Technik | 2015/14 - 30. Juli, S. 4


Kleiner Störenfried an der Baureihe 480


Unscheinbares Bauteil legt S-Bahnen lahm – Spezialisten in Siegen helfen


Ein kleines, guss­eisernes Bauteil legt derzeit 46 Züge der Baureihe 480 lahm. Es ist an die Innenseite des Drehgestell­rahmens angeschweißt und soll verhindern, dass sich das Gestell zur Seite dreht, wenn der Wagen inklusive seiner Drehgestelle für Wartungsarbeiten angehoben werden muss. Für den Betrieb der Fahrzeuge ist es überflüssig.

Dieses nur fünf Zentimeter große Mini-Bauteil macht riesige Probleme: Es verursacht nämlich Risse im Drehgestellrahmen, in denen die Radsätze befestigt sind. Im Bombardier-Werk in Siegen, das auf Bau, Wartung und Sanierung von Drehgestellen spezialisiert ist, soll schnell Abhilfe geschaffen werden.
 

Schweißer
Zsolt Kiraly schweißt an einem Drehgestellrahmen der Baureihe 480.

„Die Risse durch diese Längs­anschläge wurden im Werk Schöneweide im Rahmen einer planmäßigen Instandhaltung erst an einem und dann an weiteren Drehgestellrahmen entdeckt“, erklärt Tobias Fischer, Werkleiter in Schöneweide und Chef der Instandhaltung bei der S-Bahn Berlin.

Der Technische Fachdienst der S-Bahn Berlin hat sich daraufhin an das Bombardier-Werk in Siegen gewandt, in dem 780 Spezialisten für Drehgestelle tätig sind: „Hier in Siegen entfernen wir die überflüssigen Längsanschläge“, sagt der Leiter des Service-Bereichs Thorsten Linke.

Bombardier-Chefingenieur Karsten Kießling fügt hinzu: „Das ist allerdings sehr kompliziert, wie eine Operation am offenen Herzen.“ Außerdem werden alle Drehgestellrahmen umfangreich saniert, um ihre Lebenszeit zu verlängern. Schließlich sollen die Züge noch bis 2023 fahren.
 

Mechaniker
Zerspanungsmechaniker Eduard Pawik beschleift den bearbeiteten Rahmen.
Fotos: Christiane Flechtner

Im Werk Schöneweide kümmern sich nun doppelt so viele Kollegen im Zwei-Schicht-System um die Vorbereitung der Fracht: Sie demontieren die Rahmen von den Drehgestellen und verladen sie dann auf Lkw. Pro Woche liefert das Bombardier-Werk Siegen vier sanierte Drehgestellrahmen an die S-Bahn Berlin.

„Insgesamt elf Viertelzüge sind bereits saniert und schon wieder im Einsatz“, sagt Tobias Fischer. Weitere 20 Drehgestellrahmen – das sind Rahmen für insgesamt fünf Züge – warten in Siegen auf ihre Sanierung.

Ab Herbst werden dann wieder mehr als die Hälfte der Viertelzüge der Baureihe 480 auf Berlins Gleisen unterwegs sein. „Komplett abgeschlossen ist die Sanierung aller 70 Viertelzüge voraussichtlich im Herbst 2016“, sagt Fischer abschließend.

Christiane Flechtner

Bombardier-Chef
Bombardier-Chefingenieur Karsten Kießling (l.) und Thorsten Linke, Leiter des Service-Bereichs bei Bombardier Transportation,  begutachten einen der S-Bahn-Drehgestellrahmen. 
 

Längsanschlag
Dieses kleine Bauteil, ein Längsanschlag an der Querspielbegrenzung eines Drehgestellrahmens, verursacht die Risse.
Fotos: Christiane Flechtner