Technik | 2016/19 - 06. Oktober, S. 4


„Die neue S-Bahn soll die S-Bahn für alle werden“


Im Oktober stellt sich die perfekte Simulation dem Vier-Wochen-Test


Die neue S-Bahn für Berlin und Brandenburg zeigt Gesicht und Farbe. Am 4. Oktober konnten zunächst Vertreter aus der Politik, des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) und die Presse das begehbare Wagenmodell begutachten. Tür-
bereiche und Fahrgastraum sind komplett gestaltet und bereits mit wichtigen Funktionalitäten ausgestattet.

Wagenmodell
Das 1:1-Wagenmodell der S-Bahn wird in den kommenden Wochen von zahlreichen Gruppen getestet, darunter sind 400 Fahrgäste, Vertreter von ADFC, Behindertenverbänden und Kundenbeiräten.
Foto: S-Bahn Berlin

Während der Wagenkasten aus Holz gefertigt ist, sind im Innenraum weitgehend Originalteile verbaut. Dazu gehören Sitze, Haltestangen, Beleuchtung und Fußböden. Einzelne Türen sind voll funktionsfähig und mit den erforderlichen akustischen und visuellen Signalen ausgestattet. Andere Funktionen, wie Anzeiger zur Fahrgastinformation, Sprechstellen zum S-Bahn-Personal und die Klimaanlage werden modellhaft dargestellt.

S-Bahn Vorstellung
„Das ist ein epochaler Tag“, kündigte S-Bahn-Pressesprecher Ingo Priegnitz an, als er die Presse einlud, das Modell zu besichtigen.
Foto: André Groth

Mit rund 400 repräsentativ ausgewählten Fahrgästen sowie Vertretern von Verbänden findet im Oktober ein Vier-Wochen-Labortest statt. Die Teilnehmer halten ihre Eindrücke, Wünsche und Bewertungen zu Außen- und Innendesign sowie zu Ausstattung und Funktionalitäten in einem Fragebogen fest. Die Ergebnisse fließen in den weiteren Entwicklungsprozess der neuen Baureihe ein. Über 2 000 Interessierte hatten sich bei der S-Bahn Berlin um eine Teilnahme beworben.

Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, freut sich: „Der „Aha“-Effekt ist sicher! – Unser Angebot für eine moderne, zeitgemäße und komfortable S-Bahn für die Zukunft steht. Die umfangreichen Vorgaben der Länder Berlin und Brandenburg als Besteller der Verkehrsleistungen sind in diesem Fahrzeugmodell berücksichtigt. Jetzt beginnt das Fine-Tuning. Die neue S-Bahn soll die S-Bahn für alle werden.“

Sitzgruppen
Der Fahrgastraum ist großzügig gestaltet. „Da findet auch die Handtasche Platz“, sagte Susanne Henkel vom VBB erfreut.
Foto: S-Bahn Berlin

Das in den Filmstudios Babelsberg gefertigte Wagenmodell dient als Arbeitsmittel und unterstützt Ingenieure und Konstrukteure bei der Entwicklung finaler Lösungen für den Bau der realen Wagenkästen. Änderungsvorschläge aus dem Kreis der Testpersonen können auf diese Weise konkret auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.

Jürgen Strippel, Projektleiter Neue S-Bahn bei der S-Bahn Berlin erklärt: „Wir haben die große Chance, zum jetzigen Zeitpunkt Verbesserungspotentiale zu erkennen und in die Fertigung der Fahrzeuge einfließen zu lassen. Änderungswünsche müssen, sofern sie von den Vorgaben der Besteller abweichen, von diesen geprüft und gegebenenfalls beauftragt werden. Unser Ziel ist es, bestmögliche Lösungen zu finden.“

Präsentation Türen
Jürgen Strippel, Projektleiter Neue S-Bahn bei der S-Bahn Berlin, präsentierte die automatisch nach dem Ein- beziehungsweise Ausstieg schließenden Türen. Sie bieten optische Signale – einer Ampel ähnlich in Rot und Grün.
Foto: André Groth

Klassisches Farbdesign – neu interpretiert

Neben der neuen markanten Wagenkastenform präsentiert sich das Modell der künftigen S-Bahn für Berlin und Brandenburg in einer zeitgemäßen Interpretation des klassischen Farbdesigns. „Es bleibt bei den Traditionsfarben rot, gelb, schwarz!“, erklärt Annekatrin Westphal, Leiterin Fahrgastmarketing der S-Bahn Berlin: „Wir haben den Mut, auf mehr Frische und Freundlichkeit zu setzen. Die Farbaufteilung lässt das Fahrzeug höher und luftiger wirken. Stärkere Kontraste machen die Türen für Sehschwache besser erkennbar.“

Vorstellung Außendesign
Annekatrin Westphal, Leiterin Fahrgastmarketing, engagiert sich leidenschaftlich für das moderne Außendesign der neuen S-Bahn: „Ich würde mich sehr freuen, wenn es auch bei den Fahrgästen gut ankommt.“
Foto: André Groth

Das am Modell dargestellte Farbschema ist Ergebnis einer intensiven Diskussion aller an der Fahrzeugentwicklung Beteiligten – vom Auftraggeber über das Herstellerkonsortium bis zu Designern, den Ländern und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Die Berliner und Brandenburger Bevölkerung ist eingeladen, über den entwickelten Vorschlag zu diskutieren.

Neue S-Bahn für Berlin und Brandenburg im Zeitplan

Der ehrgeizige Zeitplan von Herstellerkonsortium Siemens/Stadler und S-Bahn Berlin sieht den Abschluss der Konstruktionsphase für die neue S-Bahn-Generation zu Mitte 2017 vor. Anschließend erfolgt die Teilfertigung, Montage, Zulassung und Inbetriebsetzung der Fahrzeuge.

Gesprächsrunde
S-Bahn- Pressesprecher Ingo Priegnitz diskutiert mit VBB-Geschäftsführerin Susanne Henkel (rechts) sowie Peter Buchner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin (links), Egbert Neumann, Abteilungsleiter Verkehr im Brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (2. v. li.) und Christian Gaebler, Staatssekretär für Verkehr und Umwelt in Berlin (Mitte) das Modell für die neue S-Bahn.
Foto: André Groth

Parallel dazu beginnt ab Frühjahr 2019 die technische Erprobung. Die neuen Züge der Baureihen 483/484 werden im Teilnetz Ring/Südost zum Einsatz kommen. Ab Januar 2021 fahren sie auf der Linie S 47 zwischen Südkreuz und Spindlersfeld. Bis zum Jahr 2023 ersetzen die bestellten 85 Vier-Wagen-Einheiten und weitere 21-Zwei-Wagen-Einheiten auf den Linien S 46, S 8 und den Ringbahnlinien S41/S42 sukzessive die Altbauzüge.