Einfach mal dem Alltag entfliehen, auf’s Floß steigen und losfahren – nichts als wild bewachsene Ufer und den Fluss im Blick. Sich gemächlich treiben lassen, dem Flügelschlag der Reiher lauschen, mit Glück einen flinken Eisvogel sehen oder einen Kirchturm in der Ferne. Klingt gut? Dann räumen Sie einen Platz in Ihrem Terminkalender frei und fahren Sie nach Demmin. Nahe der Hansestadt mitten auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern treffen Peene, Tollense und Trebel aufeinander. Diese Flüsse lassen sich mit Kanu und Floß erkunden, zum Beispiel mit Holger Voshages „Driftholts“, Flößen mit komfortablem Aufbau.

 

Gemächliches Floßtempo

Wer Sehnsucht nach Wasser und Wildnis hat, der lässt die Leinen los und fährt vom Anleger in Demmin auf der Trebel bis Nehringen. Unter der dortigen denkmalgeschützten Holzbrücke kommen nur Kanus hindurch. Das macht aber nichts, im gemächlichen Floßtempo von sechs PS ist bereits die Strecke bis Nehringen und zurück eine volle Tagestour und ein wunderbares Erlebnis. Wer möchte, hängt ans Floß noch einen Canadier an und kann damit ein Stück weiter paddeln.

Ein Bootsführerschein ist für die Flöße nicht erforderlich, Sie erhalten vor Ort eine Einweisung mit kleiner Probefahrt. Bitte reservieren Sie Ihr Floß rechtzeitig vorab telefonisch.

Vom Bahnhof Demmin bis zur Peene Marina in der Loitzer Straße 48 sind es gut zwei Kilometer zu Fuß – oder Sie vereinbaren bei der Reservierung gleich die Abholung am Bahnhof und sparen sich den Stadtspaziergang für den Abschluss des Tages auf.

Das „Driftholt“ ist ein komfortables Floß mit überdachtem Aufbau, ausgelegt für bis zu acht Personen. An Bord befinden sich vier Schlafplätze. Bei Bedarf kann zusätzlich ein Zelt an Bord oder an Land aufgeschlagen werden. Auch eine Bordtoilette, eine Kochmöglichkeit, ein Kühlschrank, Stühle sowie Rettungswesten fehlen nicht. Auf Wunsch können Gäste ein Kanu oder Fahrräder mit an Bord nehmen, um die Landschaft weiter zu erkunden.

Ob mit dem Kanu oder mit einem Floß: Diese Tour bietet eindrucksvolle Momente inmitten der Natur. Foto: TMV/Grundner

 

Nach der Einweisung geht die Fahrt los. Die Zeit scheint sich zu verlangsamen, an den Ufern wechseln sich Felder mit Wiesen und Wäldchen ab, am Himmel kreisen Mäusebussarde. Im Frühjahr und Herbst trompeten die Kraniche, im Sommer blühen die Seerosen. Und immer ist der Biber fleißig am Werkeln. Das Gebiet rund um die Trebel ist größtenteils Naturschutzgebiet.

Mehrere Anlegestellen, etwa bei Wotenick oder Nossendorf, bieten die Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten. Doch vermutlich wollen Sie gar nicht vom Floß runter, bis die hölzerne Klappbrücke von Nehringen erreicht ist. Sie verbindet schon seit 1911 Mecklenburg und Pommern, die durch die Trebel getrennt sind. Am Wasserwanderrastplatz können Sie anlegen und sich im Jugendgästehaus „Graureiher“ stärken. Hier übernachten auch viele Wasserwanderer.

 

Eindrucksvolle Kulisse

Das Jugendgästehaus liegt inmitten abwechslungsreicher Natur – zwischen Wiesen, Wäldern und Mooren. Diese Landschaft lädt jeden zu spannenden Entdeckungstouren oder einem erholsamen Aufenthalt ein. Die besondere Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen macht das Gebiet rund um die Trebel zu einem beliebten Ausflugs- und Erholungsort. Jeder findet auf dem weitläufigen Gelände sofort seinen Lieblingsplatz.

Vielleicht spazieren Sie noch etwas durch Nehringen, ein hübscher kleiner Ort mit historischen Mauern, barock umgestaltetem Kirchlein und Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert. Das um 1800 erbaute Gutshaus mit den Kavaliershäusern und dem Park, Wirtschaftsgebäude, die barocke Kirche St. Andreas und die vielen alten Fachwerkhäuser sind ein sehenswertes historisches Ensemble.

Auf der Rückfahrt genießen Sie noch einmal die eindrucksvolle Naturkulisse und den Sound von Vogelstimmen, Kirchenglocken und ganz viel Ruhe. Nach Rückgabe Ihres treuen Gefährts an der Peene Marina in Demmin sehen Sie auf dem Weg zum Bahnhof noch etwas von der Hansestadt. Es ist auch möglich, einen Rücktransfer zu buchen – fragen Sie einfach nach. Ansonsten geht es zu Fuß auf der Loitzer Straße, Holstenstraße und Rudolf-Breitscheid-Straße zum Marktplatz. Dort grüßt Sie die Nachbildung des historischen Rathauses und ein Stück weiter, am Kirchplatz, die St. Bartholomaei Kirche.

Der Backsteinbau wurde 1867 von keinem Geringeren neu gestaltet als vom preußischen Baumeister Friedrich August Stüler. Mit einem fast 100 Meter hohen Turm gehört die Kirche zu den größten Stadtkirchen im vorpommerschen Raum. Beim Eintritt fallen Gästen lebensgroße Gipsskulpturen im Chorraum sowie die Stüler-Kanzel ins Auge. Sie wurde der Form des Steinturmes nachempfunden und ist mit fünf Statuen gestaltet. In einer ständigen Dauerausstellung wird über die Person und die Missionarsreise Otto von Bambergs berichtet, der in Demmin Station machte. 2011 feierte die Kirche das zehnjährige Jubiläum der Buchholzorgel.

 

Glückliche Gelassenheit

Auf der Rudolf-Breitscheid-Straße kommen Sie zu den Überresten der alten Stadtbefestigung, die einst 27 Türme und Tore zählte. Heute stehen noch der Pulverturm von 1571 und das Luisentor. Es wurde bereits vielfältig genutzt und war schon Gefängnis, Gaststätte und von 1952 bis 2002 Jugendherberge. Seit der Modernisierung 2006 wird es von der Stadt für ihre Gäste genutzt.

Nun ist es nur noch ein guter Kilometer bis zum Bahnhof. Halten Sie sich am August-Bebel-Platz geradeaus und leicht rechts, die Pfarrer-Wessels-Straße führt Sie direkt in die Bahnhofstraße. Wenn Sie dann im Zug sitzen, spüren Sie sie sicherlich, diese glückliche Gelassenheit nach einem Tag in der Natur.

 

Info
Einreise und Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern sind aktuell für Touristen nur mit mindestens einer Übernachtung erlaubt – der Ausflug an die Trebel sollte also für mindestens zwei Tage geplant werden. Die Flöße sind für die Übernachtung ausgestattet, die Tour lässt sich so aufteilen, dass man für eine Nacht anlegt und am nächsten Tag zurückfährt.
regierung-mv.de/corona

 

Anreise
Hinfahrt: z. B. mit dem RE5 um 7.43 Uhr von Berlin Hbf bis Bf Demmin
Fahrzeit: etwa 2,5 Stunden

 

Ticket-Tipp
Mit dem Stadt-Land-Meer-Ticket geht es für 38,50 € pro Person nach Demmin und zurück. Es gilt außerdem zwei Tage pro Richtung. Eigene Kinder oder Enkel unter 15 Jahren fahren kostenlos mit.
bahn.de/brandenburg

 

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