Der zweite Riesen­koloss im Barnimer Land – das neu gebaute Schiffshebewerk in Niederfinow – wurde am 4. Oktober 2022 offiziell eröffnet. Schon das alte Schiffshebewerk ist seit Jahren ein touristischer Magnet. Jährlich pilgern rund 150.000 Be­su­cher:innen dorthin, um sich selbst ein Bild von dem spektakulären Fahrstuhl für Schiffe zu machen. Mit dem Neubau, gleich neben dem seit 1934 bestehenden Schiffshebewerk, wird nun mit noch mehr Gästen gerechnet.

So befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bahnhof Niederfinow (Regionalbahn RB60). Gut zu erreichen sind die beiden Schiffshebewerke aber nicht nur per Bahn, sondern ebenso mit dem Fahrrad und zwar von Eberswalde aus über den „Treidelweg“, der an Deutschlands ältester Wasserstraße, dem mehr als 400 Jahre alten Finowkanal entlang führt. An der Strecke gibt es außerdem viel Wissenswertes über die ehemalige Industrie zu erfahren.

Die Radtour „Oderberg und Um­gebung – Industriekultur an der Alten Oder“ startet direkt am Bahnhof in Niederfinow und endet in der Kurstadt Bad Freienwalde. Unterwegs treffen Radfreunde im Naturschutzgebiet Oderbruch auf seltene Vogelarten, fruchtbares Ackerland und weitläufige Weiden. Eine weitere Station ist das Binnenschifffahrts-Museum in Oderberg, das von einem Förderverein geführt wird. Das Highlight ist die Freilichtausstellung mit der „Riesa“ – einem Elbe-Seitenraddampfer der Weißen Flotte Dresden.

Auch Wanderfreunde kommen in dieser Region auf ihre Kosten. So führt beispielsweise auch der kürzlich prämierte Fernwanderweg „Rund um die Schorfheide“ zu den beiden Schiffshebewerken in Niederfinow. Die siebente Etappe und letzte Etappe beginnt in Niederfinow und endet nach 17 Kilometern in Eberswalde.


Der Finowkanal in Eberswalde, Foto: TMB-Fotoarchiv / Matthias Schäfer

 

Das neue Schiffshebewerk überwindet ein Gefälle von 36 Metern. Begonnen hatten die Arbeiten im Jahr 2008. Mehrere Monate lang lief bereits der Testbetrieb bis das neue Schiffshebewerk schließlich seinen Betrieb aufgenommen hat. Gesteuert wird es von ganz oben von einem einzigen Mitarbeitenden, dessen Bedienstand fast 50 Meter über dem Erdboden liegt. Das Schiffshebewerk verbindet den polnischen Ostseehafen in Stettin über den Oder-Havel-Kanal mit Berlin. Der Neubau war erforderlich geworden, weil das alte Hebewerk aus dem Jahr 1934 zu klein ist für moderne Küstenmotor- und Containerschiffe.

 

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