Die Kultureinrichtungen Berlins erwachen allmählich wieder aus ihrem Dornröschenschlaf. Wer vorab ein Zeitfenster-Ticket gebucht hat, einen negativen Corona-Test vorweisen kann und eine FFP2-Maske trägt, kann nun also wieder großartige Ausstellungen besuchen. Punkt 3 stellt drei Museums-Highlights und ein besonderes Filmprojekt vor.

 

„Aufbruch in die Neuzeit“ –
Spätgotik-Ausstellung in der Gemäldegalerie

Als erste umfassende Ausstellung widmet sich „Spätgotik. Aufbruch in die Neuzeit“ in der Gemäldegalerie der langen Übergangsphase zwischen Mittelalter und Renaissance im deutschsprachigen Raum. Im Dialog von Malerei, Skulptur, Druckgrafik und Kunsthandwerk zeigt sie die ganze Vielfalt der Kunst dieser Epoche. Mit der Erfindung der Drucktechnik kommt es zu einer ungeahnten Verbreitung von Bildern und Texten. Künstler wie Niclaus Gerhaert von Leyden oder Martin Schongauer erlangen überregionale Berühmtheit und nehmen Einfluss auf die Entwicklung der Künste in ganz Europa. Die Innovationen dieser Zeit prägen unser Bild- und Kunstverständnis bis heute. Die Sonderausstellung vereint zentrale Werke aus den Beständen der Staatlichen Museen zu Berlin – der Gemäldegalerie, der Skulpturensammlung, dem Kupferstichkabinett, dem Kunstgewerbemuseum sowie der Nationalgalerie und der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek – mit hochkarätigen Leihgaben aus der National Gallery in London, dem Rijksmuseum in Amsterdam oder dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Öffnungszeiten:
Di - Fr 10 - 18 Uhr, Sa + So 11 - 18 Uhr, Mo geschlossen

Zeitfenstertickets:
14 €, erm. 7 € (inkl. Sammlung), freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Gemäldegalerie
Kulturforum/Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Bf Berlin Potsdamer Platz

spaetgotik.berlin

 

Flora, Fauna, Fabelwesen –
Keramik-Ausstellung im Schloss Köpenick


Foto: Klaus E. Göltz

Die diesjährige Sommerausstellung des Kunstgewerbe­museums im Schloss Köpenick widmet sich den zeitgenössischen Keramikerinnen Grita Götze, Heidi Manthey und Sonngard Marcks, in deren Werk Malerei und Keramik eine besondere Symbiose eingehen. In den meisterhaft gemalten Dekoren lassen sie einen ganzen Mikrokosmos aus Blumen, Gräsern, Früchten, Insekten und Amphibien entstehen. Historisch inspirierte Fabelwesen und Ornamente gesellen sich hinzu. Die rund 80 Exponate sind in die Dauerausstellung des Schloss Köpenick integriert, so dass sich die Besucher:innen auf eine Entdeckungstour durch die Epochen begeben können.

Öffnungszeiten:
Do - So 11 - 17 Uhr, Mo - Mi geschlossen

Zeitfenstertickets:
6 €, erm. 3 €

Schloss Köpenick
Schloßinsel 1, 12557 Berlin

S-Bf Spindlersfeld
S-Bf Köpenick und weiter mit TRAM 62, 63, 68 bis Rathaus Köpenick

smb.museum/ausstellungen

 

„Dressed to Thrill“ –
Strickmode-Ausstellung in der Kunstbibliothek


Foto: unbekannter Fotograf © Claudia Skoda

Die 1943 in Berlin geborene Claudia Skoda ist mit ihrer Mode eine Schlüsselfigur und Ikone der West-Berliner Undergroundszene der 1970er- und 80er-Jahre. Mit ihren außergewöhnlichen Designs revolutionierte sie das Verständnis von Strickmode; ihre spektakulären Modenschauen sorgten international für Aufsehen. Mit dieser ersten Einzelschau würdigt die Kunstbibliothek das Schaffen Claudia Skodas – in ihrer Heimatstadt Berlin. Die multimediale Sonderausstellung präsentiert rund 200 zum Teil noch nie gezeigte Arbeiten von Claudia Skoda und Wegbegleiter:innen wie Martin Kippenberger, Luciano Castelli, Ulrike Ottinger, Tabea Blumenschein, Kraftwerk, Jim Rakete und vielen mehr. Für die Zeitschrift Elle ist Claudia Skoda neben Coco Chanel, Vivienne Westwood und Madonna eine der Frauen, die den Look des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Bereits in den 1980ern galt ihr Design international als „Knitted Genius“ und sie selbst als „Queen of Texture“. In ihrer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft „fabrikneu“ in einer Fabriketage in der Zossener Straße in Kreuzberg traf sich ab Mitte der 1970er-Jahre die West-Berliner Bohème. Die Sonderausstellung im Kulturforum nähert sich dem Werk und Leben von Claudia Skoda in sieben thematischen Kapiteln.

Öffnungszeiten:
Di - Fr 10 - 18 Uhr, Sa + So 11 - 18 Uhr, Mo geschlossen

Zeitfenstertickets:
8 €, erm. 4 €, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Kulturforum
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Bf Berlin Potsdamer Platz

smb.museum/ausstellungen

 

„Innen Leben“ – Ein inklusiver Theaterfilm mit
Demenzkranken und Künstler:innen


Foto: Maximilian Goedecke

Das Berliner Theaterensemble „Die Papillons“ erprobte im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ mit dementen Menschen und professionellen Künstlern künstlerische Darstellungsformen, die bisher für Menschen mit Demenz nicht realisierbar schienen. Im Rahmen des Performing Arts Festivals wird nun ein daraus entstandener Film gezeigt. In „Innen Leben“ begegnet man Menschen auf Balkonen und Fenstern, die von Erinnerungen an Flucht und Hungersnot der Nachkriegszeit, aber auch von Rettung, Liebe und Lebenslust erzählen. Begleitet von einem Chor und weiteren Musiker:innen entstand ein Resonanzraum, der das Gefühl der Isolation zu überwinden half. Der Film wurde im Sommer 2020 im Pflegewohnheim „Am Kreuzberg“ verwirklicht und kann kostenlos online angesehen werden. Um Spenden über das Spendenformular auf der Website wird gebeten.

Dauer: 48 Minuten
Spielzeiten: bis 29.5. jeweils 16 Uhr
Online abrufbar unter unionhilfswerk.de/papillons

Mehr zum Festival unter performingarts-festival.de

 

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