Verbindungen | 2011/03 - 10. Februar, S. 12


Grünes Licht für die Darßbahn


Wieder umweltfreundlich und staufrei in ein Urlaubsparadies


„Die Darßbahn würde uns helfen, eine unserer beliebtesten Tourismusregionen für Gäste und Einheimische besser zu erschließen.“ Mit diesen Worten unterstützt der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, ein Projekt, von dessen Nutzen Politiker, Tourismusunternehmen und viele Darß-Freunde überzeugt sind – der Wiederaufbau der Darßbahn.

Viele Urlauber  würden mit ihr die Ostsee-Halbinsel umweltfreundlich und staufrei  erreichen. Die Strecke zwischen dem heutigen Endbahnhof Barth über Zingst bis Prerow wurde bis 1945 befahren. Dazu ein Gespräch mit Jörgen Boße, Geschäftführer der Usedomer Bäderbahn. Die Bahntochter wird die Strecke betreiben.

 

Jörgen Boße

Sie haben schon einmal eine Bahnstrecke sehr erfolgreich wiederbelebt, die anfangs in den Augen von Bahn und Öffentlichkeit keinen Pfifferling wert war – die Usedomer Bäderbahn. Seit einiger Zeit wenden Sie sich der Darßbahn zu, die bis 1945 zwischen Barth und Prerow fuhr, auf einer Strecke, die der UBB und damit der DB AG  gehört. Sind sie hier genauso optimistisch  wie beim ersten Projekt vor knapp 20 Jahren?


Jörgen Boße: Ganz klar „Ja“. Ich fühle mich bei der Darßbahn um 20 Jahre zurückversetzt. Wir führen heute die gleichen Diskussionen Pro und Contra, zum Teil mit den gleichen Kritikern, haben die gleichen Probleme – nur eben nicht auf Usedom sondern auf dem Darß. Damals haben nur Wenige an uns geglaubt. Die Darßbahn hat das Potenzial, genau so eine Erfolgsstory zu werden, wie es die Usedomer Bäderbahn geworden ist.  

 

 

Endloser Sandstrand auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst
Foto: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Die Usedomer Bäderbahn hat vor einiger Zeit Voruntersuchungen zu den Kosten des Wiederaufbaus der Darßbahn vorgenommen. Inzwischen liegt auch ein Gutachten der Landesregierung vor. Was sagt es aus?

Jörgen Boße: Als wir 2003 die Strecke nach Barth übernommen haben, haben wir uns intensiv mit der Darßbahn auseinandergesetzt. Wir haben selbst verschiedene Gutachten zu verschiedenen Varianten durchführen lassen. Die Ergebnisse waren immer eindeutig. Die Landesregierung hat sich auf Basis ihres Gutachtens im August letzten Jahres für die Reaktivierung der Darßbahn bis 2016 ausgesprochen.

Der Steuerzahlerbund hält  das Projekt für Verschwendung. Welche Argumente setzen Sie dagegen?

Jörgen Boße: Hier hat sich der Steuerzahlerbund instrumentalisieren lassen. Mit dem Projekt selbst hat er sich jedenfalls nicht beschäftigt und er hat auch nie bei uns oder unseren Planungsbüros nachgefragt.

Für Usedom hat man damals auch Wirtschaftlichkeitsrechnungen durchgeführt. Im optimistischsten Fall wurden uns 760 000 Reisende pro Jahr vorausgesagt, heute sind es 3,6 Millionen. Oder bei der Verlängerung nach Swinemünde im Jahr 2008 hat man maximal 360 000 Reisende pro Jahr prognostiziert. Im ersten Betriebsjahr waren es dann fast 500 000. Ich denke die Zahlen sprechen für sich und es ist unsere Aufgabe, die Darßbahn zu einem Erfolg zu machen.

 

 

So werden Zingst und Prerow per Bahn erreichbar sein
Karte: punkt 3/Müller

Wer sitzt mit der UBB als Unterstützer des Projekts im Boot – nicht nur ideell, sondern auch finanziell?

Jörgen Boße: Das Land Mecklenburg – Vorpommern hat angekündigt, bis 2016 bis zu 29 Millionen Euro für das Projekt bereitstellen zu wollen. Aber es gibt auch Unterstützung aus der Region, angefangen beim Landkreis, den Kommunen bis hin zu Verbänden und Vereinen. Besonders wichtig ist aber die Unterstützung von der Deutschen Bahn.

Wie steht die einheimische Bevölkerung  zu dem Projekt, denn als reine Sommerurlauberbahn würde sich der Betrieb vermutlich nicht rechnen?

Jörgen Boße: Auf Usedom haben wir über das Jahr im Durchschnitt 70 Prozent Gäste und 30 Prozent Einheimische in den Zügen. Bei den Erlösen ist das Verhältnis sogar noch drastischer. Ich denke, wir werden hier ähnliche Verhältnisse bekommen. Der Vorteil der Darßbahn ist darüber hinaus der kurze Weg zum Oberzentrum Stralsund. Hier werden sicher bei attraktiven Angeboten und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auch viele Einheimische auf den Zug umsteigen.

Wann rechnen Sie realistischerweise mit dem Baubeginn?

Jörgen Boße: Die Landesregierung geht von einem Baubeginn 2013 aus. Da die Strecke auf dem Festland noch vorhanden ist, sind aber auch schon früher Vorarbeiten z.B. an den Brücken möglich. Ich glaube, wir werden schon 2011 die ersten kleineren Maßnahmen in Angriff nehmen können.