Eigentlich wollte André Kretzer Berlin gar nicht verlassen. Doch dann stand im Jahr 2012 das Elternhaus des gebürtigen Neuglobsowers zur Disposition, das sich nur wenige 100 Meter vom Stechlinsee entfernt befindet. Nach kurzer Bedenkzeit war klar, dass er sich ein Leben „im Grünen“ wieder vorstellen konnte. „Nach 20 Jahren Berlin war die Umstellung schwer – aber jetzt fühlt es sich richtig und gut an.“ sagt André Kretzer, dem das Glück über die ­getroffene Entscheidung anzumerken ist.

Als er sich 2012 zusammen mit ­seinem Mann Jens-Uwe Lehmann ­entschied, zurück nach Neuglobsow zu ziehen, bestand das zum Haus ­gehörende Grundstück lediglich aus ­einer „großen Wiese“. Ab 2014 ­begannen die beiden Gartenliebhaber damit, einen Garten nach ihren Vorstellungen anzulegen. Inspirationen holen sie sich dafür gern in YouTube-Videos über englische Gärten, aber auch beim Besuch der großen Gartenausstellungen.

Binnen kürzester Zeit brachten die beiden tausende Stauden und Blumen in die Erde, gestalteten einladende Sitzecken inmitten blühender Dahlien­beete, installierten Springbrunnen und plätschernde Wasserbecken, bis Nachbarn sie schließlich auf den ­Gedanken brachten, ihren Garten auch für andere Menschen zu öffnen. Die Idee eines öffentlich zugänglichen ­Gartens war damit geboren.

 

Von der Wiese zur Attraktion

2017 nahm das Gartenduo zum ersten Mal bei der Aktion „Offene Gärten Ober­havel“ teil. 2019 beteiligten sie sich mit eigenen Ausstellungsbeiträgen an der Landesgartenschau in Wittstock/Dosse. In diesem Jahr sind sie mit ihren ­einfach blühenden Dahlien bei der Blumen­schau in Paris vertreten und hoffen auf einen Preis. „Das sind alles Sachen, die gar nicht geplant waren, die haben sich einfach so ergeben“, sagt André Kretzer und staunt dabei selber über das ­Tempo, mit dem sich der über 2000 Quadratmeter ­große Garten des elterlichen Hauses in eine kleine regionale Berühmtheit verwandelt hat.

Mittlerweile kommen zwischen 200 und 300 Besucher über die Sommerwochenenden verteilt, die sich bei der 45-minütigen Gartenführung über Dahlien und deren Besonderheiten infor­mieren können. Sogar der MDR war schon zu Gast und brachte einen Beitrag über den „Dahliengarten am Stechlinsee“. Ein besonderes Anliegen ist es den Hobbygärtnern, die Bekanntheit des Gartens in den Dienst des Insektenschutzes zu stellen. „­Unser Anspruch ist ein schöner Garten – naturnah und insektenfreundlich. Das geht am besten mit Wildblumen und den einfach blühenden Dah­lien.“, sagt André Kretzer und macht sich wieder an die Gartenarbeit.| dm

 

Zur Person

Für André Kretzer stand der Berufswunsch früh fest: Er wollte zur Bahnhofsaufsicht! Gleich nach der Schule begann er die Ausbildung zum Fach­arbeiter für Eisenbahn­betrieb in Gransee und konnte diese wegen sehr guter Leistungen bereits nach 1,5 Jahren abschließen. Es folgte eine kurze Zeit am Bahnhof in Fürstenberg/Havel. Bei einem Besuch in Berlin wurde ihm klar, dass er zur S-Bahn wechseln möchte und er hatte Glück: Bei der Aufsicht am S-Bahnhof Landsberger Allee/Storkower Straße wurde er sofort angenommen. Das war 1989! Es folgten zahlreiche Stationen innerhalb des S-Bahnbetriebs. 2004 übernahm er die Leitung der Zentralen Abrechnungsstelle im Vertriebsmanagement der S-Bahn. Diese Funktion bekleidet er seit nunmehr 16 Jahren mit großer Freude. Er selber sieht in der Arbeit seines Teams eine wichtige Tätigkeit „im Verborgenen“. „Man sieht uns zwar nicht, aber ohne uns würde vieles nicht funktionieren.“

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober. Um Anmel­dung wird gebeten per Telefon 033082/70425 oder E-Mail: garten@einfachbluehende-dahlien.de. Forststeig 2A, 16775 Neuglobsow | einfachbluehende-dahlien.de

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