Vor einem Jahr haben wir den Azubi interviewt (punkt 3 Ausgabe vom 27.5.2021), damals war er erst ein paar Monate bei der Bahn. Was hat er in der Zwischenzeit erlebt? Wie war es, das erste Mal selbst einen Zug zu fahren? punkt 3 hat nachgefragt.

Schlüssel einstecken und drehen: Das ist oft der erste Handgriff im Führerstand. Der Schlüssel der verkehrsrotenBaureihe ET 442 ist auch das Erste, was Benno Bosse uns zeigt, als wir uns am Betriebsbahnhof Lichtenberg treffen.

Vor sieben Monaten durfte er zum allerersten Mal selbst am Steuer des Zugs sitzen, auf der RB24 zwischen Lübben und Lübbenau, natürlich in Begleitung eines Ausbilders. Ein ganz besonderer Moment. „Ich sollte auf 160 km/h beschleunigen. Das war für mich eine riesige Geschwindigkeit, denn ich besitze keinen Autoführerschein. Ein bisschen fühlte es sich an wie in einer Achterbahn“, erzählt er mit leuchtenden Augen. „Man spürte genau, wie sich der Zug in der Kurve zur Seite neigt.“ Für den zukünftigen Lokführer ist es eine Herausforderung, im Führerstand alles gleich­zeitig im Blick zu behalten – ob die Anzeigen, die Strecke oder den Fahrplan. Immer ist Konzentration gefragt. Zum Glück unterstützen die Ausbilder:innen bei den Lernfahrten.

 

Fit für den Führerstand

Bevor Benno Bosse den schwarzen Fahr- und Bremsschalter bewegen durfte, hat er jede Menge Theorie gebüffelt und erfahrenen Kolleg:innen über die Schulter geschaut. Wie werden die Züge für eine Fahrt vorbereitet? Wie rangiert der Lokführer? Wie testet er die Bremsen? Was bedeuten die verschiedenen Signale entlang der Strecke? „Das ist nicht so einfach wie bei einer Ampel – bei Rot stoppen und bei Grün fahren. Es gibt sehr viele verschiedene Signale, deren Bedeutung ich genau kennen muss. Sie regeln, ob ein Streckenabschnitt befahren werden darf und in welcher Geschwindigkeit.“ Auch Energie­sparen steht auf dem Lehrplan des Azubis. „Schließlich sind Züge rollende Klimaschützer.“

Besonders faszinierend findet der 20-Jährige, dass er mittlerweile genau versteht, wie ein Zug funktioniert. „Es ist erstaunlich, wie Strom unsichtbar ein Fahrzeug bewegt, das mehr als 300 Tonnen wiegt und über 4.000 PS hat.“ Ist seine Ausbildung nur etwas für Technikprofis? „Nein“, ist er überzeugt. „Wer motiviert ist, kann das alles lernen. Ich habe Quereinsteiger als Kolleg:innen, die aus ganz anderen Bereichen kommen.“

Es ist aber nicht allein die Technik, die Benno Bosse begeistert. Am schönsten ist es für ihn, unterwegs zu sein. „Ich sitze nicht den ganzen Tag im Büro am Rechner, sondern erlebe draußen viel. Ob bei der Nachtschicht mit Vollmond, wenn dicker Nebel über den Feldern in Brandenburg hängt, oder wenn ich bei schönstem Sonnenschein auf dem Viadukt der Stadtbahn fahre. Mitten durch Berlin, vorbei am Zoo, Reichstag und durch den Hauptbahnhof.“ Hält er an einer Station, freuen sich vor allem junge Eisenbahnfans. „Winken sie mir, dann pfeife ich manchmal freundlich zurück“, meint der Azubi lächelnd.

Dass er und seine Azubi-Kolleg:innen die Baureihe ET 442 bereits bestens kennen, müssen sie im Sommer bei ihrer ersten Fahrzeugprüfung beweisen. „Hoffentlich bestehen wir alle“, sagt Benno Bosse. Mittlerweile sind die neun Nachwuchs­bahner:in­nen bereits ein echtes Team geworden und unternehmen auch nach der Arbeit oft etwas zusammen.

 

Fahren, fahren, fahren

Gemeinsam werden sie in den kommenden zwölf Monaten weitere Baureihen und neue Strecken kennen­lernen. „Ich freue mich darauf, viel Erfahrung auf der Schiene zu sammeln und Routine zu gewinnen, denn nächstes Jahr will ich meinen Führerschein in der Tasche haben“, meint Benno Bosse. punkt 3 drückt die Daumen und wünscht allzeit gute Fahrt!

 


Foto: André Groth

 

Du möchtest Lokführer:in bei DB Regio Nordost werden? Drei Fragen zur Ausbildung

1. Wie läuft die Ausbildung zur Lokführer:in ab und was lerne ich?
Du machst eine dreijährige Ausbildung zum:zur Eisenbahner:in im Betriebsdienst Lokführer:in und Transport Personen­verkehr (EiB L/T). Du wirst auf verschiedenen Baureihen ausgebildet. Neben viel Praxis – zum Beispiel bei Lernfahrten oder beim Rangieren – gehört die Theorie in der Berufsschule und bei DB Training zum Ausbildungsplan.

2. Passt die Ausbildung zu mir?
Zugbegeisterte, die mindestens 16 Jahre alt sind, einen guten mittleren Abschluss oder Abitur haben, und gerne die Fächer Mathe und Physik mögen, haben die besten Voraussetzungen. Du solltest außerdem bereit sein, in Schichten sowie an Wochenenden und Feiertagen zu arbeiten.

3. Welche Vorteile habe ich als Azubi bei DB Regio Nordost?
DB Regio Nordost bietet hervorragende Ausbildungsbedingungen und vielfältige Inhalte. Es gibt ein Gehalt von 1.049 Euro brutto im ersten Lehrjahr. Dazu kommen weitere Leistungen wie Freifahrten sowie Teilnahmen an Messen und Azubi-Veranstaltungen. Wer seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kann mit einer festen Übernahme bei der Bahn rechnen.

Wichtig: Bewirb dich bereits jetzt für die nächste Ausbildungsrunde, die am 1. September 2023 startet. Alle Informationen und Stellenausschreibungen findest du unter karriere.deutschebahn.com

 

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