Brote schmieren, Tee kochen und immer wieder mal ein nettes Wort: Am 9. Dezember besuchten acht Azubis an ihrem Social Day die Bahnhofsmission am Zoologischen Garten, um einen Tag lang bei der Arbeit zu helfen. Bei den jungen Männern und Frauen handelt es sich um angehende Industrie­elek­triker:in­nen mit der Zusatzausbildung Trieb­fahrzeugführer:in.

Für sie war es der erste Besuch in der Einrichtung und alle waren beeindruckt von der großen Hilfs­bereitschaft, die täglich den rund 700 obdachlosen Menschen entgegengebracht wird. „Unsere Gäste – wie wir sie nennen – kommen hierher, um etwas zu essen, ein Kleidungsstück zu erhalten oder um einen heißen Tee zu bekommen, an dem sie sich die Hände wärmen können“, erklärt Schichtleiterin Freya Bulgurcu, die seit zehn Jahren in der Bahnhofsmission tätig ist.

Und nach einer kurzen Führung sind die Azubis dann auch gleich gefordert: 1.400 Stullen wollen geschmiert, Hunderte Becher Tee und Kaffee gebrüht und bei den eisigen Temperaturen verteilt werden. Der Kontakt ist schnell da, die Hemmschwelle sinkt, und die Azubis unterhalten sich ganz locker mit den Menschen auf der Straße. Auch Jenny Zeller, S-Bahngeschäftsführerin Personal, ist vor Ort, um zu helfen.

Dass S-Bahn-Azubis die Bahnhofsmission besuchen, hat bereits eine lange Tradition, weiß Ausbildungs­­lokführer und Betriebsratsvorsitzender Andreas Splawski: „Seit nun mehr zehn Jahren absolvieren unsere Auszubildenden jedes Jahr eine soziale Woche, um über den Tellerrand hinauszuschauen und mit anzupacken. Das kommt gut an – und schon ein einziger Tag, wie dieser bei der Bahnhofsmission, verändert sie und ihre Sicht auf die Dinge“, fügt er hinzu.


Die Azubis Milo El-Sobhy und Rena Plath helfen Schichtleiterin Freya Bulgurcu beim Tee-Kochen. Foto: Christiane Flechtner

 

Das merkt auch der Auszubildende Jamie Stein sehr schnell: „Es ist interessant zu erfahren, was die Nöte der Menschen sind, die hierherkommen, und zu wissen, auf wie vielen Ebenen die Bahnhofsmission hier hilft.“ Und seine Kollegin Rena Plath fügt hinzu: „Man ist oft etwas hilflos im Umgang mit Obdach­losen auf der Straße oder im Bahnhof, aber hier kommen wir schnell ins Gespräch. Das alles sind Menschen, die auch wie Menschen behandelt werden wollen, und dieser Tag ein guter Tag und ein guter Ansatz, ihnen etwas zurück­zu­geben. Es ist ein tolles Gefühl, zu helfen.“

Die Auszubildenen helfen auch beim „lebendigen Adventskalender“: „Jeden Tag vor Weihnachten werden unsere Gäste mittags mit einem kleinen Geschenk überrascht“, erklärt Christian Ceconi, Direktor der Berliner Stadtmission. Manchmal gäbe es Musik vom Band, manchmal sei eine Band vor Ort, die live Musik macht. Am 9. Dezember verteilen die Azubis Lebkuchen vor der Tür. Darüber freut sich auch die 66-Jährige Christine, die hier in der Schlange der Wartenden steht. „Ich bin sehr dankbar, dass das für uns gemacht wird“, sagt sie.

Am Ende des Tages gehen alle nachdenklich, aber auch zufrieden nach Hause: „Es tat gut, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und etwas zu reden“, sagt Azubi Milo El-Sobhy und fügt ab­schließend hinzu: „Wenn wir ihnen einfach nur ein wenig zuhören, können wir ganz viel von ihnen lernen.“

 

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