Historisch | 2019/15 - 8. August, S. 4


Von wegen altes Eisen – die Jubilarin hat viel vor!


Geburtsstunde war der 8. August 1924


Mit 95 Jahren nimmt die Berliner S-Bahn richtig Schwung auf und schaut voller Vorfreude in die Zukunft. Das Rückgrat des Nahverkehrs in Berlin-Brandenburg ist eng mit der Geschichte der Region verbunden. Für moderne umweltfreundliche Mobilität in der wachsenden Hauptstadtregion ist die S-Bahn der entscheidende Faktor. Das derzeit laufende Qualitätsprogramm S-Bahn Plus macht die Fahrt mit den rot-gelben Zügen pünktlicher, zuverlässiger und attraktiver. Ab 2021 werden die ersten neuen Züge auf dem Ring fahren. S-Bahn-Fahrgäste können sich also auf mehr Komfort freuen.

S-Bahn
Komfortabel und klimatisiert – die neue S-Bahn für Berlin wird ab 2021 auf dem Ring unterwegs sein.
Foto: Konsortium Siemens Mobility GmbH/Stadler Pankow GmbH

 

Ein Blick in 95 Jahre bewegte Geschichte

Anfänge, Blütezeit und NS-Propaganda
1900

Im April startete die Preußische Eisenbahn in nächtlichen Betriebspausen die ersten elektrischen Versuchsbetriebe mit 750 Volt Gleichstrom auf der Wannseebahn.
1924
Am 8. August 1924 folgte die Geburtsstunde der S-Bahn in Berlin. Im Zuge der „großen Elektrisierung“ wurde das Netz vom Dampfbetrieb auf elektrischen Fahrstrom umgestellt. Ab jenem Tag rollten insgesamt sechs Versuchstriebwagen vom Stettiner Vorortbahnhof, dem heutigen Nordbahnhof, nach Bernau.
1930
Im Dezember etablierten sich der Name S-Bahn und das Logo mit dem weißen „S“ auf grünem Grund, das mit seinem hohen Wiedererkennungswert bis heute Bestand hat. Wofür das „S“ steht – Schnell- oder Stadt-Bahn – wird noch immer diskutiert.
Ab 1933
Die S-Bahn erlebte in der Folge eine rasante Entwicklung und Blütezeit, sie gilt als Sinnbild moderner Mobilität. Gleichzeitig machte sich ab 1933 der Einfluss der NS-Diktatur bemerkbar. Der Bau des Nord-Süd-Tunnels etwa wurde zu Propagandazwecken instrumentalisiert.

Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau
1943

Mit 1140 Viertelzügen verzeichnet die S-Bahn Berlin den bislang höchsten Fahrzeugbestand und erreicht mit 737 Millionen Reisenden einen Passagierrekord.
1945
Am 25. April kommt der S-Bahn-Betrieb durch die in Berlin stattfindenden Kampfhandlungen vollständig zum Erliegen, wegen Kohlemangels gibt es keine Stromversorgung. Bei Kriegsende sind rund 90 Prozent der Züge zerstört oder nicht betriebsfähig. Am 6. Juni wird der elektrische S-Bahn-Betrieb wieder aufgenommen.

Die Zeit der Teilung
1961

Der Mauerbau zerschnitt mit der Stadt auch das Berliner Nahverkehrssystem. Verbindungen wurden gekappt, Bahnhöfe zugemauert, der Bahnhof Friedrichstraße wurde zum streng gesicherten Grenzübergang ausgebaut. Zwei eigenständige S-Bahnsysteme entstanden, beide von der Deutschen Reichsbahn (Staatsbahn der DDR) betrieben.

60er Jahre bis Mauerfall
Im Westen wurde als Protest gegen den Mauerbau zum S-Bahn-Boykott aufgerufen, die S-Bahn verlor an Bedeutung.
Im Osten blieb die S-Bahn weiter wichtiges Verkehrsmittel und dient der Erschließung neuer Wohngebiete.
1980
Wegen Entlassungen und geplanten Fahrplankürzungen bei der Deutschen Reichsbahn kam es in West-Berlin zum S-Bahner-Streik.
1983
Übergabe der Betriebsrechte für die West-Berliner S-Bahn an die BVG.

Mauerfall und Lückenschlüsse
ab 9. November 1989

Nach dem Mauerfall stand die Zusammenführung der beiden S-Bahn-Netze im Vordergrund. In den neunziger Jahren wurden Fahrzeuge, Strecken, Bahnhöfe und Stationen ertüchtigt, die S-Bahn machte sich auf den Weg zum modernen Verkehrsmittel für die vereinte Stadt.
15. Juni 2002
Der S-Bahn-Ring ist wieder geschlossen, damit gehört die Teilung des S-Bahn-Netzes endgültig der Vergangenheit an.
2006
Innerhalb von nur rund zehn Jahren wurden viele bis zu 70 Jahre alte S-Bahn-Züge durch 500 neue Viertelzüge der Baureihe 481 ersetzt.

Krise und Bewältigung
2009

Herstellerbedingte Fahrzeugmängel und Managementfehler im Unternehmen führten die S-Bahn Berlin in eine Krise, die erhebliche Leistungseinschränkungen nach sich zog. Eine neue Geschäftsführung wurde eingesetzt, die mit zusätzlichem Personal und erweiterten Werkstattkapazitäten an der Behebung der Qualitätsmängel arbeitete.
2014
Jubiläumsaktionen unter dem Motto „Wir verbinden. Seit 90 Jahren.“
2016
Vertreter von Bahn und Politik unterzeichneten den Verkehrsvertrag für das Teilnetz Ring/Südost und bestellten 382 neue S-Bahnen der Baureihe 483/484  beim Herstellerkonsortium Siemens/Stadler.

Die S-Bahn heute
Die S-Bahn Berlin gehört mit rund 3.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern der Hauptstadt. Rund 1.100 Lokführerinnen und Lokführer steuern die rot-gelben Züge auf dem 327 Kilometer langen Schienennetz mit seinen 166 Bahnhöfen. Pro Tag nutzen 1,5 Millionen Berliner, Brandenburger und Besucher der Stadt die S-Bahn. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt mehr als 478 Millionen Fahrgäste.