Das selbstbewusst-geschwungene S auf rundem grünem Hintergrund – jedes noch so kleine Kind erkennt sofort, was damit gemeint ist. Die S-Bahn Berlin (als Mutter aller S-Bahnen) fährt nunmehr seit über 90 Jahren unter ihrem berühmten Signet durch die Stadt und darüber hinaus. Am 1. Dezember 1930 wurde das Symbol offiziell eingeführt. Doch auf die Frage „Wer hat’s erfunden?“ gibt es bis heute keine gesicherte Antwort.

Die Schweizer jedenfalls nicht und auch, ob es der bekannte Reichsbahnarchitekt Richard Brademann oder doch ein Werbegrafiker gestaltet hat, lässt sich schlicht nicht abschließend beantworten. Klar ist jedoch, der nachhaltige Erfolg gibt seinem Erfinder (oder seiner Erfinderin?) recht. Das Symbol war in Abgrenzung zur U-Bahn als ein starkes Markenzeichen gedacht, unter dem die modernen Elektrotriebzüge nicht länger als „Stadt-, Ring- und Vorortbahnen“ verkehren sollten.

Wofür das S genau steht, auch darüber kann gestritten werden. Im Allgemeinen gilt „Stadtschnellbahn“ als plausibelste Erklärung, denn „Stadtbahn“ war als Bezeichnung schon seit 1882 auf der Strecke zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg gebräuchlich und „Schnellbahn“ bereits für die elektrischen Züge der Hoch- und Untergrundbahn, die ab 1920 dann unter U-Bahn firmierten, im Umlauf gewesen.

Anfangs zeigte sich das Signet noch nicht auf dem bekannten runden, sondern auf „grabsteinförmigem“ Hintergrund, so wie es auch heute beispielsweise noch am Nordbahnhof zu sehen ist. Doch mit der Eröffnung der Nordsüd-S-Bahn am 28. Juli 1936 erschien das Logo erstmals in runder Form. Damit sich die Fahrgäste  besser orientieren und die Eingänge zu den unterirdischen Tunnelbahnhöfen schneller finden konnten, wurden hohe Pylonen aufgestellt,  auf denen das von nun an runde markante S-Bahn-Signet thronte. An Bahnhöfen wie dem Potsdamer Platz war das von Leuchtstoffröhren illuminierte S vor dem klassischen Grün weithin sichtbar. Darunter gab ein Kasten mit gusseiserner Tannenberg-Frakturschrift Auskunft über den Stationsnamen.

 


Der Eingang zum Tunnelbahnhof am Potsdamer Platz  Mitte der 1930er Jahre.
Foto: DB AG/Max Krajewsky

 

Die erfolgreiche Ausbreitung

Mit der Zeit übernahmen immer mehr Städte und Metropolregionen das markante Logo. Zunächst nach Hamburg exportiert (1934), fand es später seine flächendeckende, grundsätzlich unveränderte Verbreitung in ganz Deutschland. Was sich im Verlauf immer wieder änderte, waren die Schriftarten für die Stationen, die unter dem erfolgreichen Markenlogo zu lesen sind, nicht aber das selbstbewusst-geschwungene S auf grünem Grund. Wieso auch – ein großes Wahrzeichen überdauert jede Mode. | lk

 

Historische Markenstrategie

Im amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft („Die Reichsbahn“) heißt es zur Namensgebung und (heute würde man sagen)  Markenstrategie am 24. Dezember 1930:

 

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