Um die Interessen der Fahrgäste noch besser kennenzulernen, richtete die S-Bahn Berlin im Oktober 2007 einen Beirat als Bindeglied zwischen Kund:innen und Unternehmen ein. Dr. Wolfgang Wilkening ist Gründungsmitglied des S-Bahn-Kundenbeirats und war von Beginn an Sprecher des Gremiums. Nun wird der Kundenbeirat neu besetzt und er verabschiedet sich. Im Gespräch mit punkt 3 blickt er auf 15 Jahre ehrenamtliche Begleitung und konstruktive Zusammenarbeit zurück.

 

Herr Dr. Wilkening, im Archiv sind wir auf dieses Zitat von Ihnen gestoßen: „Ich bin verliebt in die S-Bahn. Sie ist eine enorme Bereicherung. In der S-Bahn kann man täglich eine Million Menschen kennenlernen. Aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsschichten.“ Das war 2007 nachdem der Kundenbeirat sich erstmals formiert hatte. Sind Sie nach all den Jahren immer noch verliebt?

Dr. Wolfgang Wilkening: JA – alte Liebe rostet nicht!

 

Welche Höhen und Tiefen aus Ihrer Zeit im Kunden­beirat werden Sie besonders in Erinnerung behalten?

Dr. Wolfgang Wilkening: Die Tiefen waren gleich am Anfang wegen der Einsparungsfolgen … und jetzt wieder in den vergangenen beiden Jahren wegen der pandemiebedingten Einschränkungen bei den äußerst wichtigen persönlichen Kontakten in den Jahren 2020 und 2021. Die Beiratsarbeit dazwischen ist aber überwiegend von Höhen gekennzeichnet gewesen. Vor allem, weil etwa 3.000 S-Bahn-Mitarbeiter am jeweiligen Einsatzort ihren unverzichtbaren Beitrag dafür leisten, eine möglichst reibungslose Nahverkehrsmobilität zu bieten, die auch dem Schutz unserer Umwelt dient! Zusätzlich bleiben mir die bundesweiten Treffen der Fahrgastbeiräte, insbesondere das im Kaiserbahnhof in Potsdam 2018, in sehr guter Erinnerung. Der vertrauensvolle Austausch mit mehr als 50 Kundenbeiräten hat eine anhaltend positive Resonanz und wird dieses Jahr in Hamburg erneuert.

 

Was hat Ihnen am Engagement im Kundenbeirat besondere Freude bereitet?

Dr. Wolfgang Wilkening: An der Lösung von wichtigen Zukunfts­aufgaben mitwirken zu dürfen sowie die unermüdliche Begeisterung und Neugier aller Beteiligten. Dabei half uns vor allem der Vorsitzende der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH, Peter Buchner. Für unsere Anliegen fanden wir bei ihm stets ein offenes Ohr, so dass wir mit seiner Unter­stützung Vieles gewissermaßen ‚auf die Schiene‘ setzen konnten. Sehr hilfreich, um die relevanten Themen strukturiert anzugehen sind unsere vier Arbeitsgruppen:

Fahrgastinformation – für mich in den neuen S-Bahnzügen der Baureihen 483/484 gelungen umgesetzt

Tarife – momentan hochaktuell wegen der weiteren tariflichen Gestaltung nach dem 9-Euro-Ticket

Sicherheit und Sauberkeit – um zu gewährleisten, dass sich die S-Bahn­nutzer:innen an Bord der Fahrzeugflotte in jeder Hinsicht wohlfühlen

Angebotsplanung – wird meines Erachtens zukünftig noch wichtiger im Hinblick auf die Konkurrenz zu anderen Fortbewegungsmöglichkeiten.

Jede Arbeitsgruppe präsentiert ihre Ergebnisse dann dem Kunden­beirat, der spricht nach Abstimmung schriftlich seine Empfehlungen aus. Vieles ist ein Prozeß, an dem meine Nachfolger sicherlich beständig weiter arbeiten werden. Ich bin den unterschiedlichsten Menschen sehr dankbar, sowohl meinen Kontaktpersonen bei der S-Bahn Berlin GmbH als auch den Kollegen im Sprecherteam und im gesamten Kundenbeirat. Von ihnen allen habe ich in der langen Zeit unseres gemeinsamen Weges viel lernen können. Dadurch habe ich mein Wissen erheblich durch Fachgespräche, in Vorträgen und bei Exkursionen erweitert, was der Arbeit zu Gute kam.

 

Was wünschen Sie den Mitgliedern des zukünftigen Kundenbeirats?

Dr. Wolfgang Wilkening: Ich wünsche ihnen, dass vieles von ihrer kreativen Detailarbeit der beschriebenen Arbeitsgruppen umgesetzt wird. Und ich habe im Kundenbeirat erfahren, dass gegenseitiges Zuhören und der respektvolle Umgang unsere größten Erfolgsfaktoren sind! Für die schon absehbaren Umbrüche, hervorgerufen auch durch die Mobilitätswende, wird ebenso der nächste Kundenbeirat sehr auf seine kommunikativen Fähigkeiten angewiesen sein. Meinen bald ehemaligen Mitstreitern rufe ich deshalb schon heute zu: Bitte hört nicht auf, auch weiterhin jedem vorurteilsfrei und mit Respekt zu begegnen.

 


2007 berichtete punkt 3 von der Gründung des Kundenbeirats.

 

image_printdrucken