Sie müssen nur noch rund 1.000 Tage rollen, dann werden sie nach und nach von den neuen Zügen der Baureihe 483/484 abgelöst. Dennoch erhalten jetzt einige 485er eine Sonderbehandlung für den Endspurt bis zur Rente. Wegen minimaler Risse am Wagenkasten-Langträger werden elf Fahrzeuge der Baureihe 485 vorsorglich nicht eingesetzt. Bei einer planmäßigen Revision war an einem Zug ein Haarriss entdeckt worden. Deshalb wurde umgehend die Untersuchung aller Fahrzeuge der dienstältesten S-Bahn-Baureihe eingeleitet. 59 davon sind in Ordnung, zehn warten noch auf die Revision und um die Reparatur der elf Fahrzeuge mit Rissen kümmert sich jetzt ein Expertenteam. Grund zur Sorge besteht absolut keiner, erklärt S-Bahnchef Peter Buchner: „Wir garantieren, dass alle Fahrzeuge im Betrieb sicher sind. Die betroffenen Züge bleiben alle stehen, bis klar ist, dass sie einsatzfähig sind.“ Die anderen Baureihen, die den Großteil der 650 Viertelzüge starken S-Bahnflotte ausmachen, sind nicht betroffen. Zugausfälle soll es wegen der fehlenden 485er nicht geben, aber Abweichungen bei den Zuglängen.

So wird die S85 nicht wie zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember angekündigt mit sechs, sondern – wie bisher auch – mit vier Wagen unterwegs sein. Außerdem könnten einzelne Züge auf der Linie S46 in den nächsten Monaten nur mit sechs statt planmäßig mit acht Wagen fahren. Nach vorläufiger Einschätzung können mit großer Wahrscheinlichkeit bis Ostern 2020 wieder so viele Fahrzeuge in den Fahrgastbetrieb gehen, dass die kürzeren Züge auf S85 und S46 wieder der Vergangenheit angehören.

 

Besonderheit der 485: sie ist aus Aluminium

Norman Reinhardt, Leiter Arbeitsgebiet Fahrzeugtechnik, und sein Team arbeiten daran, die Züge wieder aufs Gleis zu bekommen. Der erste Schritt ist das sogenannte Fehlertoleranz- Konzept, in dem die Risse, ihre möglichen Ursachen und Auswirkungen ausgiebig untersucht werden. Aus den Ergebnissen entsteht dann die Handlungsanweisung für die Werkstätten. Fehlertoleranz bedeutet, dass ein System oder eine Struktur auch dann noch gut funktioniert, wenn ein Fehler auftritt. „Sie müssen sich das vorstellen wie bei einem Haus, da können nach einigen Jahren auch einmal Risse auftreten, ohne dass es gleich einstürzt“, sagt Reinhardt.

Ob und wie genau die Risse behandelt werden müssen, wird nun also geklärt. Unbekannt ist die Problematik bei Fahrzeugen aus den 80er Jahren nicht. Damals wurde statt Stahl leichteres Aluminium verbaut. Den Nachteil kennt man erst heute: Nach mehreren Millionen gefahrenen Kilometern können Risse entstehen. Für die Reparatur kann daher auch auf die Expertise und Erfahrung früherer Sanierungsprogramme in anderen Bahnbereichen zurückgegriffen werden.

 

Baureihe 485

  • die älteste im Betrieb befindliche Baureihe der S-Bahn Berlin
  • Baujahr 1988 – 1992
  • 80 Viertelzüge (von insgesamt 650 Viertelzügen)
  • ab Januar 2021 wird die Baureihe nach und nach abgestellt, die Züge der neuen Baureihe 483/484 übernehmen
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