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Bahnlektüre
Faszinierend direkt

Tausende Jugendliche lebten im Berlin der 1930er auf der Straße. Ohne Familie, ohne Schutz, ohne Zukunft. In selbstorganisierten Cliquen trotzten sie dem harten Alltag aus Gewalt, Straßenkämpfen und Weltwirtschaftskrise. Doch laut dem zeitgenössischen Kritiker Siegfried Kracauer feierten sie auch nach „ziemlich geheimnisvollen und anstößigen Riten romantische Dreigroschenoperfeste“. Eine Milieustudie aus der Zeit der Weimarer Republik in Romanform ist „Blutsbrüder“ von dem Schriftsteller Erik Haffner. Nur dieses eine Buch von ihm ist erhalten – und auch dieses war von den Nazis verpönt und verbrannt worden. Der Aufbau-Verlag legte es 2013 neu auf – es hat bis heute nichts von seiner faszinierenden Direktheit eingebüßt. | lk

 

Ernst Haffner „Blutsbrüder: Ein Berliner Cliquenroman“, Verlag: Aufbau, 2013, 264 Seiten, 12 €