„Was ist das Schlimmste, das du je getan hast?“ – mit dieser Frage, die (so viel sei verraten) alles in diesem raffinierten Künstlerroman sprengen wird, sieht sich Protagonist Jakob von seiner lieben Tochter konfrontiert. Der berühmte Schauspieler, über den ein Verlag eine Biografie plant, erinnert sich an einen Filmdreh an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Die Morde an Frauen und das Elend dort bekam er bloß distanziert mit – aber zweimal war er plötzlich mittendrin. Er schämt sich, ringt mit den simplen Urteilen der Welt und sehnt sich in gleißenden Erinnerungen nach dem Glück. Warum ist er kein Original, sondern stets nur „der zweite Jakob“? Der Autor Norbert Gstrein beantwortet es gewieft in seinem ganz eigenen Stil. | lk

 

Norbert Gstrein, „Der zweite Jakob“, Verlag: Carl Hanser, 2021, 448 Seiten, 25 Euro

 

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