Bis Ende Februar leitete Dr.-Ing. Joachim Trettin DB Regio Nordost und übergibt nun diese Funktion an die nächste Generation. Als DB-Konzernbevollmächtigter wird er auch noch weiterhin für die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aktiv sein. Seit 1. März ist Carsten Moll neuer Vorsitzender von DB Regio Nordost. Zuvor war er drei Jahre lang in der Regio-Zentrale in Frankfurt am Main tätig. Im Interview spricht er darüber, wie er seine neue Rolle angehen will und welche Herausforderungen er dabei sieht.

 

Herr Moll, die Region Nordost ist für Sie ja gar keine so große Unbekannte.
Carsten Moll: Das stimmt, ich war hier für DB Regio bereits von 2006 bis 2017 aktiv, zuletzt lange als kaufmännischer Regionalleiter. In dieser Zeit haben wir viele neue Fahrzeuge auf die Schiene gebracht und vorhandene Wagen umfassend modernisiert. An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei Herrn Dr. Trettin bedanken, der rund 20 Jahre mit großer Leidenschaft die Region Nordost geleitet hat. Viele Erfolge aus dieser Zeit tragen seine Handschrift! Ich freue mich daher sehr, dass er seine Funktion als Konzernbevollmächtigter für die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auch weiterhin ausüben wird.

 

Welche Erfolge sind Ihnen aus dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben?
Carsten Moll: Seit einigen Jahren vergeben die Bundesländer den Betrieb von Regionalverkehrslinien im Wettbewerb. Hier konnten wir uns in den vergangenen zehn Jahren gut behaupten, einige wichtige Verkehrsverträge gewinnen und damit die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter absichern. Daneben sind wir mit dem IRE Berlin-Hamburg neue Wege gegangen.

 

Was haben Sie sich für Ihre ersten Wochen auf dem neuen Posten als Vorsitzender von DB Regio Nordost vorgenommen?
Carsten Moll: Ich möchte vor allem erst einmal zuhören und von den Kolleginnen und Kollegen erfahren, wie sie auf DB Regio Nordost blicken. Außerdem stehen Gespräche mit VBB, VMV, VVO und NASA an, die im Auftrag der Länder die Nahverkehrsleistungen bestellen.

 

Im letzten Jahr hat es auf einzelnen Linien ziemlich geklemmt …
Carsten Moll: Ja, das ist richtig. Auf den Linien RB 10, RB 14 und der RE 7 haben wir es häufig nicht geschafft, die zusätzlich von den Ländern bestellten Wagen an unsere Züge anzuhängen. Das hat unsere Kunden und uns selbst sehr geärgert. Wir haben diverse Maßnahmen umgesetzt und erbringen jetzt seit einigen Wochen stabil die geforderten Sitzplatzkapazitäten auch auf diesen drei Linien. Und natürlich hat für mich die Betriebsqualität auf allen Linien und die Zufriedenheit unserer Fahrgäste oberste Priorität.

 

Wie geht es hier weiter?
Carsten Moll: In 2020 stehen an vielen Fahrzeugen der Baureihe 442 planmäßige Drehgestelltausche an. Daher werden wir ab April bis voraussichtlich Ende September einige Fahrten auf der RE 7 und nahezu alle Fahrten auf der RB 14 mit Doppelstockzügen , um trotzdem ausreichend Sitzplatzkapazitäten anzubieten.

 

Ist denn bei den steigenden Pendlerzahlen ein weiterhin attraktiver Regionalverkehr überhaupt noch zu schaffen?
Carsten Moll: Ich bin davon absolut überzeugt! Letztlich sind alle unsere Kolleginnen und Kollegen mit ganzem Herzen Eisenbahner, von den Werkstattmitarbeitern über die Kundenbetreuer bis zu den Triebfahrzeugführern. Jeder gibt täglich sein Bestes, um im immer komplexer werdenden Nahverkehr ein gutes Produkt für unsere Fahrgäste auf die Schiene zu bringen. Und wir arbeiten eng mit den Bestellern und den Ländern zusammen, um das Angebot für die Fahrgäste kontinuierlich zu verbessern.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie für die kommenden Monate?
Carsten Moll: Neben der Stabilisierung der aktuellen Betriebsqualität haben wir einen großen Fokus auf Vorbereitung der Verkehrsverträge Netz Elbe-Spree und Netz Lausitz. Für das Netz Lausitz werden Triebwagen des Typs Mireo beschafft. Für das Netz Elbe-Spree beginnt bereits jetzt der Umbau der Fahrzeuge. Dafür werden knapp 150 Doppelstockwagen durch das DB Werk in Wittenberge umgebaut. Weitere rund 40 Triebfahrzeuge vom Typ ET442 werden bei Bombardier in Hennigsdorf modernisiert. Die Fahrzeuge erhalten bis Dezember 2022 unter anderem neue Monitore und werden mit WLAN ausgestattet.

 

Vielen Dank für das Gespräch, und viel Erfolg für den Einstieg!

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