Bauen | 2019/15 - 8. August, S. 20


Pilotfugen mit längerer Haltbarkeit für den Berliner Hauptbahnhof


10. September bis 14. Oktober: Stadtbahn abschnittsweise für Fern- und Regionalzüge gesperrt


Auf der Stadtbahn im Bereich des Berliner Hauptbahnhofs werden in den nächsten Jahren die sogenannten Fugenübergangskonstruktionen ausgewechselt.

Dies betrifft im Gesamtprojekt sowohl die S-Bahn, als auch die Fern- und Regionalbahngleise. In diesem Jahr sind aber lediglich Fern- und Regionalverkehr von Einschränkungen betroffen. In einem Pilotprojekt werden zunächst zwei neue Konstruktionen eingebaut und auf Langlebigkeit getestet.

Nach einer dreijährigen Betriebserprobung sollen dann nach und nach alle weiteren 36 Fugenübergangskonstruktionen ausgetauscht werden.

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Der Fugenübergang als technische Konstruktion sichert den Übergang des Stadtbahnviaduktes mit einer festen Fahrbahn auf die Brückenkonstruktionen des Berliner Hauptbahnhofs – ebenfalls mit einer festen Fahrbahn ausgerüstet. Foto: DB Netz



Fugenübergangskonstruktion ist ein kompliziertes Wort, was kann man sich darunter vorstellen?
Christian Morgenroth:
Der Berliner Hauptbahnhof ist ein Brückenbauwerk mit einer festen Fahrbahn, welches in das Stadtbahn-Viadukt eingefügt wurde. Die Fugenübergangskonstruktionen überbrücken die „Lücke“ zwischen den festen Fahrbahnen des Bahnhofs als Brückenkonstruktion und der Stadtbahn.

Warum müssen die Konstruktionen ausgetauscht werden und was hat es mit dem Pilotprojekt auf sich?
Christian Morgenroth:
Die Stadtbahn ist eine sehr dicht befahrene Strecke, die Fugenübergangskonstruktionen sind starken mechanischen Kräften ausgesetzt, das führt zu einem natürlichen Verschleiß und macht eine regelmäßige Beobachtung notwendig. Ist der Verschleiß zu hoch, müssen Instandhaltungsarbeiten ausgeführt werden, was wiederummit  Einschränkungen für die Bahnreisende verbunden ist. Wir möchten die Abstände verlängern, in denen ggf. eine  Erneuerung notwendig wird. Deshalb testen wir nun zwei Pilotfugen, die langlebiger werden sollen und den hohen Belastungen besser gerecht werden. Um genau beobachten und auswerten zu können, wie sich diese neue Konstruktion nun in der Praxis bewährt, installieren wir  zusätzlich Messeinrichtungen. Nach Abschluss des Projektes , werden die neuen Fugenübergänge  an 36 weiteren Stellen ausgetauscht.

Wie aufwendig ist der Einbau?
Christian Morgenroth:
Die beiden Pilotfugen – eine im westlichen Teil des Hauptbahnhofs und eine im östlichen Teil im Ausfahrbereich des Bahnsteiggleises 11 – werden zeitgleich eingebaut. Dafür nehmen wir das bestehende Gleis ebenso wie die vorhandene feste Fahrbahn mit der Gleistragplatte heraus und setzen eine neue Platte mit den neu konstruierten Schwellen ein. Dann muss der Beton aushärten, bevor der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Könnte man nicht ein Gleis nach dem anderen bearbeiten, so dass wenigstens eingleisig weitergefahren werden kann?
Christian Morgenroth:
Das geht leider nicht. Die westliche Pilot-Fuge,  liegt innerhalb eines Hauptgleises. Da lassen es die Platzverhältnisse auf dem schmalen Stadtbahnviadukt  einfach nicht zu, dass der Verkehr im Nebengleis weiterläuft. Um ein sicheres Arbeiten garantieren zu können, muss die Strecke in beiden Richtungen gesperrt werden. Wir sind sehr bemüht, die Einschränkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten. Im „Schatten“ einer solchen Sperrung werden alle möglichen Arbeiten realisiert, für die andernfalls separate Sperrzeiten zur Verfügung gestellt werden müssten. In diesem Fall überarbeiten wir im Bahnhof Zoologischer Garten Weichen, erneuern Schienen und Gleise. Außerdem wird die Bauwerksentwässerung gereinigt und gespült. Zwischen Charlottenburg und Spandau erneuern wir vom 24. September bis 14. Oktober ebenfalls die Schienen.