Es gibt sie sehr wohl in Berlin, diese einzigartigen Orte inmitten der Stadt, wo sich Geschichte und Gegenwart, Natur und Technik auf nahezu magische Art und Weise verbinden, wo sich Menschen und Tiere begegnen und Raum ist für die außergewöhnlichsten Beobachtungen und Erlebnisse. Einer dieser urbanen Oasen ist der Natur-Park Schöneberger Südgelände. Auf dem ausgedehnten Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs in Berlin-Tempelhof (Eingang: S-Bahnhof Priesterweg) ist eine einzigartige Naturlandschaft mit markanten Relikten der Dampflokära und einer besuchenswerten Freilandausstellung entstanden.

Im Anschluss an die schrittweise Stilllegung des Bahnbetriebs im Jahr 1952 konnte sich auf einer Fläche von etwa 18 Fußballfeldern eine Art Urwald mitten in Schöneberg entwickeln. Eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen siedelte sich im Lauf der Jahrzehnte hier an, weshalb ein Drittel des urwüchsigen Areals als Naturschutzgebiet und die restlichen Flächen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind.

Neben Flora und Fauna weiß der Park jedoch genauso durch die allseits durchbrechenden Zeugnisse seiner Eisenbahngeschichte zu beeindrucken.

 

Zeugen der Bahnhistorie

Der markanteste Zeitzeuge der langen Bahngeschichte ist auch heute noch das Wahrzeichen des Geländes: der 50 Meter hohe stählerne Wasserturm steht da wie ein unerschütterlicher Wächter längst vergangener Zeiten. Und auch eine schwarze, stolze Dampflokomotive der Baureihe 50 aus dem Jahr 1940, eine funktionstüchtige Drehscheibe zum horizontalen Drehen der Loks, zahlreiche Lichtmasten und Schienenstränge erzählen von der ehrwürdigen Technikgeschichte der Eisenbahn. Die Wege und erhöhten Stege, auf denen man den Park erkunden kann, folgen dabei oft den ausgedienten Bahntrassen.


Foto: Holger Koppatsch

 

„Bahnbrechende Natur“

Neben der Besichtigung der über den Park verteilten Kunstobjekte der Künstlergruppe Odius, lohnt es sich sehr, die 2017 eröffnete Freilandausstellung „Bahnbrechende Nature“ anzuschauen. Sie beschreibt die ungewöhnliche Historie des Natur-Parks und erläutert die Vielfalt der ansässigen besonders schützenswerten Tier- und Pflanzenarten.

Auf einem Rundgang mit 42 Erklärtafeln wird zum Entdecken und Staunen eingeladen. Das Besondere an der Ausstellung ist ihr explizit inklusiver Charakter, der sich an blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher richtet. So befinden sich auf zwölf Ausstellungselementen taktile Reliefs und diverse tastbare Objekte. Ein ertastbarer Geländeplan und Begleittexte in Schwarz- beziehungsweise Brailleschrift ergänzen das Angebot. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mittels QR-Codes Audiobeschreibungen und -informationen abzurufen und anzuhören.

Auch bei diesem Ausflug gilt: Abstands- und Hygieneregeln einhalten sowie möglichst die Hauptverkehrszeiten meiden. | lk

 

Natur-Park Schöneberger Südgelände
Öffnungszeiten: täglich von 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit
Länge: 1,7 Kilometer
Eintritt: 1 € (ab 14 Jahren)
2 behindertengerechte Rundwege (1 oder 2,7 km lang)
Eingänge: S-Bf Priesterweg    oder über Prellerweg bzw. Hans-Baluschek-Park

 

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