1

Fast wie eine Burg – und doch eine Stadt
Gransee – auf den Spuren der Geschichte wandeln

„Gransee war eine feste Stadt, vielleicht die festeste der Grafschaft Ruppin”, so schrieb Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg”. Noch heute umgibt die sechs Meter hohe Stadtmauer mit Wiekhäusern und dem mächtigen Ruppiner Tor den Ort. Die Mauer ist 1.750 Meter lang und fast vollständig erhalten.

Bei einem Bummel durch den historischen Stadtkern entdecken Sie viele frisch sanierte Fassaden der Bürgerhäuser und das berühmte Denkmal für die beliebte Preußen-Königin Luise, die mit nur 34 Jahren starb. Wer gern den Spuren der Geschichte folgt und sich an alter Architektur erfreut, für den ist Gransee ein schöner Ausflugstipp. Zu einer Pause zwischendurch laden Cafés, Gaststätten und kleine Geschäfte ein.

Rund anderthalb Kilometer sind es zu Fuß vom Bahnhof in die Rudolf-Breitscheid-Straße – die Einkaufsstraße im Zentrum von Gransee. Der Weg führt vorbei an Einfamilienhäusern in der Koliner Straße, entlang der Berliner Straße bis zur Mauerstraße. Hier laufen Sie Richtung Norden ein Stück entlang der Stadtmauer und gelangen wieder zur Rudolf-Breitscheid-Straße. Folgen Sie dieser bis zum Kirchplatz mit der Stadtkirche St. Marien.


Stadtmauer in Gransee mit Ruppiner Tor, Foto: terra press Berlin 

 

Der dreischiffige spätgotische Backsteinbau wurde ab 1220 errichtet. Zu seiner wertvollen Innenausstattung gehören der Schnitzaltar aus der Zeit um 1470 und ein Altargemälde von 1520. Die Orgel aus dem Jahre 1745 war das letzte Werk des berühmten Orgelbaumeisters Joachim Wagner. Jedes Jahr von April bis Oktober finden in der großen Hallenkirche die Granseer Sommermusiken statt. Das markanteste Wahrzeichen der Stadt hat mehrere Brände und den Dreißigjährigen Krieg überstanden.

„Was diese Kirche, die von keiner in der Grafschaft übertroffen wird, auch schon äußerlich auszeichnet, ist die reiche Verwendung des vierblättrigen Kleeblatts“, berichtet Fontane. Eine weitere Besonderheit sind die beiden Kirchtürme: Der eine Turm ist aus Holz, der andere aus Stein. Im steinernen Turm befinden sich die „vier Glocken mit dem harmonischen Geläut“ wie Fontane schon sagte. Der Turm steht Besucher:innen von Mai bis Oktober offen. Erklimmen Sie die 180 Stufen bis nach oben, liegt Ihnen Gransee zu Füßen – im schönsten Schachbrettmuster. Nach dem großen Stadtbrand von 1711 wieder aufgebaut, prägt dieser exakte Grundriss noch heute das Bild. Sehr gut zu erkennen ist der fast geschlossene Ring der Stadtmauer.

Laufen Sie anschließend weiter auf der Rudolf-Breitscheid-Straße zum Schinkelplatz. Hier steht das wohl berühmteste Bauwerk der Stadt: das Denkmal für die Königin Luise. Es erinnert an ihre Überführung, nachdem sie 1810 verstarb. Da die Strecke vom Sterbeort Hohenzieritz in Mecklenburg nach Berlin nicht an einem Tag zu bewältigen war, machte der Trauerzug in Gransee Station. In der Nacht vom 25. zum 26. Juli 1810 wurde der Sarg auf dem Markt, dem heutigen Schinkelplatz, aufgebahrt. Die Bürger:innen der Stadt Gransee wollten ihrer Königin an dieser Stelle ein Denkmal setzen und sammelten dafür Spenden.


Ehemaliges Franziskaner­kloster Gransee, Foto: RegioNord mbH / T. Rosenthal

 

Ein Ort voller Geschichte

Folgen Sie nun weiter der Rudolf-Breitscheid-Straße bis zur Hospitalstraße. Hier befanden sich einst zwei Spitäler. Die Mauern der dazu ge­hörenden Kapelle überstanden den Stadtbrand von 1711. Das Gebäude zählt zu den ältesten der Stadt und beherbergt heute das Heimat­museum mit Touristinformation. Das Museum erzählt mit liebevoll gestalteten Dioramen und einem Stadtmodell von 1930 anschaulich aus der Stadtgeschichte. Ein Siechenzimmer aus der Zeit der Hospital­nutzung des Gebäudes und ein Königin-Louise-Salon vervollständigen die Aus­stellung.

Das benachbarte Ruppiner Tor wird im Sommer für Kunstaus­stellungen genutzt. Der Ruppiner Torturm und der Pulverturm sind begehbar, der Schlüssel ist im Heimatmuseum erhältlich. Es hat seit dem 4. Januar wieder geöffnet. Seitlich neben dem Ruppiner Tor befindet  sich noch eine einfache Durchfahrt, das sogenannte Waldemartor.

Im 14. Jahr­hundert fielen die Granseer Bürger:innen auf die Schwindeleien eines „falschen Waldemar“ herein. Zur Strafe mussten sie das Tor, durch das dieser ungehindert in die Stadt gelangte, zumauern und daneben ein kleineres Tor in die Stadtmauer schlagen. Erst 1818 gestattete der preußische König die Öffnung des alten Stadttores.

Nun laufen Sie die Hospital­straße hoch, überqueren die Baustraße und gehen dann weiter auf der Kloster­straße bis zum einstigen Franziskaner­kloster. Sein Bau begann um 1280. Lange Zeit prägte das Kloster mit seinen Bauten das Stadtbild und das Stadtleben. Mit der Reformation wurde der Klosterbetrieb aufge-hoben. Im Jahre 1561 erhielt die Stadt das Kloster­gebäude mit der Auflage, hier eine Schule einzurichten – bis 1963 wurde unterrichtet. In einem der noch erhaltenen Gebäude gibt eine Aus­stellung Einblicke in die gelungene Stadt­sanierung.

Der Weg zurück zum Bahnhof führt über Klosterstraße, Hirten­straße und Mauerstraße zum großen Kreisverkehr an der B 96. Laufen Sie ein Stück auf der Templiner Straße und biegen Sie dann nach rechts in die Mühlenstraße, die Sie zur Bahnhofstraße bringt. So schließt sich der Kreis an diesem geschichtlich spannenden Ausflugstag.

 

Tipp
Heimatmuseum Gransee
Rudolf-Breitscheid-Straße 44, 16775 Gransee
Tel. 03306/21606
museum@gransee-info.de
gransee-info.de
Das Heimatmuseum in Gransee hat Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Außerdem jedes 2., 3. und 4. Wochenende des Monats von 12 bis 16 Uhr.In den drei Ausstellungsorten – Heimatmuseum, Stadttor und Pulverturm – werden Ur- und Frühgeschichte, bäuerliches Leben sowie Handwerks- und Alltagsgeschichte im Altkreis Gransee thematisiert.

Anreise
Hinfahrt: z. B. mit dem RE5 um 10.42 Uhr von Berlin Hbf bis Gransee, Fahrzeit: etwa 47 Minuten
Rückfahrt: z. B. um 17.26 Uhr

Ticket-Tipp
Das Brandenburg-Berlin-Ticket (BBT) gilt Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 0 Uhr bis 3 Uhr des Folgetages im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Es kostet 33 € und kann von Gruppen bis zu fünf Personen genutzt werden. Darüber hinaus können bis zu drei Kinder im Alter von sechs bis einschließlich 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden.
bahn.de/brandenburg | vbb.de

App DB Ausflug

  • über 400 Touren durch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt
  • Wander-, Rad- und Kanutouren, Stadtrundgänge, Badespaß u. v. m.
  • inklusive individueller Anreiseinfos – immer aktuell

Gleich herunterladen im Google Play Store bzw. App Store … und weitersagen!