Was wäre das wohl für ein rauschen­des Fest vom 18. bis 20. September in Greifswald geworden! Doch die geplanten Feierlichkeiten anlässlich des Jubi­läums „30 Jahre Mecklenburg-Vorpommern“ mussten coronabedingt ­leider auf 2021 verschoben werden. Dennoch lässt sich die traditions­reiche Gegend in und um Greifswald auch heute schon vielfältig erleben – am eindrücklichsten auf einem Treidel­pfad, der alles von der pitto­resken Beschaulichkeit eines roman­tischen Fischerdorfes über traumhafte Ausblicke über den Greifswalder ­Bodden bis zu den weltberühmten Gemäuern der Klosterruine Eldena bietet.

Eine Gegend und eine Landschaft wie ein Gemälde des Früh­romantikers Caspar David Friedrich. Nicht von ungefähr, denn der wohl bekannteste Sohn der Stadt Greifswald verewigte viele der auf der Tour auch ­heute noch wiederzuerkennenden Motive in seinen epochalen ­Werken.

 

Am Wasser entlang

An der Mündung des Flusses Ryck in den Greifwalder Bodden liegt das denkmal­geschützte Fischerdorf Wieck. Seit mindestens 1248 fahren hier die Fischer hinaus zum Fang. Seinen besonderen Charme konnte sich der Ort mit den reet­gedeckten Fischerkaten, den im Wasser schaukelnden Booten sowie vielen gemütlichen Cafés und Fischrestaurants bis heute bewahren.

Die Wiecker Holzklappbrücke verbindet die Ortsteile Wieck und Eldena der Hansestadt Greifswald. Sie wurde im Jahre 1887 nach holländischem Vorbild erbaut und führt über den Ryck, der in die Dänische Wiek, einen Teil des Greifswalder Boddens, mündet. Schlendern Sie über die Brücke auf die Wiecker Hafenseite mit den pittoresken Reetdachhäusern und ehrwürdigen Kapitänsgebäuden. Wenn Sie rechts der Straße Am Hafen entlang der Kaikante folgen, kommen Sie zum alten Zollhaus, Sitz des Hafenamtes. Spazieren Sie bis zur äußeren Hafenmole für einen traumhaften Blick über den Greifswalder Bodden.

Es wird vermutet, dass Caspar David Friedrich sein Gemälde „Lebensstufen“ hier am „Utkiek“ ansiedelte. Zurück geht es Am Hafen, erster Abzweig rechts, dann links – etwas im Zickzack – über die Dorfstraße in die Kirchstraße – hier steht die sehenswerte neo­romanische Pfarrkirche von 1883. Folgen Sie der Kirchstraße zurück zur Dorfstraße, die Sie über die Holz­brücke nach Eldena bringt.

Zwischen dem Eingang zum (geschlossenen) Strandbad und dem Parkplatz führt Sie der Boddenweg in den Wald. Nach 500 Metern entdecken Sie den Hinweis darauf, dass Caspar David Friedrich in seinem Skizzenbuch von 1815 das maritime Treiben an der ­Mündung des Rycks festhielt. Wenn Sie dem Boddenweg weiter
nach rechts und der Wolgaster Landstraße noch einmal nach rechts folgen, stehen Sie vor den verwun­schenen Überbleibseln einer längst vergan­genen Zeit.

 

Klosterruine Eldena

Die Überreste des einst bedeutenden Klosters sind eingebettet in eine Parkanlage mit altem Baumbestand, darunter 180-jährige Eichen, welche die romantische Atmosphäre der Anlage prägen. Im Mittelalter war Eldena das bedeutendste Kloster der Region, wirtschaftliches und ­geistliches Zentrum des Gebiets und erreichte um 1400 seine Blütezeit.

Das Kloster bestand bis zur Reforma­tionsbewegung in der Region im Jahr 1533 und verfiel in der Folgezeit. Nach Plünderungen im Dreißig­jährigen Krieg durch kaiserliche und schwedische Truppen verfielen die Überreste der mittelalterlichen Klosteranlage mehr und mehr.

In den Jahren 1828–1832 erfolgten erste Aufräum- und Sanierungs­arbeiten sowie die Anlegung eines Parks. Anstelle der fehlenden Langhaus­pfeiler des Kirchenschiffs wurden Eichen gesetzt.

Der 1774 in Greifswald geborene Caspar David Friedrich machte Eldena weltberühmt. Er nutzte Skizzen der Klosterruine unter anderem in seinen Gemälden „­Winter“, „Klosterruine im Riesen­gebirge“ und „Abtei im Eichwald“ als Vorlagen. Einige seiner Arbeiten sind im Pommerschen Landesmuseum ausgestellt. Im Caspar-David-­Fried­rich-­Zentrum in der Greifswalder Innenstadt können Sie Leben und Wirken des Malers eindrucksvoll erleben.


Skizzen des Klosters Eldena nutzte Caspar David Friedrich. Foto: Greifswald Marketing GmbH

 

Per Dampfer zurück nach Greifswald

Von der Klosterruine laufen Sie die Wolgaster Straße weiter und rechts über den Studentensteig zur Holz­brücke zurück. Kurz vor der Klappbrücke legt der mehr als 100 Jahre alte, aber immer noch fitte Dampfer MS Stubnitz von Ostern bis Oktober dienstags bis sonntags zur Rückfahrt in den Museumshafen Greifswald ab. Alternativ bringt Sie die Buslinie 2 in rund 20 Minuten zurück zum Bahnhof Greifswald.

Insgesamt legen Sie auf dieser Tour gut zehn Kilometer zurück. Wenn Sie auch zurücklaufen möchten, müssen Sie noch einmal sechs Kilometer hinzurechnen. Nach so viel Tradition freuen Sie sich vielleicht umso mehr, dass komfor­table und moderne Züge Sie wieder zurück zu Ihrem Urlaubsort oder nach Hause bringen.


Bereits seit 1248 wird in Wieck schon dem Fischfan. Foto: Greifswald Marketing GmbH

 

Seit dem 4. September, dürfen Tagestouristen auch ohne die zuvor nötige Übernachtungsbuchung wieder nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen. Die aktuellen Regelungen und Verordnungen des Landes sind einzusehen unter: regierung-mv.de/corona

 

Anreise

Hinfahrt: z. B. mit dem RE 3 um 8.32 Uhr von Berlin Hbf bis Bf Greifswald
Fahrzeit: 2 Std 48 Min

Ticket-Tipp

Mit dem Stadt-Land-Meer-Ticket geht es für 38,50 € pro Person nach Greifswald und zurück. Es gilt außerdem zwei Tage pro Richtung. Eigene Kinder oder Enkel unter 15 Jahren fahren kostenlos mit. bahn.de/brandenburg

 

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