Eine falsch gestellte Weiche am Bahnhof Friedrichstraße, eine vergessene Republikflucht von 127 Menschen per S-Bahn, ein Ex-Stellwerksmeister der Reichsbahn und jetziger Videotheken­besitzer sowie ein übereifriger Reporter aus dem Westen und eine bildschöne Frau sind die Zutaten für eine rasante Geschichte zwischen Satire und (Pseudo-)Heldenepos. Auf der Meta-Ebene wird dabei geschickt die Entstehung von Geschichte analysiert – und von Geschichten: auf kollektiv-gesellschaftlicher Ebene (wer hat die Macht dazu?) sowie auf individuell-menschlicher (wie erzählt man sich/anderen sein Leben?). Und das mit sezierendem und ebenso humorvollem Blick auf die deutsch-deutsche Historie, die eben mehr als eine Erzählung kennt. | lk

 

Maxim Leo „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“
Verlag: Kiepenheuer&Witsch, 2022, 304 Seiten, 22 €

 

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