Keine Bahnsteighalle, sondern nur ein einfaches Dach – und selbst das bedeckte anfangs nur den östlichen Teil des Bahnsteigs. So zumindest beschreiben Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer in ihrem Buch „Berlins S-Bahnhöfe“ die Anfänge des Bahnhofs Savignyplatz, als dieser 1896 eröffnet wurde. Seitdem hat sich einiges getan und 2021 steht nun ein besonderes Jubiläum an. Denn der Bahnhof feiert seinen 125. Geburtstag.

Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer wissen noch mehr von damals zu berichten. So schreiben sie: „Die beiden Schalterhallen wurden in den Viaduktbögen eingerichtet. Sein unverwechselbares Gesicht aber erhält der Bahnhof durch die nördlich direkt angrenzende,
fensterlose und unverputzte Brandmauer, die Kehr­seite der Mietshäuser. Grauschwarz-schmutzig vom Ruß der Dampfloks war diese Rückfront, später dunkelbraun-schmutzig vom Bremsabrieb der S-Bahn-Züge, die am Bahnhof Savignyplatz 1928 Einzug hielten.“


Künstler Ben Wagin bei der Einweihung seines Wandbildes 1986. Foto: Sammlung S-Bahn-Museum

 

Sechs Jahre später folgte eine Umgestaltung des Zugangs an der Schlüterstraße. Er erhielt eine Fassade aus dunkelroten Klinkern. Der östliche Zugang an der kleinen Privatstraße wurde mit der markanten kleinen Toranlage nebst neu­gotischer Aufschrift versehen.

Einen weiteren Wendepunkt hinsichtlich des Erscheinungsbilds stellen laut der historischen Aufzeichnungen dann die Jahre 1986 bis 1989 dar. 1986 wurde die Brandmauer auf der nördlichen Seite durch eine Künstlergruppe um den Aktionskünstler Ben Wagin mit der Wand­bemalung „Weltbaum II“ gestaltet – einem gigantischen Lebensbaum. Original S-Bahn-Türen nagelte Wagin ebenfalls an das Gemäuer, in Abstand und Höhe den daneben haltenden Zügen angepasst. Heute ist das Werk etwas verblasst, aber dennoch ein Blickfang.

Anschließend wurde der Bahnhof von 1987 bis 1989 saniert und 1993 ein weiteres Mal aufgefrischt. Die „Gewächshaus“-Zugänge sind wiedererstanden, die Privatstraße samt östlichem Zugang ist aufgewertet – und seit Januar 1990 gibt es einen Aufzug.

Der Bahnhof Savignyplatz ist der jüngste der Berliner Stadtbahn, denn er wurde als letzter nachträglich in die Stadtbahnstrecke eingefügt. Heute steht der Bahnhof unter Denkmalschutz. Dieser hat sich auch eingeschaltet, als das Werk Ben Wagins zuletzt in Gefahr war. Denn weil die Hausverwaltung der Eigentümergemeinschaft die Fassade sanieren will, sollte das Bild entfernt werden.

Ben Wagin selbst ist kürzlich verstorben, am 28. Juli im Alter von 91 Jahren. Zuvor kämpfte auch er noch um den weiteren Erhalt seines Kunstwerks.


Der Bahnhof erhielt ein Dach nach dem Muster der Wannseebahn-Stationen. Foto: Sammlung S-Bahn-Museum

 

Historie

  • 1. August 1896: Eröffnung, Mittelbahnsteig (ohne Halle)
  • 11. Juni 1929: Elektrischer Betrieb
  • 1934: Umgestaltung des Eingangs Schlüterstraße
  • April 1945: Stilllegung
  • 28. August 1945: Wiedereröffnung, elektrischer Betrieb

 

Der Bahnhof Savignyplatz wurde bereits 1887 – und damit neun Jahre vor seiner Eröffnung – nach dem Rechtslehrer und preußischen Minister Carl von Savigny benannt.

 

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