Sie sieht aus wie die Neue. Und trotzdem hat sie schon viele Jahre Erfahrung in Berlin und Brandenburg gesammelt. Die Rede ist von der S-Bahn der Baureihe 481. In schickem, neuem Design und technisch verbessert sind seit dem 22. Oktober die ersten beiden komplett umgebauten Wagen unterwegs. Nach seiner Jungfernfahrt aus dem S-Bahnwerk Schöneweide, trat das Fahrzeug seinen regulären Dienst um 15 Uhr am Bahnhof Tempelhof auf der Linie S47 in Richtung Spindlersfeld an. „Alle Wagen dieser Baureihe werden in den nächsten Jahren einer Schönheits-OP unterzogen“, sagt Susanne Henckel: Chefin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg VBB. Auf den ersten Blick auffällig dabei sind die gelb-rote Farbgebung sowie die in schwarz lackierten Türen. Damit sehen die 481er-Züge der neuen S-Bahn, die vom Jahr 2021 an eingesetzt werden wird, zum Verwechseln ähnlich.

Mehr Sicherheit durch Videokameras

„Die Baureihe 481 ist das Herzstück der Berliner S-Bahn“, erklärt Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin. Von ihnen gibt es insgesamt 500 sogenannte Viertelzüge (Vz), die jeweils aus zwei Wagen bestehen. Diese werden in einem speziellen Programm zur Runderneuerung umgebaut und damit fit für die Zukunft gemacht. Dafür investieren die Länder Berlin und Brandenburg insgesamt 250 Millionen Euro, so Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Berlin.

Bevor die Fahrzeuge aus den Jahren 1997 bis 2004 wieder aufs Gleis dürfen, werden sie erst einmal auseinander genommen. Wie ein Skelett sieht ein komplett ausgeräumter Viertelzug aus. Danach bekommt er in mehreren Arbeitsschritten sein neues, modernes Äußeres und Inneres mit zahlreichen technischen Verbesserungen. Dazu zählt beispielsweise der Einbau von Videokameras, um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu erhöhen.

„Pro Wagenkasten werden rund 250.000 Euro investiert“, berichtet Martin Aurich, Leiter des S-Bahnwerkes in Berlin-Schöneweide. Dabei erhalten die Wagen neue Sitze mit dem typischen blauen Stoffbezug, den viele Fahrgäste schon von den DB-Regio- Zügen kennen. Und es werden sehr viele Sitze sein, insgesamt 50.000, sagt Martin Aurich: „Damit könnten wir den Deutschen Bundestag 70 Mal neu bestuhlen.“ In der Regel hält ein S-Bahn-Wagen rund 30 Jahre und länger. „Darum wird mit diesem Programm nun die zweite Lebenshälfte dieser Baureihe verwirklicht“, sagt Ines Jesse, Staatssekretärin für Infrastruktur und Landesplanung im Land Brandenburg.

In diesem Jahr sollen noch sechs weitere Wagen ausgeliefert werden. Für das Jahr 2020 ist der Umbau von weiteren 100 Viertelzügen geplant. 2024 soll das gesamte Projekt abgeschlossen sein.

Matthias Schäfer

 

Projekt Langlebigkeit

Diese Arbeiten werden für die ersten 309 vertraglich vereinbarten, bis 2022 umzurüstenden, Viertelzüge
umgesetzt:

  • Neues Design: Außenlackierung und Innenraum werden an die neue S-Bahn für Berlin (m Seiten 4/5) angepasst.
  • Videoaufzeichnung*: Einbau von 5.000 Videokameras zur Überwachung des Fahrgastraums.
  • Neue Sitze: Über 27.000 neue Sitzgestelle und blaue Polster werden eingebaut.
  • Zusätzliche Haltestangen*: Nachrüstung horizontaler Haltestangen zur Verbesserung der Festhaltemöglichkeiten.
  • Sanierung Langträger: Über 6.000 laufende Meter Wagenkasten-Langträger werden auf Korrosion untersucht und bei Befund saniert.
  • Neue Böden: Knapp 29.000 m² Fußbodenplatten und 32.000 m² Belag werden neu verlegt.
  • Neue Einstiegsstür-Flügel: Über 7.000 neue schwarze Türflügel werden an den Fahrgasteinstiegen verbaut.
  • Taktile Taster*: Nachrüstung von 12.000 taktilen Türöffnungstastern.

* gilt für alle 500 Viertelzüge der Baureihe 481

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