Fast lautlos senkt sich der Deckenkran dem Boden entgegen, bis er einen Wagen der S-Bahn-Baureihe 481 beidseitig umschließt. Vier Männer docken den Wagen mithilfe einer Vorrichtung an, geben Kommandos, dann hebt der Kran den tonnenschweren Wagen mühelos in die Luft. Kindermünder stehen offen, auch die Erwachsenen legen fasziniert die Köpfe in ihre Nacken und raunen.

Im Instandhaltungswerk Schöneweide zeigt die S-Bahn Berlin heute ihr größtes Werk allen, die der Blick hinter die Technik-Kulissen interessiert. 5.000 Menschen lassen sich das nicht entgehen, Jugendliche, Kinder, Erwachsene mit oder ohne Behinderung: Vor dem Gebäude und in der Halle wimmelt es vor Menschen jeden Alters.

„Ich finde es gut, dass die Menschen mal sehen, was für Arbeit hier geleistet wird“, sagt Stephan Mast. Der 69-Jährige ist heute als Gast gekommen, er schlendert gerade zwischen Jahrmarktsbuden und Informationsständen, die im hinteren Abschnitt des Werks für die Gäste aufgebaut sind. Er selbst sei über die Größe des Werks überrascht.

Die Halle ist riesig, die rot-gelben Züge reihen sich zu Dutzenden darin auf, so dass es sich anfühlt, als würde man durch eine Ausstellung gehen. Hier werden, im Rahmen des Projektes Langlebigkeit, die Züge der Baureihe 481 fit für die Zukunft gemacht. An jedem Wagen sind andere Arbeiten nötig, die an Stationen von Fachleuten ausgeführt werden, die heute neugierige Fragen beantworten.


Foto: Jet-Foto Kranert

 

Der Mechaniker Roger Domke ist einer von ihnen. Wirklich tiefe Fragen gäbe es selten: „Die meisten wollen einfach wissen, wie lange so ein Fahrzeug läuft oder was da drin ist.“ Domke versteht das, grinst: „Klar. Die kennen ja gar nicht die Fahrzeuge. Was sich alles dahinter versteckt.”

Die kleine Lisa Obst ist zusammen mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern gekommen. Auf der Kinderinsel mit der Hüpfburg war die Familie schon, jetzt erkundet sie die Sattlerei. „Hier stehen auf jeden Fall übelst große Nähmaschinen“, staunt Lisa. Ihre Mutter Iris kennt das Werk schon, weil sie früher hier gearbeitet hat. Auch die Kinder waren schon einmal im Werk, „aber beim letzten Mal“, erklärt Lisa, „war alles im Betrieb, und heute ist halt Musik und man kann sich alles viel besser angucken.“

Nicht nur in der Halle, auch auf dem Außengelände herrscht ein fröhlicher Rummel. Eine grüne Rangierlok ist eines von vielen Highlights des Tages, hier werden heute Träume erfüllt: Wer möchte, darf nämlich selbst ans Steuer. Der Andrang ist riesig, die Schlange lang. Einmal Lokführer:in sein, nur für ein paar Minuten: Das will natürlich keiner verpassen.

Gleich sind Leon Görlich, Philipp Tobsch und Max Bauer dran. Görlich und Zöller sind 15 und 16 Jahre alt, beide interessieren sich für einen Ausbildungsplatz bei der S-Bahn. Nur Max Bauer will vielleicht lieber etwas anderes machen. Aber in einem sind die drei Freunde sich einig: „Nächstes Mal kommen wir wieder!“

 

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