Jetzt ist auch auf der S46 Berlins „Neue“ unterwegs. Sie bietet nicht nur mehr Platz, sondern mit ihrer Klimaanlage auch angenehmere Temperaturen bei Sommerhitze. Von Staub und Insekten befreit werden die Wagen in der eigens gebauten XXL-Waschanlage im Werk Grünau, die vor Kurzem in Betrieb gegangen ist.

Erst schaltet Lokführer Klaus Rühmann den Strom ab, dann wählt er das passende Waschprogramm. Denn „seine“ S-Bahn wartet schon darauf, dass die riesigen roten Bürsten anfangen zu rotieren und ihre Wagen blitzblank putzen. Heute reicht dafür das Schnellprogramm. Nur 13 Minuten dauert es und be­nötigt drei bis vier Kubikmeter Wasser. „85 bis 90 Prozent davon werden aufbereitet und wieder­verwendet“, erklärt Rühmann. Ist ein Fahrzeug stärker verschmutzt, zum Beispiel durch viele Insekten im Sommer, darf es auch mal das Intensivprogramm mit 46 Minuten sein.

Die Waschanlage startet passend zur Umstellung der Linie S46: Seit dem 27. Juni rollen Züge der neuen Bau­reihe 483/484 von Westend über den Südring bis nach König Wusterhausen. Insgesamt 14 neue sogenannte Halbzüge mit jeweils vier Wagen sind dort unterwegs.


Foto: DB AG / Volker Emersleben

 

Rund 60.000 Fahrgäste profitieren

„Rund 60.000 Fahrgäste profitieren täglich von der Umstellung, denn die neuen Züge bieten nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Komfort und eine Klimaanlage“, sagt S-Bahn-Chef Peter Buchner. Um drei Grad kühlt sie die Außentemperatur herunter, ein Unterschied, der deutlich zu spüren ist. In den neuen Fahrzeugen gibt es zudem beispielsweise Abteile mit mehr Platz für Fahrräder oder Kinderwagen sowie digitale Monitore, die die Fahrgäste live über den Verlauf der Fahrt informieren. Entwickelt und gebaut haben „die Neue“ Stadler Deutschland und Siemens Mobility. Buchner: „Wir sind sehr zufrieden mit den neuen Zügen. Bei Bahnfahrzeugen ist das nicht selbstverständlich.“ Viele Züge seien früher als geplant geliefert worden, obwohl sich die Bedingungen durch Corona und anspruchsvolle Zulassungsverfahren schwierig gestaltet haben.

 

Mehr Kapazität für die Verkehrswende

Auf den Linien S45 (Flughafen BER – Südkreuz) und S47 (Spindlersfeld – Hermannstraße) sind die schicken Fahrzeuge bereits seit einiger Zeit unterwegs. Auf der S46 haben sie jetzt die rund 30 Jahre alten Züge der Baureihe 485 abgelöst, die noch zu DDR-Zeiten konstruiert wurde. Wegen ihrer ursprünglich roten Lackierung hat sie bei den Berliner:innen den Spitznamen „Coladose“. Der nächste Meilenstein ist am 14. Oktober die Umstellung der Linie S8, die dann zwischen Wildau und Birkenwerder verkehren wird. Im kommenden Jahr sind dann die Ringlinien S41 und S42 dran. 106 Zwei-Wagen-Einheiten mehr sollen insgesamt bis Ende 2023 im Einsatz sein. Die Kapazität der S-Bahnflotte erhöht sich damit um 25.000 Plätze.

„Wenn wir die Verkehrswende schaffen und die Menschen dafür gewinnen wollen, vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen, brauchen wir dringend mehr Kapazität“, so Buchner. Bereits im Mai hätten die Fahrgastzahlen bei der S-Bahn Berlin wieder 85 Prozent des Vor-Corona-Niveaus erreicht. Seit Start des 9-Euro-Tickets im Juni seien es sogar 95 Prozent ge­wesen. Allein bei der S-Bahn wurden schon eine halbe Million Tickets verkauft.

Auch Lokführer Klaus Rühmann freut sich darüber, dass wieder mehr Fahrgäste an Bord sind – und natürlich über die neue Waschanlage. „Ich habe nach der Reinigung mit der Hand über das Fahrzeug gestrichen: Absolut sauber!“, sagt er schmunzelnd.


Foto: DB AG / Volker Emersleben

 

Saubere Sache: die neue Waschanlage in Grünau
Am S-Bahn-Werk Grünau bringt seit Ende Juni eine moderne Waschanlage – es ist die dritte der S-Bahn in Berlin – Züge auf Hochglanz. Und zwar nicht nur die neue Baureihe 483/484, sondern auch ältere Fahrzeuge. Mit ihren 160 Metern Länge gibt es genug Platz, um auch Vollzüge mit acht Wagen zu waschen. Neben einer Standwäsche, bei der ein Rangierlokführer das Fahrzeug in der Anlage parkt, können die Züge auch in Schrittgeschwindigkeit durch die Halle fahren, während Bürsten und Wasserdüsen sie reinigen – das spart viel Zeit. Die Anlage ist rund um die Uhr im Einsatz, spätestens alle 14 Tage kommt jedes Fahrzeug mit einer Reinigung dran. Die Halle der Anlage wurde vom polnischen Unternehmen Achat errichtet. Die Länder Berlin und Brandenburg haben im Rahmen des Ring-Verkehrsvertrags den Bau der Waschanlage finanziert. Insgesamt beläuft sich die Investition in die neuen Züge sowie die notwendige Anpassung des S-Bahn-Werks in Grünau auf 900 Millionen Euro.

 

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