Lokführer:in wird man nicht über Nacht. Oder wie Alexander Nolte sagt: „Den Abschluss zum Lokführer oder zur Lokführerin schüttelt man nicht aus dem Handgelenk. Dafür muss man sich hinsetzen und lernen, lernen, lernen.“

Der 50-Jährige weiß, wovon er spricht. Er ist selber seit vielen Jahren Lokführer, seit 2017 lebt und arbeitet er wieder in Berlin. Die Erfahrung, die er in der Vergangenheit gesammelt hat, gibt Alexander Nolte jetzt auch an den Nachwuchs weiter. Als Fachtrainer für die Funktionsausbildung unterrichtet er am DB-Standort Berlin-Lichtenberg Theorie und Praxis.

„Die größte Herausforderung ist der Theoriestoff am Anfang der Ausbildung“, sagt der gebürtige Wolfener. „Da muss man wirklich seinen inneren Schweinehund besiegen und die sechs Monate durchziehen.“

Eine übermäßige Begeisterung für die Eisenbahn sei zwar keine Voraussetzung, um Lokführer:in werden zu können. Technisches Verständnis hingegen solle man aber schon mitbringen. „Man muss sich darüber bewusst sein, was man da macht“, sagt Alexander Nolte weiter. „Dass man pro Tag mehrere hundert Menschen von A nach B bringt und dass das Wissen nicht in sechs Stunden Unterricht zu erlangen ist. Man muss sich auch zu Hause noch hinsetzen und in die Bücher gucken – das sollte selbstverständlich sein.“

Der Wahl-Berliner wollte schon als Kind Lokführer werden, wie er erzählt. Als er 1989 seinen Schulabschluss gemacht hat, sprachen gesundheitliche Gründe aber gegen diesen Wunsch. Also hat Alexander Nolte zunächst im Halbleiterwerk in Frankfurt/Oder gelernt und ist später noch Informatiker geworden. Bis ein Zufall ihn dann doch zur Bahn brachte. „Mein Bruder hat in Landshut beim Signalbau ge­arbeitet und mir das schmackhaft gemacht. Ich hab dort als Arbeitszugführer angefangen und ein paar Jahre später nochmal mein Glück mit der Lokführerausbildung probiert – und siehe da, mein Kindheitstraum ist doch noch wahr geworden.“

So einen Traum von ihrem späteren Beruf hatte auch Noltes Kollegin Josefin Flemming, ebenfalls Fachtrainerin für die Funktionsausbildung. Allerdings sah die 30-Jährige ihre Zukunft eher über den Wolken. „Ich wollte immer Stewardess werden“, erzählt sie. Der Weg führte dann über eine Ausbildung im Reiseverkehr zu einer Ausbildung als Kundenbetreuerin im Nahverkehr (KiN). In diesem Job hat Josefin Flemming schließlich ein paar Jahre gearbeitet – bis zu einer ganz bestimmten Silvesternacht, an die sie sich noch sehr gut erinnern kann.

„Das war 2015/2016 in Berlin Lichtenberg. Ich hatte Nachtdienst mit einem alteingesessenen Lokführer­kollegen“, erinnert sich die junge Mutter. „Er erklärte mir in unserer gemeinsamen Pause ein paar Funktionen des Fahrzeuges und brachte mir das Berufsbild des Lokführers und seine Aufgaben näher. In diesem Moment habe ich mich end­gültig in die Eisenbahn verliebt – und beschlossen, in diesem Beruf alt zu werden.“

Auch Flemming bestätigt, dass der Job hohe Anforderungen mit sich bringt. „Ich glaube, dass die gesamte Aus­bildung nicht unterschätzt werden darf. Das ist ein sicherheitsrelevanter Beruf, eine hochkonzentrierte Arbeit“, sagt sie. „Dazu kommen der Schichtdienst und die Arbeit an Feiertagen. Aber ich sehe das immer positiv: Weihnachten bin ich diejenige, die die Menschen zu ihren Familien bringt – oder am Silvesterabend zur Party.“ Auch die zahlreichen Sonnenauf- und -untergänge seien immer wieder eine Belohnung. „Das kann kein Maler malen, was wir manchmal sehen“, schwärmt Josefin Flemming.

Für die Zukunft wünschen sie und Alexander Nolte sich, dass noch mehr Frauen den Beruf ergreifen. „Die Frauenquote könnte höher sein, viele scheuen sich noch. Aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen gut klappt und man viel Unter­stützung bekommt. Und wenn man fachlich überzeugt, ist auch die Anerkennung groß.“

| Josephine Mühln

 

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bahn.de/brandenburg
karriere.deutschebahn.com

 

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