Der „Weiße Riese“ von Grünau
Im Südosten Berlins entsteht eine neue Waschanlage für die S-Bahn

Keine drei Monate und die neue S-Bahnbaureihe 483/484 geht in Betrieb. Ab 1. Januar 2021 werden die ersten Züge endlich durch Berlin rollen. Damit diese auch stets blitzsauber bleiben, wird in Grünau momentan eine hochmoderne Außenreinigungsanlage (ARA) gebaut. Die Bauarbeiten direkt vor dem S-Bahnwerk in Grünau, im Südosten der Stadt laufen auf Hochtouren. Noch ist zwar wenig zu sehen von dem riesigen Funktionsgebäude, das in Zukunft die Sauberkeit der S-Bahnzüge garantieren wird, aber Projektleiter Dirk Retzke sieht die seit Mai laufenden Arbeiten auf einem guten Weg.

Zunächst musste die alte Waschanlage abgerissen werden, um Platz zu schaffen für die entstehende 160 Meter lange, sieben Meter breite und siebeneinhalb Meter hohe Anlage. Die Betonarbeiten werden Ende November abgeschlossen sein. Darauf folgt der konstruktive Stahlbau, die Elektrik und schließlich die eigentliche Waschtechnik im Inneren. Mit den entsprechenden Anpassungen der Schienenanlagen belaufen sich die Kosten auf neun Millionen Euro, so S-Bahnchef Peter Buchner. Eine Investition, die sich lohnt, werden von Grünau aus doch alle südöstlich verkehrenden S-Bahnlinien (außer der S9, die über die Stadtbahn verkehrt) bedient, die Züge instandgehalten – und eben gewaschen.


Die Arbeiten für die neue Waschanlage sind in vollem Gange. Foto: Andre Groth

 

24/7 im Einsatz

Nicht weniger als 149 Fahrzeuge sind auf den Linien S41/42, S45, S46, S47, S8 und S85 durchgängig im Fahrgasteinsatz und müssen – so ist es verkehrsvertraglich vereinbart – alle dreizehn Betriebstage in die Waschanlage. Kein Wunder also, dass die neue Anlage an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr laufen wird. Dabei ist sie sehr flexibel handhabbar: neben verschiedenen Zuglängen von bis zu acht Wagen, kommen auch unterschiedliche Waschprogramme zum Einsatz. Je nach Verschmutzungsgrad und Zeitpensum stehen Durchfahrt- oder Standwäschen zur Verfügung.

Die Grundwäsche ist in flotten 28 Minuten erledigt, das intensivere Programm geht in einer guten Dreiviertelstunde über die Bühne. Ein Teil der zukünftigen Waschanlage ist für die Unterflurreinigung ausgelegt, bei der auch die zu bestimmten Jahreszeiten besonders verschmutzten Untergestelle der Wagen gereinigt werden können.

Ein Vollwaschgang verbraucht rund 3.200 Liter Wasser, das zur schlierenfreien Reinigung entmineralisiert und im Nachgang zu 85 bis 90 Prozent wiederverwendet wird. „Ein wichtiger Punkt nicht nur im Hinblick auf die Betriebskosten, sondern vor allem auch auf den Schutz der Umwelt,“ so Projektleiter Retzke.


Dirk Retzke, Werkleiter Grünau und Projektleiter ARA. Foto: Andre Groth

Drei Anlagen in Zukunft

Insgesamt verfügt die S-Bahn Berlin ab nächstem Jahr über drei Waschanlagen, um die Flotte von dann 662 Fahrzeugen von außen zu reinigen: in Friedrichsfelde Ost, Wannsee und dann wieder neu in Grünau. Bis zur Fertigstellung der neuen Waschanlage werden die Züge der Baureihe 483/484 dort noch händisch von außen gereinigt.

Die S-Bahn investiert in die neuen Fahrzeuge und die notwendige Anpassung der Werkstatt in Grünau rund 900 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2021 soll der Neubau fertig sein. | lk