertraut zu machen. „Sicher mobil – trotz Handicap“ lautete das Ziel. Als Experten haben Mitarbeiter der S-Bahn Berlin, des VBB-Begleit­dienstes sowie von DB Sicherheit das Training unterstützt.
„Ich habe auch schon an anderen Mobilitätstrainings teilgenommen“, berichtet Barbara Probst. „Heute probieren wir es nun zum ersten Mal mit einer S-Bahn.“ Als größte Hürde für den Rollator hat das Ehepaar die Höhenunterschiede und die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig ausgemacht.

Die beschäftigt auch Rainer Gau, der zusammen mit seinem Vater zum Nordbahnhof gekommen ist. Der 87-Jährige hat nur noch zehn Prozent Sehkraft und ist seit einem Vierteljahr zusätzlich auf den Rollator angewiesen. Rainer Gau appelliert an die Verkehrsunternehmen, mehr Raum für Menschen mit Einschränkungen zu schaffen – und an die anderen Fahrgäste, mehr Rücksicht zu nehmen und Vorrang zu gewähren.

Beim Training unterstützt und mit zusätzlichen Tipps versorgt wurden die Teilnehmer unter anderem von Doris Ivanov vom VBB-Begleitservice. Sie weiß, dass vor allem die Alltagshektik ein Problem ist. Wenn es schnell gehen muss, macht das den Fahrgästen Angst. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass sie bei diesen Trainings alles in Ruhe erkunden und kennenlernen können.“ Zum Nordbahnhof gekommen waren neben Rollstuhlfahrern, Senioren und Sehbehinderten auch Schüler der 6. Klassenstufe der Carl-von-Linné-Schule für Körper­behinderte aus Berlin-Lichtenberg. „Sie fanden das großartig und haben ohne Furcht alles ausprobiert – das hat großen Spaß gemacht“, resümiert Doris Ivanov.

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