Die Gastgeberrolle liegt Gordon Grüning-Zocher im Blut, wie er von sich selbst sagt. Deshalb ist der 35-Jährige auch in seinem Element, wenn er als Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) in den Zügen von DB Regio Nordost unterwegs ist – egal ob quer durch Brandenburg oder hoch in Richtung Ostsee.

„Ich fühle mich wohl, wenn ich die Leute im Zug während der Fahrt auch ein bisschen unterhalten und Schwung in den Alltag bringen kann“, sagt Gordon Grüning-Zocher, der nach der Schule eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe absolviert hat. Der Oranienburger ist froh und dankbar, dass sein neuer Arbeitgeber ihm diese Freiheiten lässt.

Denn bis vor etwas mehr als einem Jahr hat Gordon Grüning-Zocher nicht die Reisenden im Zug mit seiner fröhlichen und erfrischenden Art erfreut, sondern jene im Flugzeug. Er war als Flugbegleiter bei Germania tätig, bis das Unternehmen im Februar 2019 insolvent ging. Davor arbeitete er außerdem zwölf Jahre lang bei Air Berlin – ebenfalls bis zur Insolvenz. „Ich war also zweimal bis zum bitteren Ende dabei“, sagt er lachend.

Zu DB Regio ist Gordon Grüning-Zocher schließlich über einen kleinen Umweg gekommen. „Ich habe damals viele meiner alten Sachen von Air Berlin, darunter zum Beispiel Modellflugzeuge, bei Ebay verkauft“, erinnert er sich. „So ist mein heutiger Teamleiter von der Bahn auf mich aufmerksam geworden. Er hat mir ein paar Sachen abgekauft und wir haben uns lange unterhalten – bis er sagte: Ich will dich bei der Bahn haben.“

 

Im Zug statt im Flieger unterwegs

Es folgte der ganz normale Einstellungsprozess mit Vorstellungsgespräch sowie eine zehnwöchige Umschulung mit anschließender Prüfung – und fortan war der 35-Jährige im Zug statt im Flieger unterwegs. „Ich fühle mich wirklich pudelwohl bei der Bahn“, sagt der Kundenbetreuer. „Mein Arbeitsweg ist nicht mehr so weit wie früher und ich bin abends zu Hause. Außerdem schätze ich es, dass wir im Zug selbstständig arbeiten und Entscheidungen treffen können – und ich bin sehr dankbar für das tolle Team, in dem ich arbeite und das mich auch bei meinen manchmal verrückten Ideen unterstützt.“

Während einer seiner Fahrten hat Gordon Grüning-Zocher sogar eine ehemalige Reisende aus dem Flieger wiedergetroffen. „Karin Lessmann ist eine besondere Frau, die immer viele Geschichten zu erzählen hatte“, sagt er. „Ich habe mich gefreut, sie zu sehen.“ Und auch Karin Lessmann ist die Begegnung in besonderer Erinnerung geblieben, wie sie in einem Leserbrief an die punkt 3 geschildert hat.
„Gordon Grüning-Zocher ist ein wundervoller junger Mann mit ganz viel Herz, Humor und einem ausgeprägten Sinn für Gastlichkeit“, schreibt sie. „Er hat sein Air-Berlin-Lächeln bis heute behalten und zaubert mit seiner lustigen Art weiterhin den Menschen ein Lächeln ins Gesicht.“

Gordon Grüning-Zocher schätzt dieses Miteinander mit den Reisenden und dass zwischendurch mal Gespräche möglich sind. „In diesem Beruf wird es auf jeden Fall nicht langweilig“, sagt er. Dennoch gelte es manchmal auch, besondere Herausforderungen zu meistern, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. „Man sollte stressresistent sein und immer ein Lächeln im Gesicht haben“, lautet sein Rat an jene, die ebenfalls KiN werden wollen. „Außerdem sollte man Flexibilität und eine hohe Einsatzbereitschaft mitbringen, denn die Arbeit am Wochenende gehört bei uns dazu.“

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