Kundenbetreuung | 2017/07 - 06. April, S. 6


Vor einem Jahr gestartet: „Rad im Regio“ kommt gut an


Bessere Orientierung am Bahnhof, mehr Harmonie zwischen den Fahrgästen und zügigerer Ein- und Ausstieg mit dem Rad – VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel ist überzeugt von den Verbesserungen zur Radmitnahme im Regionalverkehr.


Vor knapp einem Jahr – im Mai 2016 – startete das Pilotprojekt „Rad im Regio“. Wie sieht Ihre Bilanz zu den Maßnahmen aus?

Susanne Henckel: Erfreulich gut! Mit DB Regio und ODEG konnten wir fast alle Ideen umsetzen, die wir gemeinsam – auch mit den Fahrrad- und Fahrgastverbänden – zur besseren Fahrradmitnahme im Zug entwickelt hatten.

Auf und in den Zügen der Pilotlinien RE 2, RE 3, RE 4 und RE 5 sind nun überall deutlich sichtbare Fahrradsymbole aufgeklebt, die zeigen: Hier ist Platz für Fahrräder. Auch die Infos über die digitalen Wege, unsere VBB App Bus&Bahn und die VBB Fahrinfo, oder auch über die klassischen Wege per Aushang und Schildern auf den Bahnhöfen funktionieren gut.

Damit können sich die Fahrgäste bereits vor der Zugfahrt besser orientieren, und das hilft Stress zu vermeiden: Wer mit dem Fahrrad schon bei Einfahrt des Zuges dort steht, wo auch Stellplätze sind, erspart sich ein Gehetze über den Bahnsteig, und Fahrgäste ohne Fahrrad können die Fahrradbereiche meiden. So gibt’s weniger Gedrängel beim Ein- und Ausstieg und die Züge können pünktlicher abfahren.

Rad im Regio
Deutliches Zeichen: Hier ist Platz für Räder.

Was sagen die Projektpartner und die Fahrgäste?

Susanne Henckel: Anfangs gab es einige Bauchschmerzen, als wir beschlossen, jeweils in den ersten und letzten Wagen auf einer Seite Klappsitze auszubauen beziehungsweise festzustellen und dies als Fahrradbereiche auszuweisen. Es sind dadurch ja einige Sitzplätze weggefallen.

Aber die Befürchtungen waren ganz unbegründet. Im Gegenteil: In den Interviews, die wir sowohl mit vielen Fahrgästen als auch mit den Kundenbetreuern in den Zügen geführt haben, kam eindeutig heraus, dass die klare Kennzeichnung der Fahrradstellplätze eher zur Entspannung beiträgt. Verbale Auseinandersetzungen zwischen Fahrgästen mit und denjenigen ohne Rad sind definitiv weniger geworden. Das freut uns, denn ein respektvolles Miteinander liegt uns allen sehr am Herzen.

Wie geht es weiter mit dem Projekt, wird es vielleicht sogar ausgeweitet?

Susanne Henckel: Die guten Rückmeldungen motivieren uns natürlich weiterzumachen. Die Beklebungen bleiben und auch die ausgebauten beziehungsweise festgestellten Klappsitze. Derzeit sind wir mit DB Regio und ODEG, aber auch mit der Niederbarnimer Eisenbahn, im Gespräch, auf welchen Linien wir weitere Maßnahmen umsetzen können, und mit DB Station und Service planen wir, an zwei weiteren Bahnhöfen Fahrradtreffpunkte einzurichten. Auch wollen wir noch stärker publik machen, dass man auch gut ohne das eigene Fahrrad umweltfreundlich mit Rad und Bahn unterwegs sein kann.

Es gibt inzwischen an vielen Bahnhöfen in Brandenburg und Berlin Leihstationen, die wir zum Beispiel in unserer VBB-Livekarte mit Kontaktdaten abbilden. Es kann ja auch ganz angenehm sein, das Fahrrad erst vor Ort anzumieten.

Fahrradwagen
Ein Fahrradwagen im Ausflugszug
Foto: VBB

Nun beginnt die neue Saison, in der wieder mehr Ausflugshungrige mit und ohne Rad um Plätze in den Zügen konkurrieren. Haben alle gute Chancen, schnell und stressfrei ins Grüne zu kommen?

Susanne Henckel: Alle Fahrgäste sollten immer gut und entspannt ankommen. In der Regel reichen die Fahrradstellplätze in den Zügen. Da sind einerseits die Fahrradwagen in den Pilotlinien, aber es gibt ja auch in allen anderen Wagen noch die Mehrzweckabteile mit viel Platz. Natürlich nehmen im Frühjahr und Sommer mehr Menschen ihre Fahrräder mit. Besonders auf den Strecken Richtung Ostsee.

Deshalb werden auch die Züge ab Ostern auf diesen beliebten Linien (RE 3/RE 5) wieder um einen fünften speziellen Fahrradwagen verlängert. Aber ganz ehrlich: eine hundertprozentige Garantie, dass immer alle Fahrräder Platz haben, können wir beim besten Willen nicht geben. Die Ausflugslust ist schwer kalkulierbar. Scheint am Wochenende die Sonne, machen sich viele spontan zur selben Zeit auf und dann kann’s richtig eng werden.

Mein Tipp: Schauen Sie vorher in unsere VBB-Fahrinfo, da gibt es Hinweise, zu welchen Zeiten die Züge voraussichtlich voller sind. Dann eher einen Zug früher oder später nehmen oder, wie gesagt, es auch mal vor Ort mit einem Leihfahrrad probieren.

Aushang am Bahnsteig
Gewusst wie, Susanne Henckel macht es vor: Auf dem Aushang am Bahnsteig
liest sie ab, wo sie am besten mit dem Rad in den Zug steigen kann.
Foto: André Groth
 
Haben Sie auch eine persönliche Lieblingstour mit Rad und Bahn?

Susanne Henckel: In allen Himmelsrichtungen gibt es wunderbare Touren. Beispielsweise mit der RB 23 an und rund um den Schwielowsee, mit Schloss Petzow, Einsteinturm in Caputh und Einkehren im Forsthaus Templin. Oder um den Scharmützelsee, dort kann man von beiden Seiten des Sees mit RB 35 und RB 36 mit der Bahn heranfahren.

Mehr und mehr komme ich auf den Geschmack, mal ein Pedelec für eine größere Tour gleich vor Ort am Bahnhof auszuleihen, zum Beispiel direkt am Bahnhof Chorin, um von dort durch die Schorfheide zum Werbellinsee zu radeln.

Informationen zur Fahrradmitnahme in den Zügen unter VBB.de/RadimRegio


Tipps zur stressfreien Fahrradmitnahme im ÖPNV

  • Prinzipiell können Fahrräder in S- und U-Bahnen, im Eisenbahn-Regionalverkehr sowie in Straßenbahnen in den gekennzeichneten Wagen mitgenommen werden. Gegenseitige Rücksichtnahme macht es allen Fahrgästen leichter, bei wenig Platz haben Kinderwagen und Rollstuhlfahrer Vorrang.
  • Mehrzweckabteile und Fahrradwagen sind von außen sichtbar mit einem Fahrrad-Symbol markiert.
  • Bitte darauf achten, dass das Fahrrad sicher steht, sowie die Türen, Zwischengänge und Fluchtwege frei bleiben.
  • Auch für das Fahrrad wird ein Fahrausweis benötigt: Der Einzelfahrausweis Fahrrad für das VBB-Gesamtnetz kostet 3,30 €, eine Tageskarte 6,00 €.
  • Nicht immer muss das eigene Fahrrad mit auf die Fahrt. In Berlin stehen verschiedene Mietradsysteme wie LIDL-BIKE und Nextbike zur Verfügung, auch in den Ausflugsgebieten Brandenburgs gibt es Fahrrad-Verleihstationen, die auf der VBB.de/livekarte zu finden sind.