Viele Polizist:innen und Sicherheitspersonal, abgesperrte Rolltreppen und Polizeihunde – wer am Morgen des 21. Juli am Bahnhof Südkreuz aus dem Zug stieg, schaute sich verwundert um. Was ist geschehen? Doch kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: An diesem Morgen drehte sich alles einzig und allein um Sicherheit. Denn damit sich Reisende, Bahnhofsbesucher:innen und Mitarbeitende noch sicherer am Bahnhof fühlen, entwickeln und erproben die Deutsche Bahn und die Bundespolizei am Bahnhof Südkreuz zukunftsfähige Sicherheitskonzepte für Bahnhöfe. Dafür wurde der Bahnhof zum Testlabor erkoren – hier wird geforscht und erprobt.

Das Sicherheitspersonal war für den hohen Besuch vor Ort: Bahnchef Dr. Richard Lutz, Innenministerin Nancy Faeser und Verkehrsminister Dr. Volker Wissing stellten nämlich an diesem Tag die neue Sicherheits­technik vor und gaben gleichzeitig den offiziellen Startschuss für die Erprobung neuer innovativer Technik am Bahnhof Südkreuz.

„An kaum einem Ort begegnen sich so viele unterschiedliche Menschen wie an einem Bahnhof, und hier am Bahnhof Südkreuz sind es 180.000 jeden Tag“, erklärte Bahnchef Lutz gleich zu Beginn. „Dieser Bahnhof ist anderen Bahnhöfen in vielerlei Hinsicht einen Schritt voraus. Denn wir testen hier heute, was im Bereich Sicherheit morgen Standard werden kann.“

Sich sicher zu fühlen, sei ein menschliches Grundbedürfnis. Das gilt für alle Orte und auch für das Unterwegssein. „Wir wollen, dass sich unsere Reisenden überall sicher fühlen – auch und gerade in Bahn­höfen. Gleiches gilt für unsere Mitarbeitenden. Denn nur wer sich in Zügen und an Bahnhöfen sicher fühlt, nutzt die Bahn“, fügte er hinzu.

 

Auf Prävention setzen

 

Um die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen weiter zu steigern, werden fortlaufend neue und innovative Ansätze für noch mehr Sicherheit erprobt. „Prävention“ ist die Devise – gefährliche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Innenministerin Nancy Faeser erklärte: „Ob der Weg zur Arbeit, in den Urlaub, zum Einkaufen oder ins Nachtleben – Bahnhöfe sind für viele Menschen Dreh- und Angelpunkt des täglichen Lebens. Doch sie sind noch viel mehr; nicht zuletzt hat der Krieg in der Ukraine gezeigt, dass Bahnhöfe auch Zufluchtsorte für Geflüchtete sind – und hier war der Sicherheitsaspekt vor allem für die ankommenden Frauen und Kinder besonders wichtig.“ Sie zeigte sich begeistert von den Innovationen: „Ich erhoffe mir von diesem wissenschaftlichen Projekt, dass wir die erprobten Neuerungen auch demnächst auf viele weitere Bahnhöfe ausrollen können.“

Ein hohes Sicherheitsempfinden entsteht jedoch nicht nur durch modernste Technik, sondern ebenso wichtig ist auch der Mensch: Nur in engem Zusammenspiel sorgen Mensch und Technik für größtmögliche Sicherheit. Aus diesem Grund weitet die DB gemeinsam mit der Bundespolizei die bewährte Zusammenarbeit mit den Bahnhofsmissionen noch einmal aus. Bundespolizist:innen, DB-­Mitarbeitende und Sozialarbeitende arbeiten künftig noch enger zusammen. Ein erster Schritt dabei ist die Schulung der Auszubildenden von DB Sicherheit im Umgang mit hilfe­bedürftigen Menschen und Menschen ohne Obdach. | Christiane Flechtner

 

Am Bahnhof Berlin Südkreuz erforschen und erproben Bundespolizei und DB neue Technik und Services:

 

Beispiel 1: Die leuchtende Bahnsteigkante – ein Lichtleitsystem, entwickelt vom Berliner Start-up Siut, das in den vergangenen Monaten installiert wurde: An Gleis 1 weist ein LED-Lichtstreifen Reisenden den Weg. Beispielsweise bedeutet grünes Licht: Einsteigen. Dynamische Lauflichter leiten die Fahrgäste zur Halteposition des Zuges entlang des Bahnsteigs. Blinkende rote Signale warnen Reisende vor ein- oder ausfahrenden Zügen und rotes Dauerlicht zeigt an, welcher Bereich des Bahnsteigs aus Sicherheitsgründen frei bleiben muss. Demnächst kommt in der zweiten Phase die Farbe Weiß hinzu. Weißes, dynamisch pulsierendes Licht gibt Auskunft darüber, wo ein Zug hält, und dient den Reisenden als Wegweiser. „Ich bin schon sehr gespannt, wie diese Innova­tion bei den Fahrgästen ankommt“, sagte Bundesverkehrsminister Wissing.

In einer nächsten Phase, die noch in diesem Jahr beginnt, soll das System den Fahrgästen an diesem Gleis auch zeigen, wie voll die Wagen der nächsten einfahrenden S-Bahn sind. Dazu wird im Bahnhof Yorkstraße die Auslastung der S-Bahn und die Zuglänge über einen Sensor ermittelt. Diese Daten werden dann auf Gleis 1 am Südkreuz in farbige Lichter am Boden umgesetzt. „Für rund ein Jahr testen wir nun im täglichen S-Bahnbetrieb, ob dieses Lichtleitsystem das Ein- und Aussteigen für unsere Fahrgäste schneller und sicherer machen kann“, erklärte Lutz.


Foto: DB AG / Hans-Christian Plambeck

 

Beispiel 2: Der Pilotversuch mit der App „SafeNow“ macht den Bahnhof Südkreuz zur SafeNow-Zone. Mit dieser App können Nutzer:innen digital, schnell und unauffällig Hilfe rufen, ohne zu telefonieren. Das Loslassen eines „App-Buttons“ löst den Alarm aus. Dieser erreicht dann direkt und rund um die Uhr die Mitarbeitenden des Sicherheitslabors im Bahnhof Südkreuz. Die App bietet eine niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit in Situationen, in denen sich Reisende und Bahnhofsbesucher:innen unwohl fühlen, aber nicht gleich den Polizei-Notruf wählen möchten.


Foto: DB AG / Antje Wittig

 

Beipiel 3: Kameras und künstliche Intelligenz – auch die Videotechnik baut die DB gemeinsam mit der Bundespolizei aus. Aktuell laufen rund 9.000 Kameras an circa 800 Bahnhöfen. Bis 2024 wird die Anzahl auf 11.000 Kameras aufgestockt. „Zudem erforschen wir gemeinsam mit der Bundespolizei, ob eine KI-unterstützte Software künftig auf der Basis von Videobildern erkennen kann, ob jemand Hilfe benötigt“, erklärte Bahnchef Lutz.


Foto: Christiane Flechtner

 

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