Michael Hallmann (56) ist schon seit 1980 eingefleischter Eisenbahner und betreut in seiner Position als Nachwuchskräfte-Gesamtkoordinator nicht nur die Programme der Azubis aller Berufe bei der S-Bahn, sondern auch derjenigen, die ein Praktikum absolvieren. Punkt 3 sprach mit ihm über seinen Beruf und die Möglichkeiten, Triebfahrzeugführer*in bei der S-Bahn Berlin zu werden.

 

Was macht Ihnen besonders Spaß an Ihrem Beruf?

Michael Hallmann: Ich begeistere Menschen gerne für Berufe bei der S-Bahn und mag es einfach, mit den Azubis zusammenzuarbeiten, denn jeder Jahrgang ist anders und hat seine Besonderheiten. Unter Coronabedingungen kamen da natürlich nochmal ganz neue Herausforderungen dazu. Ab März 2020 mussten im totalen Lockdown ja auch die Berufsschulen und Ausbildungswerkstätten schließen. Wir mussten dann komplett auf Homeschooling umstellen, die Ausbildungspläne immer wieder anpassen und verstärkt auf eine individuelle Prüfungsvorbereitung setzen. Ich bin stolz darauf, wie wir die 85 Azubis durch diese anstrengende Zeit begleitet haben. Die Elektroniker*innen, beispielsweise, haben jetzt im Januar alle ihre Prüfungen erfolgreich bestanden. Das motiviert mich und alle Beteiligten natürlich enorm.

 

Apropos Corona, die S-Bahn Berlin sendet ein ermutigendes Signal und stockt ihre Ausbildungsplätze zum*zur Industrieelektriker*in/Triebfahrzeugführer*in trotz Pandemie noch einmal auf – in welchem Ausmaß und was ist das Besondere daran?

Michael Hallmann: Ursprünglich einmal hatten wir mit zwölf Auszubildenden angefangen. In den vergangenen drei Jahren haben wir die Anzahl dann jeweils um zwölf erhöht. Das heißt, wir bilden in diesem Jahr 48 Industrieelektriker*innen/Triebfahrzeugführer*innen (Tf) aus. Neu dabei ist, dass wir die Ausbildungsklassen zweiteilen und die ersten 24 Azubis schon am 1. März beginnen und nicht – wie bislang üblich – nur am 1. September. So garantieren wir, dass sie zeitversetzt mit ihrer Anschlussausbildung zum*zur Triebfahrzeugführer*in starten können. Wir sind froh, dass alle Beteiligten, von  der Senatsverwaltung für Bildung über die Berufsschulen bis zur Industrie- und Handelskammer, von dem Konzept überzeugt und alle Ausbildungsplätze besetzt sind.

 

Wie lange dauert die Ausbildung und welche Möglichkeiten gibt es bei der S-Bahn Triebfahrzeugführer*in zu werden?

Michael Hallmann: Generell dauert eine Ausbildung zum*zur Eisen-bahner*in im Betriebsdienst mit den Spezialisierungen Lokführer*in oder Fahrdienstleiter*in bei der DB drei Jahre. Da die S-Bahn Berlin allerdings ein eigenes, abgeschlossenes Netz mit teilweise anderen Signalen und eine angepasste Fahrdienstvorschrift hat, haben wir ein eigenes Ausbildungsmodell entwickelt. Es gliedert sich in eine zweijährige Erstausbildung zum*zur Industrieelektriker*in mit anschließender Tf-Ausbildung, die maximal elf Monate dauert. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, über eine neun bis elf Monate dauernde Funktionsausbildung Tf zu werden. Hier wenden wir uns an Quereinsteiger*innen mit abgeschlossener Berufsausbildung, die mit dieser Ausbildung ihren Tf-Schein erlangen. Insgesamt bildet die S-Bahn in diesem Jahr 204 Triebfahrzeugführer*innen aus, wovon 24 Azubis sind, die im September ihre Anschlussausbildung beginnen.

 

Was macht die kombinierte Ausbildung bei der S-Bahn Berlin zu etwas Besonderem?

Michael Hallmann: Unsere Azubis haben den Vorteil, praktisch zwei Berufsabschlüsse zu erhalten: einmal den zum*zur Industrieelektriker*in mit anerkanntem IHK-Abschluss und eben den zum Triebfahrzeugführer beziehungsweise zur Triebfahrzeugführerin. Falls dann irgendwann mal die hohen Anforderungen, die das Fahren der S-Bahn mit sich bringt, nicht mehr erfüllt werden können – durch Krankheit oder ähnliches – ist eine Weiterbeschäftigung auf Basis der Grundausbildung konzernintern flexibel gestaltbar. Unsere Ausbildungsmodelle bieten da sehr viel Spielraum und gleichzeitig Sicherheit.

 

Warum bot sich der*die Industrieelektriker*in als Basisberuf der zukünftigen Triebfahrzeugführer*in an und was ist Teil der Ausbildung?

Michael Hallmann: Dieses Ausbildungsmodell hat sich ab 2012 erfolgreich etabliert. Wir vermitteln den Triebfahrzeugführer*innen in den zwei Jahren dieser Ausbildung ein fundiertes technisches Wissen und bilden sie gleichzeitig auch hier in der Fahrzeuginstandhaltung in Schöneweide aus, sodass sie unsere Fahrzeuge sehr genau kennenlernen. Wie ist so ein elektrischer Triebzug aufgebaut und aus welchen Komponenten besteht er? Welche Aufgaben haben die einzelnen Komponenten und wie werden sie eingebaut? Welche Störungen können auftreten? All diese Fragen werden in der Ausbildung beantwortet und bilden damit den professionellen Hintergrund für den späteren Einsatz auf der Strecke.

 

Was würden Sie potentiellen Azubis raten, die sich für die Ausbildung bei der S-Bahn interessieren?

Michael Hallmann: Nutzt die Möglichkeiten, die S-Bahn zum Beispiel innerhalb eines Schüler-*innenpraktikums besser kennenzulernen. Bewerbt euch rechtzeitig, also am besten schon ein Jahr vor Erlangen der Mittleren Reife. Die Ausschreibungen für 2022 werden im Mai/Juni dieses Jahres veröffentlicht. Auf deutschebahn.com/karriere findet ihr alle Infos zu den Berufen und zum Bewerbungsverfahren.

 

Herr Hallmann, vielen Dank für die wertvollen Einblicke und Ihre Zeit.

Das Interview führte Lionel Kreglinger

 

 

Michael Hallmann (56) begann seine Karriere ursprünglich bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR mit einer Ausbildung zum Triebfahrzeugschlosser. Nach dem Studium der Ingenieurspädagogik ist er seit 1989 in der Berufsausbildung tätig. Unter anderem arbeitete er auf dem Gelände des „Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Franz Stenzer“ an der Revaler und Warschauer Straße, das heute besser bekannt ist als Ausgeh- und Partyviertel in Friedrichshain. Nach der Schließung des Werkes 1993, wechselte er zur S-Bahn Berlin, wo er Leiter der Ausbildungswerkstatt wurde und schließlich die Personalentwicklung der S-Bahn Berlin GmbH mit aufbaute. Seit 2009 ist Hallmann als Gesamtkoordinator verantwortlich für die Ausbildung der Nachwuchskräfte bei der S-Bahn Berlin. Er betreut nicht nur die Programme der Azubis aller Berufe bei der S-Bahn, sondern auch die der Dualstudierenden und der schulischen und akademischen Praktikant*innen.

 

„Ich habe mich bewusst für die S-Bahn Berlin als Arbeitgeberin entschieden, weil der vorgezogene Ausbildungsbeginn am 1. März perfekt passte und ich der festen Überzeugung bin, dass mir der Beruf des Triebfahrzeugführers sehr großen Spaß bereiten wird.“ Dennis Uwe Hintze (24)

 

„Nachdem ich zunächst ein Physik- und Chemiestudium begonnen hatte, freue ich mich jetzt vor allem auf die Praxisnähe der Ausbildung Industrieelektriker*in/ Triebfahrzeugführer*in und darauf, die Technik der Triebfahrzeuge fundiert kennenzulernen und an ihnen herumschrauben zu können.“ Gloria Boros-Liebscher (20)

 

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