Ausflüge | 2019/10 - 23. Mai, S. 10


Spazieren in Fontanes ­Fußstapfen


Bei einem Besuch in Wustrau zahlreiche Eindrücke aus dem alten Preußen sammeln


Ein 40-jähriger Mann mit markantem Schnauzer und nach hinten gekämmtem, welligem Haar kam Mitte des 19. Jahrhunderts „in einem Boot über den See gefahren“ – und besuchte den Ort Wustrau. Es war Theodor Fontane, der hier Notizen für das erste Kapitel des ersten Bands seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ niederschrieb.

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Die Tourempfehlung „Durch Wustrau, Fontane nach“ mit Offlinekarte und nützlichen Serviceinfos gibt’s mit DB Ausflug kostenlos aufs Smartphone. Über den roten Button geht’s direkt zur Reiseplanung anhand der aktuellen Fahrplandaten. Dauer: ca. 4 h, Strecke: 8 km. Foto: terrapress Berlin

 

Sie kommen zum Start des Ausflugs durch das 1.146 Ein­wohner zählende Örtchen mit der Bahn am Bahnhof Wustrau-Radensleben an. Spazieren Sie dann sogleich in den Fußstapfen Fontanes durch die Straßen und erfahren Sie im Brandenburg-Preußen Museum Interessantes zur preußischen Vergangenheit, die Fontane so gern herauf­beschwor.

Zunächst geht es entlang der Hauptstraße in Richtung Süden, nach rund zehn Minuten erreichen Sie Altfriesack. Der Ort liegt an der südöstlichen Ausbuchtung des Ruppiner Sees. Die Straße führt an der Schleuse über eine Klappbrücke, deren Mechanismus holländischen Vorbildern abgeschaut ist. In Altfriesack war die Brücke erst erforderlich, als 1790 die Verbindung zwischen dem Ruppiner See und dem Bützsee gegraben wurde. Anfangs war sie aus Holz, ab 1927 aus Eisen, seit 1994 steht die elegante Stahl­konstruktion, die Sie heute sehen.

Der Weg von Altfriesack nach Wustrau führt schließlich durch ­dichten Wald. Über einen schmalen Feldweg können Sie einen kleinen Abstecher zum Seeufer machen. Dort steht der Obelisk, der einst den Schiffern den Weg in den Kanal wies, der den Ruppiner See mit den Havelgewässern verband und damit Neuruppin mit Berlin.

Wustrau selbst beschrieb Fontane durchaus wohlwollend: „Das eigent­liche Dorf, saubere, von Wohlstand zeugende Bauernhäuser, liegt etwas zurückgezogen vom See; zwischen Dorf und See aber breitet sich der Park aus, dessen Baumgruppen von dem Dache des etwas hoch gelegenen Herrenhauses überragt werden.“ Dieses Herrenhaus des Husaren­generals Hans Joachim von Zieten schauen Sie sich nun an. Zieten (1699 – 1786) war einer der berühmtesten Reiter­generäle der preußischen Geschichte und enger Vertrauter König Friedrichs des Großen. Seit 1726 lebte Zieten auf dem Rittersitz Wustrau.

Der Spaziergang führt Sie dann zum Wustrauer Dorfanger. Er trägt den Namen „Das Hohe Ende“ – er hat nämlich kein richtiges Ende. Einst bleichten die Bewohner auf der Grünfläche zwischen den kleinen Bauernhäusern ihre Wäsche.

Laufen Sie ein Stück weiter den Anger hinauf, dann kommen Sie zum Eiskeller, der auf den alten Zieten zurückgeht. Sein Sohn setzte eine Steinbank am Hohen Ende so aus behauenen Findlingen zusammen, dass sie wie eine germanische Weihe­stätte erscheint.

Spazieren Sie über den Fußweg, vorbei an uralten Baumriesen, zum Seeufer. Bei schönem Wetter bietet sich die Badestelle mit Steg für eine Erfrischung an, ansonsten genießen Sie einfach den Blick, bevor Sie zur Kirche von Wustrau zurückkehren. Werfen Sie einen Blick hinein, sie ist Dienstag bis Sonntag meistens geöffnet.

Nach so vielen Eindrücken des alten Preußens – und vielleicht mit einigen neugewonnenen Erkennt­nissen – spazieren Sie am Seeufer entlang über Altfriesack rund zweieinhalb Kilometer zurück zum Bahnhof Wustrau-Radensleben.

Martina Göttsching

 

Anreise
Hinfahrt: mit dem RE4 ab Berlin Hbf z. B. um 9.58 Uhr bis Berlin-Spandau und weiter mit dem RE6 z. B. um 10.22 Uhr bis  Wustrau-Radensleben, Rückfahrt: z. B. um 17.36 Uhr, Fahrzeit: ca. 1 Stunde 20 Minuten

Ticket-Tipp
Die einfache Fahrt kostet 6,90 €.
bahn.de/brandenburg
| VBB.de

Brandenburg-Preußen Museum Wustrau
Eichenallee 7a, 16818 Fehrbellin
Di – So 10 – 18 Uhr
brandenburg-preussen-museum.de

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